ADB:Käser, Leonhard

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Artikel „Käser, Leonhard“ von Adolf Brecher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 435–436, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%A4ser,_Leonhard&oldid=- (Version vom 20. August 2019, 08:17 Uhr UTC)
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Käser (Kaiser, Kayser, Keyser): Leonhard K., Pfarrvicar in Waitzenkirchen, Märtyrer der evangelischen Kirche, geb. zu Raab bei Schärding im Hausruck. Schon früh hatte er sich, vielleicht durch Michael Stiefel gewonnen, der evangelischen Lehre zugewendet und deshalb Strafe von seinen Oberen erlitten: Bischof Ernst von Passau hatte einen dreitägigen Arrest über ihn verhängt und ihn zu der Erklärung gezwungen, der lutherischen Lehre abzusagen. K. hatte damals die Heimath verlassen und in Wittenberg bei Luther eine Zufluchtsstätte gesucht (Januar 1525). Hier blieb er, mit Studien beschäftigt, bis zum J. 1527. Als aber sein Vater tödtlich erkrankte, war er in die Heimath geeilt, ihn vor dem Tode noch einmal zu sehen. Am 3. April 1527 von den Schergen des Bischofs von Passau entdeckt, wurde er ergriffen und am folgenden Tage auf der Feste Oberhaus eingekerkert. Die am 17. Juni beginnenden Proceßverhandlungen gingen darauf aus, K. der Ketzerei zu überführen, zweifellos mit der gleichzeitigen Absicht, an ihm ein abschreckendes, blutiges Beispiel zu statuiren. Eck fungirte als Ankläger, wie er denn seit Jahren in immer heftigerer Leidenschaft erglühend, die Seele der Verfolgungen der Ketzer in Baiern geworden war; Dr. Ramesbach, Prediger in Passau, als bischöflicher Official; die Domherren Rosin und Fröschl, der Notar Hugel als Beisitzer. Man kann nicht sagen, daß K. von seiner religiösen Ueberzeugung aus Furcht vor den Drohungen seiner Richter das Geringste aufgegeben habe. „Er berief sich immer auf die Schrift und setzte bei, daß Deutschland das Evangelium noch nie gehabt oder wenigstens nicht recht gehabt hätte.“ Auch Ueberredung half nicht; selbst als der Bischof in einer besonderen Unterredung ihn von seinen Irrthümern abzuwenden sich bemühte, blieb er in seinem Glauben standhaft und unerschütterlich. Das Anerbieten, das er selbst stellte, seine Sache in irgend einer Stadt des Reiches, z. B. Nürnberg oder Augsburg oder Ulm beurtheilen zu lassen mit obligatorischer Verpflichtung sich dem Ausspruch des Gerichtes zu unterwerfen, oder das seiner Freunde und Verwandten, die Entscheidung auf einen Monat hinauszuschieben und die Möglichkeit zu gewähren, auf eigene Kosten einen Procurator zu gewinnen, wurde besonders auf Betrieb Eck’s, welcher mit widerwärtiger Hartnäckigkeit des Opfers Blut forderte, abgewiesen. So wurde denn am 18. Juli 1527 unter dem Vorsitz des Bischofs von Passau von den Richtern, unter denen auch Eck sich befand, das Urtheil gesprochen und K. am 16. August in Schärding auf dem Gries verbrannt. – Daß sein Tod auf die nächste Umgebung tiefen Eindruck machte, geht daraus hervor, daß die Sage sich verbreitete, er habe noch in den letzten Augenblicken Wunder gethan. – Es [436] war natürlich, daß von Katholiken und Evangelischen der Versuch gemacht wurde, den Proceß Käser’s in einem ihren Bestrebungen günstigen Lichte darzustellen. Die letzteren hatten darin entschieden Recht, daß sie nicht nur die Richter, sondern auch die Gemeinschaft, welche diese vertraten, der widerchristlichen Grausamkeit anklagten. Zuerst erschien vom evangelischen Standpunkte geschrieben: Wahrhafte Historie des Leydens und Sterbens Lienhard Kaysers, Pfarrers zu Wayzenkirchen beschrieben, Wittenberg 1527. Dagegen von katholischer: D. Eck, Warhaftige Handlung, wie es mit herr Lenhart Käser, zu Schärding verbrennt, ergangen ist. s. l. et. a. Dann Luther nach Michael Stiefel’s Predigers zu Tollet im Hausruck, Bericht über Käser’s Prozeß und Tod: Gründlicher der seligen Geschicht von Leonhard Kaysern in Bäyern, welcher um des Evangelii willen verbrant worden (mit einer Vorrede und einem Nachwort) 1527. Luther’s Schriften, herausgegeben von J. G. Walch, Halle 1749. Th. XXI. S. 173 ff. – Daß man von katholischer Seite in neuerer Zeit versucht hat, Käser’s Sache dadurch herabzusetzen, daß man ihn unter die Anabaptisten zählte, von denen einige ihn allerdings, wiewol ohne jeden Grund, in Anspruch nahmen, hat an dem historischen Urtheil über K. nichts zu ändern vermocht.

Vgl. J. E. Jörg, Deutschland in der Revolutionsperiode von 1522 bis 1526, Freiburg i. B. 1851. S. 723 – Th. Wiedemann, Dr. Johann Eck, Regensburg 1865. S. 201 ff. – J. Köstlin, Martin Luther, Bd. 2. S. 113 ff., Elberfeld 1875. – C. Prantl, Gesch. der Ludwig-Maximilians- Universität, München 1872. Bd. I, S. 161. – Zu der Frage im Allgemeinen vgl. V. A. Winter, Geschichte der Schicksale der evangelischen Lehre in und durch Baiern, München 1809. S. 239 ff.