ADB:Hundeiker, Johann Peter

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hundeiker, Johann Peter“ von Ferdinand Spehr in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 399–401, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hundeiker,_Johann_Peter&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 18:09 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 13 (1881), S. 399–401 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Peter Hundeiker in der Wikipedia
GND-Nummer 119510502
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|13|399|401|Hundeiker, Johann Peter|Ferdinand Spehr|ADB:Hundeiker, Johann Peter}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119510502}}    

Hundeiker: Johann Peter H., bewährter Pädagoge, geb. am 29. Nov. 1751, † 1836, war der Sohn eines Landkrämers in dem an der braunschweigischen Grenze liegenden Dorfe Gr.-Lafferde im damaligen Bisthum Hildesheim. Vom Vater dazu bestimmt dereinst dessen Geschäft zu übernehmen, mußte H., nachdem er in Braunschweig und dann in Peine Elementarunterricht genossen, nach seiner Confirmation in dasselbe als Lehrling eintreten. Schon früh Lust zum Lehrerfache in sich fühlend, benutzte er seine wenigen Mußestunden dazu [400] einigen Bauernknaben seines Wohnorts Lesen zu lehren, was über Erwarten gelang. Durch den Ortsprediger und seinen alten Lehrer unterstützt, machte er sich während seiner Lehrzeit mit den besten pädagogischen Schriften bekannt und versuchte an einem kleinen Mädchen von vier Jahren seine Fähigkeit als Erzieher und Lehrer. Zu dieser Zeit erfand H. auch bereits den Lesekasten, welcher später vielfach verbessert und benutzt ist. Bedeutenden Einfluß auf seinen späteren Beruf hatte die Bekanntschaft mit dem Leibmedicus Dr. Wagler in Braunschweig, der ihn mit den ausgezeichnetsten Pädagogen jener Zeit, mit Basedow, Wolke, v. Rochow, Campe u. a. m. in Verbindung brachte. Als sein Vater im J. 1775 gestorben war, übernahm H. das väterliche Geschäft und lehnte aus Liebe zu seiner Mutter einen an ihn von Basedow und Wolke ergangenen Ruf an das Philanthropin zu Dessau ab, errichtete aber sofort in seinem Hause nach Basedow’schen Grundsätzen eine Erziehungsanstalt, welche bald Ruf erhielt, besonders nachdem durch seine Verheirathung mit der Tochter eines Predigers der Anstalt eine liebevolle, besorgte Pflegerin zugeführt war. Nebenbei übernahm H. vier Jahre hindurch unentgeltlich den Unterricht in der Dorfschule, welche unter seiner Mitwirkung und Leitung sich bedeutend hob, wie denn Lafferde ihm außerdem manche vortreffliche Einrichtung zu verdanken hat. Herzog Ferdinand von Braunschweig, der Held im siebenjährigen Kriege, besuchte von seinem nahe gelegenen Sommeraufenthalte in Vechelde aus häufig die Anstalt und verkehrte mit H. in wohlwollendster Weise. Zwei um diese Zeit von diesem herausgegebene Schriften „Häusliche Gottesverehrungen“ und die „Privatfibel“ fanden allgemeinen Beifall. Um sich ganz dem Erziehungsfache widmen zu können, legte er sein Handlungsgeschäft nieder. Söhne der ersten Familien Braunschweigs und Hildesheims, aber auch Zöglinge aus anderen deutschen Ländern, aus Frankreich, England, Schottland, Schweden, Spanien und Portugal, aus Nordamerika wurden ihm zugeführt und die Zahl derselben stieg von Jahr zu Jahr. Der bedeutende Erfolg lenkte auch die Aufmerksamkeit des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig auf sich, welcher die Anstalt durch eigenen Augenschein kennen lernte. Um dieselbe für sein Land zu gewinnen überließ der Herzog an H. das zwei Stunden von Braunschweig entfernt liegende, aus der Erbschaft des Herzogs Ferdinand stammende, jetzt nicht mehr vorhandene Lustschloß Vechelde mit dem dazu gehörenden großen Garten und Gehölze, nebst freiem Holze unentgeltlich, so lange das Institut bestehen würde. Mit schwerem Herzen verließ H. den geliebten Geburtsort, aber die ihm in Vechelde gebotenen Vortheile waren zu groß, um sie von der Hand zu weisen. Wenige Tage nach seinem, am 29. October 1804 erfolgten Einzuge in das neue Lokal erhielt H. in ehrenvollster Anerkennung vom Herzoge die Ernennung zum Edukationsrath. Der am 10. November 1806 erfolgte Tod seines fürstlichen Gönners und die darauf folgende westfälische Regierungsperiode riefen auch für das Institut schwere Tage hervor. Als die westfälische Regierung mit der Absicht umging, das Schloß zu Vechelde zu verkaufen und H. dadurch die Existenz seiner Anstalt gefährdet sah, erstand er dasselbe als Eigenthum. Durch die Kriegszeiten verminderte sich die Zahl der Zöglinge beträchtlich, namentlich blieben die Ausländer aus und als nach der Rückkehr der braunschweigischen Regierung diese nach dem Tode des Herzogs Friedrich Wilhelm den Kauf anfocht und wegen Rückgabe der Besitzung gegen H. einen Prozeß anstrengte, entschloß dieser sich, demselben sich durch einen Vergleich zu entziehen. Er übergab Vechelde der braunschweigischen Regierung gegen eine auf die Dauer seines Lebens festgesetzte jährliche Entschädigungssumme, löste, fast 70 Jahre alt, mit October 1819 seine Erziehungsanstalt, nachdem sie 15 Jahre in Vechelde bestanden, auf und begab sich nach Friedstein bei Dresden, wo eine seiner Töchter verheirathet war. Hier beschäftigte er sich mit [401] schriftstellerischen Arbeiten religiösen Inhalts, feierte im Juli 1833 seine goldene Hochzeit, erhielt an seinem 80. Geburtstage von der Universität Jena das Diplom eines Doctors der Philosophie und starb, 85 Jahre alt, am 2. Februar 1836.

