ADB:Hummel, Johann Ludwig Freiherr von

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Artikel „Hummel, Johann Ludwig“ von Theodor Schön in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 50 (1905), S. 509–512, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hummel,_Johann_Ludwig_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 19. November 2019, 04:38 Uhr UTC)
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Hummel: Johann Ludwig H. wurde am 22. Juni 1744 in Reutlingen geboren als Sohn des Johann Ludwig H., welcher seit 1732 im kais. Cürassierregiment Hohenzollern stand, und der Maria Magdalena, gebornen H., wurde nach dem 1752 erfolgten Tod des Vaters im Militärstift in Pettau erzogen, kam am 11. April 1760 als Tambour zum Regiment Prinz Salm-Salm Nr. 40, machte noch im gleichen Jahre die Erstürmung der Festung Glatz und in der Folge alle Gefechte seines Regiments bis zum Friedensschluß (1763) mit, kam dann mit seinem Regiment nach Baiern und in die Niederlande, wurde am 15. October 1766 in den Feuergewehrstand übersetzt, am 1. November 1768 Corporal, am 11. August 1771 Feldwebel, am 16. September 1776 Regimentsadjutant, wurde 1778 beim Beginn des bairischen Erbfolgekrieges als Lieutenant im Freicorps Woller eingetheilt, am 21. Juli in demselben Oberlieutenant, nach dem Friedensschluß und Auflösung dieses Freicorps am 1. Juni 1779 wieder in sein früheres Regiment versetzt, am 1. September [510] 1780 zum Infanterieregiment Terzi Nr. 16 transferirt, am 1. October 1787 Kapitänlieutenant, zeichnete sich im Türkenkriege (9. Febr. 1788 bis 25. Juli 1790) aus, insbesondere in den Gefechten bei Lasmare und Karansebes (20./21. Sept. 1788), wurde am 23. April 1787[WS 1] Hauptmann, gab in dem am 20. April 1792 mit Frankreich begonnenen Krieg bei der Einnahme der Lauterburger Linien am 13. October 1793 und im Schweighauser Walde 1793 wiederholte Beweise seines Muthes, wurde im November 1795 beim Rückzuge aus dem Genuesischen schwer verwundet, sodaß er zum Dienste im Felde untauglich wurde. Am 1. August 1796 kam er zur Wiener und nach einigen Tagen zur Marburger Monturcommission, wurde am 18. November 1798 wegen seiner hervorragenden Verdienste vor dem Feinde in die deutsche (1. Arcièrenleibgarde) eingetheilt, am 6. Juni 1801 zum Verpflegsdirector in Istrien und Dalmatien ernannt und zum Major befördert, bald darauf zum Generalcommando-Adjutant in jener Provinz ernannt, trat Juli 1806, als Dalmatien an Frankreich abgetreten wurde, in den Ruhestand. Als am 8. Juni 1808 die Landwehr in Oesterreich gebildet wurde, reihte er sich als einer der ersten derselben an, wurde am 15. März Commandant des 1. Grazer Landwehrbataillons, wurde Ende März zu den großen Uebungen mit dem 1000 Mann starken Regiment in Eggenberger Bezirk beigezogen, wurde nach vier Wochen nach Marburg verlegt und dort zum Sicherungsdienste verwendet, fügte, als am 24. Mai größere französische Massen anrückten, denselben beträchtlichen Schaden zu, trat dann mit seinem Bataillon, unterwegs bei St. Veit