ADB:Hahn, Johann Friedrich

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Artikel „Hahn, Johann Friedrich“ von Erich Schmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 363–364, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hahn,_Johann_Friedrich&oldid=3049073 (Version vom 20. Oktober 2018, 17:36 Uhr UTC)
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Hahn: Johann Friedrich H., geb. um 1750 in Zweibrücken (oder Gießen?) als Sohn eines Oberappellationsgerichtsrathes, Ostern 1771 in Göttingen als Jurist eingeschrieben, trieb schöne Wissenschaften, versuchte es schließlich mit der Theologie, großsprecherisch aber unenergisch. Im Sommer 1772 in den „Bund“ aufgenommen, wurde er viel bewundert, angesungen und fast allgemein überschätzt. Deutschthümelnd, hitzig, trotzig, ungebärdig, galt er für ein seltenes Talent, einen tiefen Denker, einen imposanten Charakter. Später mißfiel manchen das „Geniemäßige“ an ihm. Er war Vossens Vertrauter (Voß über ihn zuerst Briefe 1, 88). Er vermittelte die Verbindung seines ihm leidenschaftlich zugethanen Landsmannes Müller mit dem Almanach. Vorleser bei Bundesfesten, nicht Secretär, aber Herold des Hains im feierlichen Verkehr mit Klopstock, der ihn lobt, den er vergöttert. 1774 Freimaurer. 1775–79 wieder in Zweibrücken. Er verstummte. Fast führte die „Selbstigkeit“ des Hypochonders zum Bruch mit den Freunden, die den tief verschuldeten unterstützten. Ihm floß das Honorar für Leisewitzens „Julius von Tarent“ zu. Er starb im Mai 1779. Miller an Voß 16. Septbr. 1779: „Vorige Woche war Trautmann aus Zweybrücken hier … Auch sagte er mir, was du schon wissen wirst, daß Hahn leztern May gestorben ist. Er blieb bis an seinen Tod, was er immer war, ein unglücklicher Hypochondrist. Nun hat er Ruhe. Sit illi terra levis!“ [364] (Danach Voß Briefe 31, 192). Als Dichter, extrem Wielandfeindlich, forcirt er Klopstock’s Odenstil und ist mehr polternd als pathetisch. „Teuthard“ gibt dem Haß gegen Tyrannen und Wälsche den wüthendsten und zugleich unreifsten Ausdruck („Teuthard an Minnehold“, „An die Könige“ etc.). Er schwärmt revolutionär von einem „Rachebund“ gegen die „goldenen Buben“. Der unklare Brausekopf brachte nur einige Oden und weniges Satirische zu Stande, konnte aber geplante Erzählungen so wenig ausgestalten, als den Entwurf eines großen vaterländischen Epos „Hermann“ (Stolberg an Voß 11. Dec. 1773). Auch in der Selbstkritik war er schroff.

Vgl. Herbst, J. H. Voß 1, 89 ff., Verzeichniß der Gedichte 1, 276 und dazu 22, 235. Ungedruckte Briefe Miller’s an Voß (Hof- und Staatsbibliothek zu München).