ADB:Hartig, Franz Graf von (k. k. Wirklicher Geheimer Rat)

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Artikel „Hartig, Franz de Paula, Graf von“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 653–654, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hartig,_Franz_Graf_von_(k._k._Wirklicher_Geheimer_Rat)&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 06:54 Uhr UTC)
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Hartig: Franz de Paula, Graf von H. (geboren am 29. August 1758 zu Prag, † am 1. Mai 1797). Der jüngeren böhmischen Linie dieses Hauses angehörend, entsproß H. der Verbindung des Grafen Adam Franz, k. Gesandten am Münchener Hofe, später k. Ministers bei dem fränkisch-schwäbischen Reichskreise, und der Gräfin M. Th. von Kolowrat-Krakowsky, als Zweitgeborner. Schon als junger Mann von 17 Jahren verrieth er das Talent zur feinen Beobachtung [654] und litterarischen Vielseitigkeit durch seine Pariser Erstlingsarbeit in französischer Sprache: „Essai sur les avantages, qui retireraient les femmes en cultivant les sciences et beaux arts; par un amateur“ (1775). Von französischer Bildung durchdrungen und in Westeuropa als Reisender zu Hause, wie seine um 1778 verfaßten, aber erst 1785 zu Genf veröffentlichten „Lettres sur la France, l’Angleterre et l’Italie“ beweisen, – Briefe, neben welchen Notizen über politische Verhältnisse des Auslandes einherlaufen mochten, zu denen ihn der ausdrückliche Wunsch der Kaiserin aufgefordert haben soll, – überdies in Mailand unter der Leitung des tüchtigen Statthalters Firmian für den Staatsdienst in kurzer Zeit, aber gut geschult, – verrieth H. auch als Diener des Staates den Aristokraten von Geist, Geschmack, Achtung und Liebe für Wissenschaft, Kunst und wichtige nationalökonomische Fragen. In die letztere Richtung schlagen seine „Historischen Betrachtungen über die Aufnahme und den Verfall der Feldwirthschaft bei den verschiedenen Völkern" (Prag und Wien 1786), welche nicht blos bei der deutschen Kritik günstige Aufnahme fanden, sondern auch eine französische Uebersetzung (1790) erlebten. Der Kenner und Freund des Französischen, dessen „Mélanges de Vers et de Prose“ (Paris 1788) vor den Pariser Akademikern Gnade fanden, achtete aber auch deutsche Wissenschaft. H. war es, der zu Würzburg die Bekanntschaft mit dem Historiker Mich. Ign. Schmidt machte und dessen Berufung an das k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien veranlaßte. Als Rath bei dem böhmischen Landrechte und in der Gubernialcommission durch einen Blutsturz zur unfreiwilligen Muße verurtheilt, die er 1787/8 zu jenen poetischen Arbeiten verwerthet hatte, betrat H. die diplomatische Laufbahn mit 29 Jahren als k. Gesandter am kursächsischen Hofe. Von Kaiser Leopold II. zum Geheimrathe und Großkreuz des Stephansordens 1792 ernannt, mußte er in Folge seines Brustleidens 1794 den Ruhestand wählen. Unablässig litterarisch thätig, Präsident der königl. böhmischen Akademie der Wissenschaften, schied H., erst an der Schwelle des reiferen Mannesalters, mit 39 Jahren aus dem Leben. Aus seiner Ehe von 1783 mit M. E. Gräfin von Colloredo entsprossen zwei Töchter und zwei Söhne, von denen der Erstgeborne als österreichischer Staatsmann eine wichtige Rolle zu spielen berufen war.

Die Biographie des Grafen F. H. erschien zu Wien 1799. Meusel, Gel. Lex., V. 183. Poggendorff, Biogr.-litter. Handwörterbuch z. G. der exacten Wiss. (Leipz. 1859). Ersch-Gruber, Encyklop., II. 3. Bd. Wurzbach, Biogr. Lex., 7. Bd. Vgl. auch Wißgrill, Schaupl. des nied.-öst. Adels, IV. Bd. (Art. Hartig).