Neuer Nekrolog der Deutschen, 14. Jahrg., 1838. – F. G. Becker, Die Erziehungsanstalt in Vechelde. Gotha 1806, 8°.

Sein ältester Sohn Elias Gerhard Julius H., geb. am 17. September 1784 zu Gr.-Lafferde, studirte von 1802–5 Theologie in Helmstedt, war dann an seines Vaters Anstalt Lehrer der neueren Sprachen, der Geschichte und der Aesthetik, wurde im J. 1809 Pastor, Diaconus zu Schöningen, dann 1814 Pastor zu Scheppau und Rothenkamp, im J. 1820 zu Apelnstedt und Volzum und 1831 zu Hötensleben im Preußischen, Prov. Sachsen, wo er am 24. Februar 1854 gestorben ist. Er war Verfasser mehrerer ihrer Zeit gern gelesener Romane, von denen wir nennen „Henning Braband oder die Schrecken der Bürgermeisterherrschaft in Braunschweig“, 1824. – „Alexander v. Oberg“, 2 Thle. 1825. – „Friedrich Ulrich von Braunschweig“, 1825. – „Die Guelphenbraut“, 1827. – „Erich Stenbock und seine Freunde“, 1828. – Auch war er Mitarbeiter an dem Jahrbuche Theodulia. – Gedichte von ihm finden sich in: Vater’s Jahrbuch der häuslichen Andacht und in J. P. Hundeiker’s Festbuche.

Der zweite Sohn Wilhelm Theodor H., geb. zu Gr.-Lafferde im J. 1785, trat im J. 1809 ebenfalls als Lehrer bei dem Institute des Vaters ein und ging nach Auflösung desselben im J. 1819 als Director der höheren Gewerbe- und Handlungsschule nach Magdeburg und im J. 1822 in gleicher Eigenschaft an die Handelsschule in Bremen, wo er als Professor und Doctor der Philosophie am 21. Februar 1828 mit Tode abging.