ADB:Hermann (Landgraf von Hessen-Kassel)

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Artikel „Hermann (IV.), Landgraf von Hessen“ von Arthur Wyß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 128–130, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hermann_(Landgraf_von_Hessen-Kassel)&oldid=- (Version vom 26. August 2019, 03:33 Uhr UTC)
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Hermann (IV.), Landgraf von Hessen, zweiter Sohn des Landgrafen Moritz des Gelehrten von Hessen-Kassel, aus dessen zweiter Ehe mit Juliane Gräfin von Nassau-Siegen, geb. zu Kassel am 5. 15. August 1607, gest. zu Rotenburg am 25. März 4. April 1658. Er kam mit einem mangelhaft ausgebildeten linken Beine zur Welt, und dieser Umstand, der ihm bei Leibesübungen und körperlichen Vergnügungen hinderlich war, förderte seine früh hervortretende Neigung zu wissenschaftlichen Studien. Durch den Unterricht des gelehrten Johann Georg Grobius vorbereitet, wurde er 1618 in die von seinem Vater zu Kassel errichtete Ritterakademie (Collegium Mauritianum) aufgenommen. Für alle Wissenschaften zeigte er hier Interesse und Talent, am meisten aber zogen ihn Mathematik, Astronomie und Geographie an, die Gebiete, auf welchen er später schriftstellerisch thätig gewesen ist. Damit verband er viel Sinn für die bildenden Künste und Musik. Sein Leben bietet äußerlich wenig bemerkenswerthe Momente dar; es war neben Vertretung der Interessen seines Hauses ganz seinen gelehrten und künstlerischen Neigungen gewidmet. Durch den Tod seines älteren Bruders Philipp († 1626) wurde er das Haupt der apanagirten Rotenburger Linie und führte die Vormundschaft über seine jüngeren Geschwister. Seit 1640 residirte [129] er in Rotenburg, dem Hauptorte des den Kindern zweiter Ehe des Landgrafen Moritz überwiesenen Gebietes. Seine Ansprüche auf die Administration der Abtei Hersfeld wurden von seinem Stiefbruder Landgraf Wilhelm V. nicht anerkannt; er mußte sich in einem 1634 geschlossenen Vertrage mit der Propstei Petersberg und dem Amt Frauensee begnügen. Am 1./11. Januar 1634 vermählte er sich mit Sophie Juliane Gräfin von Waldeck. Aber bereits nach drei Jahren verlor er sie durch den Tod († zu Ziegenhain am 15./25. September 1637), nachdem sie ihm zwei bald nach der Geburt gestorbene Kinder geschenkt hatte. Eine zweite, am 2./12. Januar 1642 zu Weimar geschlossene Ehe mit Kunigunde Juliane, Fürstin von Anhalt, blieb kinderlos. Fromm und wohlthätig, förderte H. mit Vorliebe Kirchen und Schulen. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich lebhaft mit Plänen zur Hebung der hessischen Sammthospitalien, deren Beaufsichtigung ihm die regierenden Häuser zu Kassel und Darmstadt übertragen hatten. Die Fruchtbringende Gesellschaft nahm ihn 1642 unter dem Namen des Fütternden als Mitglied auf. – Schriften: „Observationes historico-mathematicae de annis 1618 … biß in den Martium 1635, Darin allen der löblichen Mathematischen Kunst liebhabern viel vnd mancherley accidenten, welche sich in oberzehlten Jahren so wol in publicis, als privatis begeben … zu finden“ … o. O. 1635. 4. Das Exemplar der Kasseler Landesbibliothek enthält eine eigenhändige Widmung Hermanns an Landgraf Wilhelm. – „Teutsche Astrologia, Oder Teutscher Discurß, Von allerhand Astrologischen Speculationen, Sampt einem Methodo, wie auch die der Lateinischen Sprach vnerfahrene vnd vngelehrte, sich in diesem sehr lustigen studio üben, vnd das tägliche Gewitter auff Astronomische weise observiren vnd vnterscheiden können.“ … Grebenstein 1637. 8. – „Historia Meteorologica. Das ist Vier vnd zwantzig Jährige eigentliche vnd trewfleissige Observation vnd tägliche verzeichnüß des Gewitters, vom 1. Januarii 1623 an, biß zum letzten Decembris 1646 in dreyen membris verfasset … Durch Uranophilum Cyriandrum der Meteorolog. Cultorem.“ Cassel 1651. 4. – Hexamereon Oder Sechs Tage-Zeiten, oder vielmehr Sechs-Tägiges Gespräch, vber etzliche schwere Puncten in verschiedenen Wissenschafften, beneben vielen denckwürdigen … Historien … Anfangs in Hispanischer Sprache, durch Antonium de Torquemada, einen Religiosum beschrieben, folgends durch Gabriel Chappuys, einen bekandten Frantzösischen Historienschreiber in selbige Sprache vbersetzet, anjetzo aber ins deutsche gebracht durch Einen der hochlöblichen Fruchtbringenden Gesellschafft Mitgenossen, genandt der Fütternde.“ Cassel 1652. 8. – „Beyleufftige Cosmographische Beschreibung des Niederfürstenthumbs Hessen“. Diese Schrift Hermanns befindet sich im Manuscript im Staatsarchive zu Marburg. Benutzt sind Hermanns Nachrichten über Hessische Orte bei Merian, Topographia Hassiae, und in Winckelmann’s Hessischer Chronik. – Wenn auch keine Schrift Hermanns, so ist doch hier anzuführen: „Des Durchläuchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Heermann, Landgraffen zu Hessen, etc. etc. Vier Nachdenckliche Fragen … I. Von der Ebbenflut des weiten Oceani. II. Wie die Finsternüsse, und andere Astronomische Observationes, sicher können angestellet werden in dem Schiffe auff der See? III. Wie der Magnet unter der Aequinoctial-Linie spiele? IV. Ob die Zeit des Tages von frühe Morgen biß gerad zu Mittag, umb ein gutes länger sey, als nicht vom Mittag biß Abends? v. was dessen Vrsach seyn möge? Welche … resolviret worden Von Johanne Placentino. Churfl. Brand. Mathematico, und Prof. … zu Franckfurth an der Oder.“ o. O. 1659. 4.

Nachrichten über H. geben: Personalia, o. O. u. J. (Cassel 1658). 4. Schmierfeld, Christliche Klag-, Lehr-, Buß- vnd TrostPredigt … bey … Herrn Hermannen Landgraven zu Hessen … Fürstl. Leichbegängnüß … Cassel o. J. (1658). 4. Strieder, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- [130] u. Schriftsteller-Geschichte, Bd. V. S. 468–472. Rommel bei Ersch u. Gruber, Allgem. Encyklopädie Sect. II. Thl. VI. S. 239–241. Rommel, Geschichte von Hessen, Bd. VI. S. 342–345.