a. V. von dem 12000 Mann starken Feind alarmirt, den Marsch nach Körmend an, wo er glücklich im Lager eintraf und Erzherzog Johann das Bataillon besichtigte. In der Nacht zum 8. Juni brach er mit demselben auf, erreichte am 13. Juni Raab, besetzte mit seinem Bataillon, zwei Compagnien vom Infanterieregiment St. Julien und drei Compagnien des Infanterieregiments Strassoldo den zur Ortschaft Szabadhegy gehörigen Meierhof Kis-Megyer, widerstand mehr als neun Mal dem Ansturm der weit überlegenen Feinde, von gegen 10 Uhr Vormittags bis gegen 6 Uhr Abend. Ihm selbst wurde das Pferd unter dem Leib getödtet, der Hut in Fetzen zerschossen. Da aber schließlich alle Patronen ausgegangen waren, ein Munitionskarren, der frische bringen sollte, in die Hände der Feinde fiel, das Landwehrbataillon fast drei Viertel seiner Leute verloren hatte, die Mauern des Meierhofes, den der Feind mit Granaten beschoß, geborsten waren und klaffende Lücken zeigten, die Gebäude in hellen Flammen standen, drang der Feind in den Hof ein, wo ein verzweifelter Kampf begann. Viele Landwehrmänner fielen dem erbitterten Feinde zum Opfer. Oberst H. mit 7 Officieren, 4 Fähnrichen und 341 Mann vom Fähnrich aufwärts, mit geringen Ausnahmen alle verwundet, geriethen in die Kriegsgefangenschaft. Der Vicekönig von Italien, Eugen Beauharnais, der die Franzosen befehligte, wollte die Gefangenen, als „brigands“, weil viele derselben in Civilkleidern ausmarschirt waren, erschießen lassen, stand aber, als Erzherzog Johann mit Repressalien drohte, davon ab. Die Gefangenen sollten, in zwei Theile gesondert, der eine unter französischer, der andere unter bairischer Escorte, nach Frankreich abgeführt werden. Der erstere Theil, bei welchem sich Oberst H. sammt 3 Officieren und 212 Mann befand, ward unterwegs bei Sárvar am 16. Juni vom Generalmajor Baron Mesko befreit. H. machte die ferneren Kriegsbewegungen bis zum Ende des Feldzugs mit, kehrte dann am 13. Januar 1810 mit dem kleinen Häuflein der Landwehrmänner nach Graz zurück, nachdem er am 31. August 1809 zum Oberstlieutenant beim innerösterreichischen Cordonsbataillon ernannt worden war. Da Erzherzog Johann am 4. Januar 1810 erklärt hatte, daß „die musterhafte [511] Vertheidigung seines Postens und sein ausharrender Muth meiner Armee wesentlich Nutzen geleistet haben, hiermit derselbe sich einer besondern Belohnung allerdings würdig gemacht hat“, so sprach das Ordenscapitel des militärischen Maria-Theresien-Ordens ihm das Ritterkreuz desselben zu, welches ihm am 2. Mai 1810 auf dem Glacis zu Graz vor den ausgerückten Truppen und in Gegenwart aller in Graz anwesenden Generale und Ritter österreichischer Orden an die Brust geheftet wurde. Am 13. Mai 1817 wurde er in den Freiherrnstand erhoben, am 5. April 1821 zum Oberst befördert, trat im Mai 1827 in Pension und starb am 18. September 1832, zuvor erblindet, in Graz. Am 17. October 1897 errichtete bei Raab auf dem Schlachtfeld ein ungarisches Comité ein Denkmal zur Erinnerung an die ruhmvollen Kämpfe in der Pußta Kis-Megyer.

