ADB:Hohenbaum van der Meer, Joseph Anton Franz

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Artikel „Hohenbaum van der Meer, Joseph Anton Franz“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 657–659, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hohenbaum_van_der_Meer,_Joseph_Anton_Franz&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 13:31 Uhr UTC)
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Hohenbaum: Joseph Anton Franz H. van der Meer, mit dem Klosternamen Moriz, gelehrter Benedictinermönch zu Rheinau, geb. am 25. Juni 1718, gest. am 18. December 1795. Aus der ursprünglich niederländischen Familie van der Meer stammend, aus einer Seitenlinie, deren Prädicat „Hohenbaum“ von dem 1512 durch Maximilian I. unter Verleihung des Adels ertheilten Lehengute des Namens herrührt, war H. schon als Knabe nach Rheinau gebracht und in den Noviciat eingetreten. Er hatte vorher eine sehr bewegte Jugend verlebt. Der Sohn eines Auditors bei einem neu errichteten kaiserlichen Regimente – der Großvater war unter Wechsel der Confession von Nürnberg hinweg in kurbaierischen Dienst getreten –, war er kurz vor dem Passarowitzer Frieden im Kriegslager unweit Belgrad geboren, dann mit den Eltern nach Oberitalien gezogen, wo der Vater zum kaiserlichen Statthalter in dem heimgefallenen Gonzaga’schen Castiglione (bei Brescia) ernannt worden war. 1730 verlor der Knabe beide Eltern in Mailand und kam nun eben durch die Fürsorge eines mütterlichen Oheims nach Rheinau. Es gefiel H. in dem so schön zwischen Hügeln auf einer Insel des vielgewundenen rasch fließenden Stromes liegenden Gotteshause. 1734 legte er die Ordensgelübde ab, wurde 1741 Priester, 1743 Lehrer an der Klosterschule, 1758 Prior, dann Archivar, nachdem er schon 1752 die Professur hatte ablegen und in die Verwaltungsgeschäfte eintreten können. Rechtshändel des Klosters mit dem Domstifte Constanz, mit den Unterthanen, vorzüglich den Einwohnern des auf einer Halbinsel des Rheines dem Kloster gegenüber liegenden gleichnamigen Städtchens, waren für H. schon vorher der Anlaß geworden, behufs Abfassung von Vertheidigungsschriften oder Theilnahme an Conferenzen mit den einschlägigen Fragen sich eingehender zu befassen. Allein erst die in seinem 40. Lebensjahre ihm übergebene Besorgung des Archives führte ihn, neben von St. Blasien ausgehenden förderlichen Anregungen, ganz auf dasjenige Feld der Thätigkeit, wo er bleibende Verdienste sich erwerben konnte. 1774 dann durfte er das Amt des Priors niederlegen, so daß er noch mehr den Studien leben konnte; dagegen behielt er das Archiv bei. Durch eine ausgebreitete Correspondenz mit dem Zuger Sammler, General Zurlauben, mit dem Berner Gottlieb Emanuel Haller (vgl. Bd. X, S. 430 und 431), besonders aber mit gelehrten Genossen des Benedictinerordens, voran dem erlauchten Kreise von St. Blasien, durch die Verbindung mit dem aus der in Italien verlebten Jugendzeit ihm als Altersgenosse wohl bekannten Nuntius des Papstes Valenti-Gonzaga (in Luzern 1764–1773), durch seine der Congregation der schweizerischen Benedictiner-Prälaten seit 1776 als Secretär geleisteten trefflichen Dienste war er jedoch auch außerhalb der Mauern seines Klosters zu einem solchem Namen gekommen, daß er von Rom einen Bischofssitz, von der [658] Congregation die Abtwürde zu Dissentis angeboten erhielt. Allein H. blieb seinem Gotteshause treu. Nichts weniger als einseitig – er vermehrte auch mit großem Eifer die Naturaliensammlung des Klosters –, war doch H. voran auf dem Felde der Geschichtsforschung thätig. Wenn auch der ihm von Zurlauben geschenkte Ruhm des „Helveticus Mabillionus“ zu voll klingt, so zeugen doch die 59 Folio- und 23 Quartbände, wozu noch 52 Bände Correspondenzen und Aehnliches kommen, von dem höchst anzuerkennenden Fleiße des Gelehrten, und als innere Vorzüge wenigstens der bekannt gewordenen Hauptarbeiten sind gute geordnete Sammlung und Beherrschung des Materials, kritisches Streben, Klarheit der Darlegung zu rühmen. Von den fast durchaus lateinisch geschriebenen Arbeiten ist nur sehr Weniges gedruckt; weit der größte Theil blieb Manuscript und liegt nun, infolge der 1862 vollzogenen Säcularisation des Klosters, mit der Bibliothek des Klosters Rheinau fast durchaus in der Kantonsbibliothek zu Zürich. – Diese historischen Arbeiten beziehen sich in erster Linie selbstverständlich auf die Geschichte von Rheinau, voran die handschriftlichen