ADB:Hezilo

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Artikel „Hezilo, Bischof von Hildesheim“ von Theodor Lindner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 382–383, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hezilo&oldid=2533559 (Version vom 11. Dezember 2017, 22:42 Uhr UTC)
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Hezilo, oder Hecelo, Hettilo, Ethilo, Bischof von Hildesheim, † am 5. Aug. 1079, entstammte vermuthlich einem Rittergeschlechte in der Bamberger Gegend. Nachdem er in Frankreich seine Studien vollendet, wurde er Capellan am königlichen Hofe, Propst am Collegiatstifte zu Goslar, dem Ausgangspunkte so vieler Bischöfe dieser Zeit, und 1053 Kanzler für Italien. Doch bekleidete er diese Stelle nicht lange, denn am 8. März 1054 starb Bischof Azelin von Hildesheim, dessen Nachfolger H. wurde. Die Gunst, in welcher das [383] Bisthum bisher bei Heinrich III. gestanden hatte, bewahrte es auch unter der Regierung Heinrichs IV., welcher bis zum J. 1070 demselben manche werthvolle Schenkung und Erweiterung der Rechte gewährte. Als die Regentschaft der Kaiserin Agnes durch die Fürsten gestürzt wurde, gehörte H. wahrscheinlich zur Partei Anno’s von Köln, mit dessen Neffen, dem Bischofe Burchard von Halberstadt, er eng befreundet war; später trat er zum Könige selbst in nähere Beziehungen. Aber diese verhinderten nicht, daß der Bischof, der sich in seinen Rechten, namentlich in Bezug auf die Stadt Goslar, vom Könige gekränkt fühlte, beim Ausbruche des sächsischen Aufstandes sofort zu dessen Gegnern trat; er wird sogar als eines der Häupter der Verschwörung bezeichnet. Als jedoch im J. 1075 Heinrich mit Heeresgewalt gegen die Aufständischen vorgehen konnte, hielt sich H. von ihnen zurück; er soll durch große Geldzahlungen an den König die Verwüstung des bischöflichen Gebietes abgewandt haben. Die besiegten Sachsen bedienten sich im Herbste mit Erfolg seiner Vermittlung, um Heinrich zum Frieden zu bewegen. Der Synode von Worms vom Januar 1076, welche die Absetzung Gregors VII. aussprach, wohnte auch H. bei und unterzeichnete das Decret. Die Erzählung, daß er dabei schlauer Weise seiner Namensunterschrift den Spieß, das in Handschriften gebräuchliche Zeichen für die Unechtheit der Stelle, beigefügt habe, ist wol nur eine Anekdote. Allerdings hat H., wie die meisten anderen Bischöfe, nicht an der Sache des Königs festgehalten, vielmehr durch den Bischof Adalbero von Würzburg Lösung vom Banne erlangt. Ob er zu den sieben sächsischen Bischöfen gehörte, welche zu Forchheim die Wahl Rudolfs von Rheinfelden vollzogen, ist ungewiß. Er starb am 5. August 1079 und wurde in dem von ihm reformirten Moritzkloster in Hildesheim beigesetzt. – In seiner Diöcese bewahrte man ihm ein dankbares Andenken und mit Recht. H. hat nicht nur seinem Bisthum, wie erwähnt, werthvolle Zuwendungen vom Könige verschafft, er hat auch sonst eifrig für dasselbe Sorge getragen. Er vollendete den Bau des Domes und weihte ihn am 5. Mai 1061, doch war er noch später bemüht, ihn zu erweitern und zu schmücken: er organisirte das Domcapitel neu, außer dem von ihm bereicherten und erst mit Nonnen, dann mit Canonikern besetzten Moritzkloster gründete er in der Stadt noch das Kreuzstift. Ueberhaupt hat er viel gebaut und sich dabei der Hilfe des vortrefflichen Benno, der dann Bischof von Osnabrück wurde, bedient. Auch die Pflege des Schulunterrichtes ließ er sich angelegen sein, wie er selbst eine vortreffliche Bildung und Belesenheit in den classischen Autoren besaß. Neben seinem kirchlichen Eifer und seiner Mildthätigkeit wird seine Klugheit, ja Schlauheit gepriesen, aber diese schützte ihn nicht vor Ausbrüchen der heftigsten Leidenschaft. Die alte Eifersucht zwischen Hildesheim und Fulda verursachte Pfingsten 1063 im Dome zu Goslar eine wilde Blutscene, und H. trug kein Bedenken, trotz des Gottesdienstes seine Anhänger von einem erhöhten Platze aus „wie mit einer Kriegsdrommete“ zum Dreinschlagen aufzufordern und alle Verantwortung für die Verletzung des geweihten Ortes auf sich zu nehmen. Auch seine Briefe verrathen einen heftigen und anmaßenden Charakter.

Ueber H. gibt namentlich Auskunft das Chron. Hildesheim. in Mon. Germ. Scr. VII, 853 ff.; dann die zahlreichen Briefe von ihm und an ihn bei Sudendorf, Registrum oder merkwürdige Urkunden für die deutsche Geschichte, welche aber noch einer genaueren Untersuchung bedürfen; ferner Lüntzel, Geschichte der Diöcese und Stadt Hildesheim, I. 247–261.