Das von ihm am Beginn der Schlacht dem Erzherzog Johann gegebene Versprechen, den Meierhof bis auf den letzten Mann zu halten, hat H. treu erfüllt. Die Vertheidigung dieses Meierhofes war aber nicht blos ein einfaches, taktisches Ereigniß im Rahmen der Schlacht bei Raab, sondern sie besaß eine hervorragende, strategische Bedeutung und übte Einfluß auf den Gang des Krieges. Als der linke Flügel der österreichischen Aufstellung (ungar. Insurrectionscavallerie) gleich zu Beginn der Schlacht das Schlachtfeld verließ, wurde dieser Meierhof nun zum äußersten linken Flügelpunkt. Seine nachhaltige Vertheidigung ermöglichte es der Armee des Erzherzogs Johann, ihren Rückzug ungefährdet auf Ars zu nehmen. Wäre der Meierhof nicht gehalten worden, so wäre die österreichische Aufstellung umfaßt und Erzherzog Johann mit seinen Truppen entweder in den Raabfluß gedrängt und so vernichtet worden oder er hätte seine Rettung in der Festung Raab suchen müssen, hätte dort binnen kurzem wegen Mangels an Nahrungsmitteln capituliren müssen und wäre so für den weitern Krieg für Oesterreich verloren gewesen. Dadurch, daß das Heer des Erzherzogs Johann erhalten blieb, wurden die Armee des Vicekönigs Eugen Beauharnais, dann die von Napoleon aus Wien nach Raab entsendeten zwei Cavalleriedivisionen Montbrun und Lassalle (38 Escadrons), ferner 9000 Mann Infanterie in Ungarn festgehalten und fehlten an entscheidenden Punkten an der Donau. Diese Truppen hätten aber auch im Gegenfalle die Berennung Preßburgs noch nachdrücklicher gestaltet. Ohne die Armee Erzherzog Johann’s wäre entweder der Fall von Preßburg oder die Aufgabe der Roßbachstellung unvermeidlich geworden. Besonders die intensivere Vertheidigung Preßburgs durch Artillerie war erst nach dem Eintreffen des innerösterreichischen Heeres möglich geworden. Hätte aber der Vicekönig, die Donau etwa bei Néma oder Gönyö mit Theilen seiner Armee überschreitend, sich gegen Preßburg (linkes Ufer der Donau) gewendet und mit dem andern Theil Davoust am rechten Ufer verstärkt, so wäre das ungenügend besetzte Preßburg (ca. 2000–3000 Mann) sehr bald in seine Hände gefallen. Hätte man letzteres österreichischerseits verhindern wollen, so hätte man so bedeutende Theile des österreichischen Hauptheeres nach Preßburg ziehen müssen, daß Napoleon gegen den Rest unbedenklich der Donauübergang hätte wagen dürfen. Dies wären unzweifelhaft höchstbedenkliche Schwierigkeiten für das österreichische Heer unter Erzherzog Karl gewesen. Daß diese nicht eintraten, die Armee des Erzherzoges Johann intact blieb, ist in erster Linie Hummel’s Verdienst.

Relation über das ausgezeichnete Benehmen des Herrn Oberlieutenants Freiherrn v. Hummel, Commandanten des steyermärk. 2. Grätzer Landwehrbataillons in der Schlacht bei Raab am 13. Juni 1809, Graz, Gebr. Tanzer, 8°. – Ischler Fremdensalon 1856, Nr. 42 (Oesterreichs Thermopylenvertheidigung des Schüttkastens bei Kis-Megyer am 14. Juni 1810). – [512] Oest. Mil.-Conversations-Lexikon III, 286. – J. Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresien-Orden u. s. Mitglieder, Wien 1857, Staatsdruckerei, 8°, S. 1005, 1747. – v. Wurzbach, Biogr. Lexikon IX, 425–428. – Wiener Abendpost 1891. – Karl Schmutz: S. Leben u. Wirken von Franz Ilwof (Mitth. d. hist. Ver. f. Steiermark, 1891). – Beschreibung des Oberamts Reutlingen, 1893, I, S. 488. – Reutlinger Geschichtsblätter, IV, 1893, S. 87–88 (Th. Schön, von dem in ders. Zeitschr. e. größerer Aufsatz über H. erscheint). – Grazer Tagespost v. 17. Oct. 1897, Nr. 288 (Hummel). – Neue Armeezeitung vom 22. Juni 1899, Nr. 193. – Gedenkblatt: der Maria-Theresienordensritter und k. k. Oberst Johann Ludwig Frhr. von Hummel, Commandeur des 2. Grazer Landwehrbataillons im J. 1809.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Druckfehler statt 1789?