sechs Foliobände des „Millenarium Rhenaugiense seu historia mille annorum monasterii Rhenaugiensis“, dann die drei der „Annales Rhenaugiae“, welche aber von neuem für den Druck umgearbeitet werden mußten. Erst 1785 edirte dann ein Correspondent Hohenbaum’s, der fürstlich hohenlohe’sche Hofrath Zapf zu Augsburg, welcher frecher Weise einem fast einzig durch des Rheinauer Paters Fleiß geschaffenen Werke sein Porträt voranstellte, diese verkürzte „Historia diplomatica monasterii Rhenaugiensis“ in den „Monumenta anecdota historiam Germaniae illustrantia“ (in unverschämt lügnerischer Anmaßung fährt der Titel fort: „ex sua bibliotheca aliisque edidit“, während einzig die Vorrede von Zapf herrührt). Ebenso veröffentlichte Zapf 1786 in seinen „Reisen in einige Klöster Schwabens, durch den Schwarzwald und in die Schweiz“ die durch H. für die Bollandisten zur Edition vorbereitete Vita s. Findani, des mit den Anfängen Rheinau’s in Verbindung stehenden Schottenmönches, aber unter Weglassung der „Digressiones“ des eigentlichen Autors. Diese Arbeiten waren veranlaßt durch die 1777 begangene Jubelfeier des Millenariums (der erste urkundliche Beweis ächter Art für die Existenz des Klosters datirt allerdings erst von 844), und 1778 erschien auch im Druck, für weitere Kreise, die von H. verfaßte „Kurze Geschichte der tausendjährigen Stiftung des frei eximirten Gotteshauses Rheinau“ (Donaueschingen). Gegen Fäsi (vgl. Bd. VI, S. 578 und 579) richtete sich die auf Befehl des Abtes 1782 gedruckte „Gründliche Untersuchung, ob Rheinau in der Grafschaft Thurgau gelegen“, worin eben diese Zugehörigkeit geleugnet und gegen die Auffassung der im Thurgau regierenden zeitgenössischen Orte die Freiheit des Gotteshauses von der Landvogtei behauptet wurde. Andere Schriften betreffen die Geschichte des Benedictinerordens, besonders der schweizerischen Congregation, dann diejenige verschiedener Klöster, so in zwei Foliobänden Manuscriptes die des Dominicanerinnenklosters St. Katharinenthal bei Diessenhofen, ebenso die des fürstlichen Damenstiftes Säckingen; Erörterungen mit den gelehrten Ordensbrüdern in St. Blasien, so mit dem Fürstabte Gerbert (vgl. Bd. VIII, S. 725 bis 729), betrafen u. a. Rheinau’s Verhältniß zur Cella Alba, dem ersten Anfange St. Blasien’s. Für St. Blasien und die dort erscheinende „Germania Sacra“ hatte H. auch die Bisthümer Sitten und Genf bearbeitet, welche dann wegen des Stillstandes jenes Werkes ungedruckt blieben. Studien und Vorbereitungen zu Editionen auf der Reichenauer, der Petershauser Bibliothek (Hermannus Contractus, Petershauser Chronik) hat dann Ussermann für seinen „Prodromus Germaniae Sacrae“ benutzt. Theils Forschungen über den Güterbestand des Klosters, theils eine Aufforderung des Fürsten von Schwarzenberg, Landgrafen im Kleggau, hatten eine Bearbeitung der Geschichte dieser Landschaft, welche abermals ungedruckt blieb, doch wieder von Zapf eigennützig gegen alles Recht [659] ausgebeutet wurde, zur Folge. Weitere zahlreiche Arbeiten sind theils kirchengeschichtlichen, theils geographischen, genealogischen, diplomatischen Inhaltes, und als H. sich nicht mehr kräftig genug fühlte, selbst in die Bibliothek zu gehen und zu arbeiten, schrieb er noch mehrere handschriftliche Werke ab, so solche Tschudi’s, auch Bullinger’s Reformationsgeschichte – „Bullinger ist mir der beste Controversist“ –, und begleitete sie mit Anmerkungen. – Während sonst Rheinau keine bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen aufzuweisen hat – neben H. stand noch der tüchtige Bibliothekar und Bearbeiter des sehr anerkennenswerthen Katalogs der Handschriften, P. Basilius German von Lichtensteig, gest. 1794, und nach ihm dann sein Schüler, P. Ildefons Fuchs (vgl. Bd. VIII, S. 164 und 165) –, ist das Gotteshaus durch H. in schöner Weise im Kranze jener zu aller Zeit in der historischen Wissenschaft hoch zu haltenden Leistungen der schwäbischen und schweizerischen Benedictiner in der letzten Zeit vor der Revolution repräsentirt.

Vgl. über P. Moriz Hohenbaum van der Meer Zapf, Reisen, S. 159 bis 165; Ildef. Fuchs in Fäsi’s Biblioth. d. schweizer. Staatskunde, Bd. I. S. 185–209; Mone, Quellensammlung der badischen Landesgeschichte, Bd. I. S. 80–84, besonders aber neuestens den Aufsatz von Joh. Georg Mayer, Pfarrer in Oberurnen, im Freiburger Diöcesan-Archiv, Bd. XI. (1877), S. 1–34 (wozu ein Nachtrag von Joseph Bader, in Bd. XII, S. 189–201).