ADB:Heyling, Peter

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Artikel „Heyling, Peter“ von Andreas Ludwig Jakob Michelsen in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 372–373, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heyling,_Peter&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 00:55 Uhr UTC)
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Heyling: Peter H., evangelischer Missionar, geb. 1607 oder 1608 in Lübeck, gest. 1652 in Nubien. Sohn eines Goldschmids, erhielt er seine erste wissenschaftliche Bildung auf dem Lübecker Gymnasium, dessen Rector damals der verdiente Joh. Kirchmann war. Frühzeitig scheint er sich ernstgesinnten Christen angeschlossen zu haben, welche die orthodoxe Geistlichkeit als fanatici oder enthusiastici schmähte. Im J. 1628 ging er mit vier jungen Lübeckern, die unter seine Leitung gestellt waren, nach Paris. Bis zum J. 1632 hat er dort den Wissenschaften, insbesondere der Rechtswissenschaft, zugleich auch theologischen Studien, mit Eifer obgelegen. Er trat in vertrauten Verkehr mit Hugo Grotius, damals schwedischem Gesandten am französischen Hofe. Sechs daselbst studirende junge Lübecker aus angesehenen Familien (z. B. v. Brömse, v. Dorne Balemann) hatten eben so wenig Neigung, wie er, in ihr Vaterland zurückzukehren, in dessen Eingeweiden der dreißigjährige Krieg wüthete, vereinigten sich vielmehr mit ihrem Freunde in dem Vorsatze, das lautere Evangelium in die Ferne zu tragen, wo es entweder noch nie geleuchtet habe oder verdunkelt sei. Ein in jener Zeit zwiefach auffälliger Entschluß, welchen H. von ihnen allen am consequentesten ausführte. Sein Ziel war Abessinien. Im J. 1632 trat er seine Reise an, welche über Malta und Alexandrien zunächst nach Cairo ging. Unterwegs hatte er von römisch-katholischer Seite, selbst von einem [373] päpstlichen Inquisitor, heftige Verfolgungen auszustehen, da er nirgend mit seinem evangelischen Bekenntniß zurückhielt. Um der arabischen Sprache ganz mächtig zu werden, weilte er längere Zeit in koptischen Klöstern, theils in „der Wüste der Märtyrer“ (Aegypten), theils in Jerusalem. Im October 1634 schloß er sich dem „Abbuna“ an, welcher, dem Herkommen gemäß, von dem Patriarchen zu Alexandrien ernannt und geweiht, von dort nach Abessinien ziehen wollte. Hier war kurz zuvor (1632) eine eingreifende kirchliche Veränderung vor sich gegangen. König Basilides hatte den eingedrungenen römisch-katholischen Patriarchen Alfonso Mendez mit seinem ganzen jesuitischen Clerus, durch welchen das Volk in einen blutigen Bürgerkrieg gestürzt worden, aus dem Lande getrieben und den alten Cultus wieder hergestellt. H. fand durch Verwendung des Abbuna die beste Aufnahme. Zunächst wurden ihm die Söhne mehrerer angesehenen Familien zur Erziehung und Unterricht übergeben. Der Ruf seiner Einsicht und christlichen Tugenden verbreitete sich immer weiter. Zuletzt faßte auch der König zu ihm ein solches Vertrauen, daß er nicht allein ein stattliches Haus ihm in seiner Nähe zur Wohnung anwies, sondern ihn auch zu seinem Rath und Minister ernannte. Ja, um seines wohlthätigen Einflusses sich noch völliger zu versichern, soll er – nach dem Bericht eines Zeitgenossen – ihm seine eigene Tochter zur Gattin gegeben haben. H. verlor aber dabei den eigentlichen Zweck seines dortigen Aufenthaltes nicht aus den Augen. Das ergiebt sich schon aus dem Umstande, daß er das Neue Testament in die, damals wie heute dem Volke allein verständliche, amharische Sprache übersetzte. Und daß er auf die Denkart und Gesinnung des Volkes einen bestimmenden Einfluß übte, dafür liegen mehrere Zeugnisse vor. Auch bei den beiden Nachfolgern des Königs Basilides soll er in hoher Gunst gestanden haben. Noch 100 Jahre nachher hat der englische Entdeckungsreisende James Bruce Spuren seiner Einwirkung im Lande vorgefunden. Was Heyling’s letzte Lebensschicksale betrifft, so stimmen die Berichte nicht überein. Der am besten beglaubigten Nachricht zufolge, ist er im Jahre 1652, als er nach Cairo unterwegs war, auf der nubischen Insel Suaquema von einem raubgierigen türkischen Pascha zur Verläugnung Christi aufgefordert, und auf sein Wort: „Ich lasse meinen Glauben nicht“, enthauptet worden.

Ludolfi ad suam historiam aethiopicam Commentarius, Francofurti ad M., 1691, und desselben Appendix etc. Dr. J. H. Michaelis, Sonderbarer Lebenslauf Herrn P. Heyling’s aus Lübeck, Halle 1724. Dr. K. Pauli, O.-A.-Ger.-Rath in Lübeck, Peter Heyling, Der erste evangelische Missionar (in Warneck’s Allg. Miss. Zeitschrift 1876. Mai).