ADB:Hiller, Johann Freiherr von

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Artikel „Hiller, Johann Freiherr von“ von Richard von Meerheimb in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 423–424, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hiller,_Johann_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 19. August 2019, 12:52 Uhr UTC)
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Hiller: Johann Freiherr v. H., wurde am 10. Juni 1754 (?) zu Brody in Gallizien geboren. Der Vater war Oberst und zuletzt Platzcommandant in Brody, ihm war 1772 der einfache Adel nach 45jähriger Dienstzeit verliehen, 1726 war er als gemeiner Soldat in die österreichische Armee eingetreten. (Die Angabe des Brockhaus’schen Conversationslexicons und anderer Werke, H. sei mit dem Freiherrn Hiller v. Gärtringen verwandt, ist unrichtig.) H. trat 15 Jahre alt in das Infanterieregiment Sachsen-Hildburghausen Nr. 8, war 1763 Lieutenant im Würtembergischen Dragonerregiment, 1774 Capitän im Warasdiner Grenzregiment; in diesem nahm er mit Auszeichnung an dem Türkenkriege Theil, wurde Major und Oberstlieutenant und erhielt für seine ausgezeichnete Bravour bei der Erstürmung von Novi 1788 den Maria-Theresien-Orden, den ihm Feldmarschall Loudon selbst an die Brust heftete. Für seine Leistungen bei der Belagerung von Gradiska 1789 wurde er Oberst, 1790 wählte ihn Loudon zu seinem General-Adjutanten; nach dem in demselben Jahre erfolgten Tode des Feldmarschalls kehrte H. zu seinem Regimente zurück, wurde 1794 Generalmajor und im folgenden Jahre General-Kriegs-Commissär bei der Armee in Italien. 1796 erhielt er eine Brigade bei der Rheinarmee, mußte aber in demselben Jahre seiner Gesundheit wegen den Abschied nehmen und trat erst 1798 bei der Armee, die damals am Lech stand, wieder ein. In der Schlacht bei Zürich 1799 warf er an der Spitze eines Regiments den Feind aus dem Walde, erhielt aber einen Schuß in die Kniescheibe und hinkte seitdem. Als die Russen sich zurückzogen wurde er zu Suworow und Korsakow geschickt, um den Rückzug zu hintertreiben, doch blieb seine Sendung erfolglos – er wurde, schon im September zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, Commandant eines Corps im nördlichen Tirol. 1801 nach dem Frieden wurde er nach Agram versetzt, dann als Militär-Commandant nach Innsbruck, 1805 wurde er zum commandirenden General in Tirol und Vorarlberg ernannt. Bei dem Ausbruch des Krieges hatte er die Eingänge von Tirol zu vertheidigen und durch Demonstrationen auf dem rechten Ufer der Etsch die österreichische Armee in Italien zu unterstützen. Nach der Capitulation von Ulm sollte er sich mit der Hauptarmee unter Erzherzog Karl vereinigen, was er durch einen geschickten Rückzug nach Cilli ausführte. Er führte dann die Avantgarde des Heeres. Nach dem Waffenstillstand wurde er Militär-Commandant in Salzburg und Oberösterreich, 1807 als commandirender General zur Karlsstadt-Warasdiner Militärgrenze versetzt. Bei Ausbruch des Krieges wurde H. der Befehl über das sechste Armeecorps, dann noch über die fünfte Armeeabtheilung und das zweite Reservecorps übertragen, so daß er alle Truppen in Oesterreich ob der Enns – 64 Bataillone und 64 Escadrons – commandirte. Am 20. April griff ihn Napoleon bei Landshut an und drängte ihn zurück, – [424] bald darauf schlug H. Bessières bei Neumarkt (für diesen Sieg erhielt er das Commandeur-Kreuz des Maria-Theresien-Ordens), bei Eckmühl glückte es Napoleon das feindliche Heer zu trennen. H. führte seine Armee in Ordnung über Burghausen nach Linz zurück, hielt sich tapfer am 3. Mai bei Ebelsberg gegen die Angriffe der Franzosen, ging aber dann bei Mautern auf das linke Donauufer. Am 16. Mai hatte er ein Gefecht mit Lannes zu bestehen und vereinigte sich, nachdem Wien capitulirt hatte, an demselben Tage mit Erzherzog Karl. In der Schlacht bei Aspern (21. und 22. Mai) führte H. den äußersten rechten Flügel bei Stammersdorf und warf nach hartnäckigen Kämpfen den Feind aus Aspern. Ebenso erbittert war das Gefecht in der Au. In der Nacht blieben Hiller’s Truppen unter Gewehr auf dem Kampfplatze. Am folgenden Tage erneuten die Franzosen die Angriffe. Neunmal wurde Aspern von den Franzosen genommen und wieder verloren, schließlich aber von H. behauptet. Für seinen ruhmvollen Antheil an dem glänzenden Siege wurde er zum Feldzeugmeister ernannt und erhielt eine Dotation von 50 000 Gulden. Bald erkrankte er und konnte an der Schlacht bei Wagram nicht theilnehmen. Nach dem Frieden wurde H. commandirender General in Croatien, 1811 in Slawonien und Syrmien. Bei dem Ausbruch der Befreiungskriege 1813 erhielt er den Befehl über das Heer von Inner-Oesterreich, das später den Namen der Armee von Italien erhielt und nur die Stärke von 32 000 Mann und 120 Geschützen, dem überlegenen Beauharnais gegenüber, besaß. H. sollte Illyrien erobern, sich aber sonst defensiv verhalten. Von Klagenfurt aus drängte er den Feind im October und November über Tarvis und Vicenza nach Verona, aber es glückte ihm nicht Trient und Verona zu nehmen. Mitte December übernahm Graf Bellegarde den Oberbefehl. H. verließ erkrankt die Armee, wurde aber 1814 zum commandirenden General in Siebenbürgen, bald darauf in Gallizien ernannt; am 5. Juni 1819 starb er nach langem Leiden in Lemberg. Der „Radetzky seiner Zeit“ wurde von seinen Soldaten wie ein Vater geliebt, er sorgte treu für sie, war im Kampfe kaltblütig, umsichtig und kühn, im gleichen Maße erwarb er sich die Liebe der Bewohner. Die Stände setzten ihm in Lemberg nach seinem Tode ein Denkmal. Kärnthen, Steyermark und Tyrol ernannten ihn zum Landstande und Herrn, die Schweizer schon 1799 zum Gotteshausmann in St. Gallen. Er war in den österreichischen Freiherrnstand erhoben, mit Patent vom Jahre 1789, war Inhaber eines Infanterieregiments und seit 1807 hatte er die Würde eines geheimen Raths.

v. Wurzbach, Biographisches Lexicon des Kaiserthums Oesterreich. Ritter v. Rittersberg, Biographien österreichischer Feldherrn. Hirtenfeld, Oesterreichisches Militär-Conversations-Lexicon. Ersch und Gruber, Allgemeine Encyclopädie.