ADB:Hofacker, Wilhelm

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Artikel „Hofacker, Wilhelm“ von Theodor Schott in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 556–557, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hofacker,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 24. August 2019, 03:01 Uhr UTC)
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Hofacker: Wilhelm Friedrich Immanuel H., geboren am 16. Februar 1805 in Gärtringen (O. A. Herrenberg, Württemberg), gest. in Stuttgart am 10. August 1848, bedeutender und beliebter Prediger, Bruder des vorhergehenden. Eine ruhige stetige harmonische Entwicklung ist das charakteristische seines Lebensganges, seiner Anschauung und Predigtweise; von jenen gewaltigen Kämpfen, von dem entschiedenen Bruche mit seiner Vergangenheit, wie sie das Leben des älteren Bruders uns zeigt, ist bei dem jüngeren nichts zu finden. Neigung, Familientradition, das Beispiel von Vater und Bruder bestimmten ihn von frühe an zum Theologen. Die strenge Frömmigkeit des elterlichen Hauses, der Umgang mit befreundeten den positiv gläubigen (pietistischen) Kreisen Württembergs angehörenden Familien und eine tief angeborene Frömmigkeit führten den reich begabten, auch mit einer guten Portion Mutterwitz ausgestatteten Knaben schon bei seiner Confirmation zu dem festen Entschluß und Gelöbniß „von da an Christo zu leben und im Glauben ihm nachzuwandeln“. Er ist demselben während seines ganzen Lebens treu geblieben, die philosophischen und theologischen Studien, welchen er von 1823 bis März 1828 in Tübingen mit großem Fleiße oblag, so daß er mit dem Prädikat „ausgezeichnet“ die Hochschule verließ, bestärkten ihn in seinem positiv christlichen Standpunkt; Schleiermachers Theologie hatte, wie er selbst rühmt, großen Eindruck auf ihn gemacht, aber bedeutender ist der Einfluß der gläubigen württembergischen Theologen, Bengel, Rieger, Flatt auf ihn gewesen, der treffliche Professor Chr. Schmid, sein nachheriger Schwager, der Umgang mit gleichgesinnten Freunden, Mann, Tobias Beck, Karl Sixt Kapff, trübe Erfahrungen in der eigenen Familie, der frühe Tod des Vaters, die Geisteskrankheit seines Bruders Max blieben ebenfalls nicht ohne Einwirkung auf ihn. März 1828 verließ er Tübingen, um Vicardienste bei seinem erkrankten Bruder zu leisten, auch nach dessen [557] Tode blieb er noch längere Zeit in Rielingshausen; seinen Wunsch, definitiv dessen Stelle zu bekommen, lehnte die Kirchenbehörde mit der Motivirung ab, „daß die Wissenschaft und die Kirche gerechte Hoffnungen auf ihn baue“. Nach einer längeren Bildungsreise durch Norddeutschland trat er 1829 in das Repetenten-Collegium zu Tübingen ein, wurde Mai 1833 zum Diaconus in Waiblingen, 1835 zum Diaconus an der Leonhardskirche in Stuttgart ernannt. Einen akademischen Ruf nach Marburg (1832) hatte er mit Rücksicht auf seinen geisteskranken Bruder Max abgelehnt, dessen Pflege er für seine nothwendigste Aufgabe hielt. In Stuttgart blieb er nun, ein gefeierter Prediger und Seelsorger, mit immer wachsender Achtung und Zuneigung der Gemeinde, die ebenfalls wachsende Arbeitslast erschöpfte frühe seine nicht sehr feste Constitution, ein nervöses Kopfleiden plagte ihn längere Zeit; am 10. August 1848 starb er, tief betrauert von seinen Gemeindegenossen; am 10. Juni 1833 hatte er sich mit Luise Weckherlin, Tochter des früheren Staatsministers v. Weckherlin verheirathet, von seinen Kindern überlebten ihn 2 Söhne und 2 Töchter. – Mit seinen Freunden und Amtsbrüdern Knapp, Kapff, Dettinger gehört H. zu der zahlreichen Classe württembergischer Theologen, welche auf streng positivem Standpunkte stehend, in enger Verbindung mit den ((pietistischen) Gemeinschaften des Landes dieser Richtung immer mehr Raum im evangelischen Württemberg geschafft haben: durch seine tüchtigen theologischen Kenntnisse, durch seine wahrhafte Frömmigkeit, durch sein Predigttalent wurde er ein hervorragender Vertreter derselben, wie sich dies auch in dem Streit gegen Märklin zeigt; gegen des Letztern Schrift: Darstellung und Kritik des modernen Pietismus, 1839, trat er mit einer bündigen entschiedenen Abwehr auf: „Bekenntniß und Vertheidigung“, 1839. Im Gegensatz zu der stürmischen, beinahe leidenschaftlichen, energisch auf Bekehrung dringenden Predigtweise seines Bruders Ludwig bewegen sich seine formell und künstlerisch gut durchgearbeiteten Predigten in dem ruhigen Flusse des Lebens, von seiner wissenschaftlichen Tüchtigkeit, seiner psychologischen Auffassung und wirklichen ernsten Frömmigkeit zeugt jedes Blatt derselben. Gern homiletischen Studien sich zuwendend gab er im Vereine mit Kapff und Hoffmann zum Besten der Gemeinde Wilhelmsdorf eine Predigtsammlung heraus: „Predigten über den II. Jahrgang der Evangelien“, 1834; von ihm und Chr. Fr. Schmid wurden herausgegeben: „Zeugnisse evangelischer Wahrheit“, Jahrgang 1–3. 1839–40. Seine eigenen Predigten wurden nach seinem Tode von Jul. Köstlin herausgegeben: „Predigten für alle Sonn- und Festtage von W. H.“, 1853. Sein Leben ist beschrieben von seinem Sohne Ludwig H.: Wilhelm Hofacker. Ein Predigerleben aus der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, Stuttgart 1872; in Knapp, Hofacker’s Leben, Heidelberg 1852, sowie in der von Kapff geschriebenen Lebensskizze zu W. Hofacker’s Predigten finden sich auch dankenswerthe Mittheilungen, s. a. Kübel, L. u. W. Hofacker in Herzog und Plitt, VI, 202.