ADB:Haschka, Lorenz Leopold

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Haschka, Lorenz Leopold“ von Karl Weiß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 723, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Haschka,_Lorenz_Leopold&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 01:32 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Harveng, Philipp von
Nächster>>>
Hase, Cornelius de
Band 10 (1879), S. 723 (Quelle).
Wikisource-logo.png Lorenz Leopold Haschka bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Lorenz Leopold Haschka in der Wikipedia
GND-Nummer 104044977
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|10|723|723|Haschka, Lorenz Leopold|Karl Weiß|ADB:Haschka, Lorenz Leopold}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=104044977}}    

Haschka: Lorenz Leopold H., Dichter, geb. zu Wien am 1. September 1749, gest. daselbst am 3. August 1827. Nach Vollendung der humanistischen Studien trat er in den Jesuitenorden ein und wurde zu Worms Lehrer an dem dortigen Gymnasium. Nach Aufhebung des Ordens in den weltlichen Stand zurückgetreten, begab sich H. nach Wien, wo er sich mit Schriftstellerei beschäftigte und dem Dichter Alxinger Unterricht in der Metrik ertheilte. Durch die Großmuth des letzteren, welcher ihm ein Geschenk von 10000 fl. machte, kam er in die Lage, frei von Nahrungssorgen, sich litterarischen Studien zu widmen und sein dichterisches Talent zu entwickeln. Von den Josephinischen Ideen mächtig angezogen, nahm er das Wort für die Verbesserung der deutschen Sprache und für eine sorgfältige Pflege der Wissenschaften. In den Taumel der Begeisterung für politische und religiöse Freiheit hineingezogen, bekämpfte er, seinen ehemaligen Stand vollständig verläugnend, das Papstthum und das monarchische Princip. Bald stellte sich aber bei H. eine große Ernüchterung ein und er trat zur Zeit Kaiser Leopold II. und Kaiser Franz I. ebenso heftig gegen die revolutionären Bestrebungen jener Zeit auf. Ein Feind des Franzosenthums, zeichnete sich H. durch warme Vaterlandsliebe aus. Er ging aber im Hasse gegen seine politischen Gegner viel weiter als es einem Manne von edler Denkungsart geziemt und zog sich dadurch die heftigsten Anschuldigungen wider seinen Charakter zu, indem ihn seine Feinde des Denunziantenthums bezichtigten. Nachdem H. im J. 1797 zum Kustos der Universitätsbibliothek ernannt war, erhielt er 1798 die Professur für Aesthetik am Theresianum, von welchen Stellen er 1822 als Pensionär zurücktrat. Als Dichter gehört H. in Bezug auf die Form der Klopstock’schen Richtung an, in der poetischen Gestaltung erinnert er an Denis. In seinen Oden spricht sich oft bis zur Ueberschwänglichkeit warme Vaterlands- und Freiheitsliebe aus. Dabei führt er eine so kräftige, rücksichtslose Sprache, wie sie selbst in dieser Periode nur selten vorkommt. Berühmtheit erlangte H. durch die Dichtung des Textes der österreichischen Volkshymne: „Gott erhalte Franz den Kaiser“ (1797), zu welcher Haydn die erhebende Melodie componirt hat.

Vgl. Wurzbach, Biogr. Lexik. VIII. 20. H. Kurz, Geschichte d. deutschen Litteratur III. 46.