ADB:Hase, Cornelius de

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hase, Cornelius de“ von Johann Friedrich Iken in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 723–724, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hase,_Cornelius_de&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 14:44 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Hase, Heinrich
Band 10 (1879), S. 723–724 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Cornelius de Hase in der Wikipedia
GND-Nummer 121609871
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|10|723|724|Hase, Cornelius de|Johann Friedrich Iken|ADB:Hase, Cornelius de}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=121609871}}    

Hase: Cornelius de H., bremischer Theologe, als Prediger, akademischer Lehrer und Schriftsteller gefeiert. Er stammte aus einer niederländischen Familie, welche in der Verfolgungszeit nach Frankfurt a/M. ausgewandert war. Der Vater war hier Kaufmann und Vorsteher an der reformirten Gemeinde. Der Sohn, geb. am 13. November 1653, begann 15jährig das theologische Studium in Heidelberg und kam 1669 zur Fortsetzung desselben an das Collegium Mauritianum in Kassel, wo er in nahe Beziehungen zu dem schon damals berühmten Prediger Theodor Undereyck trat. Diesem folgte er 1670 nach Bremen, um am [724] dortigen Gymnasium illustre seine Studien fortzusetzen, die er endlich 1672 bis 76 in Holland vollendete. Als er bald darauf gleichzeitig Rufe nach Detmold, Gröningen und Bremen erhielt, entschied er sich für Bremen, wo er zusammen mit Undereyck an der St. Martinikirche wirken sollte. War er auch nur Pastor extraordinarius, der um 5 Uhr Morgens predigen mußte, so erwarb er sich doch schnell Anerkennung schon wegen seiner labadistischen (pietistischen) Richtung, die ihn vereint mit Undereyck zum Kampfe gegen die herrschende Orthodoxie trieb. 1679 wurde er ordentlicher Prediger, 1683 zugleich Lehrer an der bremischen Hochschule und zwei Jahre später erlangte er in Groningen den theologischen Doctorgrad. Nach Undereyck’s Tode, 1693, wurde er erster Geistlicher zu St. Martini, 1699 Rector der Hochschule und endlich 1708 erster Prediger der Rathskirche U. L. Frauen. So vereinigte er in sich die höchsten Würden, welche der kleine Freistaat einem Geistlichen bieten konnte. Aber schon kurze Zeit darauf, am 26. Mai 1710, traf ihn auf der Kanzel ein Schlagfluß, dem er nach wenigen Stunden erlag. Hatte H. eine Zeit lang als Undereyck’s Parteigänger dessen Richtung mit Eifer verfochten und dabei auch persönliche Streitereien nicht gescheut, so sehen wir ihn später mehr und mehr davon zurückkommen. Er war von Natur viel mehr zum gelehrten und sinnigen Kirchenlehrer, als zum Parteimann geschaffen. Freilich blieb er der neuen, durch Coccejus glänzend verfochtenen, labadistischen Richtung bis an sein Ende zugethan, aber in milder versöhnlicher Weise. So genoß er in Bremen, wo nach Undereyck’s Tode die orthodoxe und pietistische Strömung meist friedlich in einander flossen, die größte Hochachtung: ein gern gehörter Prediger, ein von der Jugend geschätzter Lehrer, als Gelehrter von unbestrittenem Rufe in der ganzen reformirten Kirche. Auswärtige Berufungen nach Frankfurt, Hamburg, Berlin, Marburg, Amsterdam, Franeker hielten ihn nicht ab, seiner neuen Heimath treu zu bleiben. Seine Schriften sind zum Theil erbaulicher, meist aber theologisch wissenschaftlicher Art, hauptsächlich kleine Abhandlungen und Dissertationen; die deutschen sind zum Theil auch ins Holländische übersetzt. Von seinen Kindern hat sich Jakob als Philologe und Jurist in Bremen und Groningen ausgezeichnet, Theodor (s. u.), den Vater als gelehrter Theologe weit übertroffen.

C. Ikenii Oratio de Illustri Bremensium Schola, Bremae 1741, p. 79 ss. J. Ph. Cassel, Bremensia I. S. 401 ff. Leben und Schriften Herrn Cornelius de Hase, Bremen 1766. Rotermund, Brem. Gelehrtenlexikon, Bremen 1818. Acten des Ministeriums und des Staatsarchivs in Bremen.