ADB:Königsmarck, Aurora Gräfin von

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Artikel „Königsmark, Aurora Gräfin von“ von Heinrich Theodor Flathe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 526–528, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%B6nigsmarck,_Aurora_Gr%C3%A4fin_von&oldid=- (Version vom 27. Juni 2019, 10:49 Uhr UTC)
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Königsmark: Maria Aurora Gräfin v. K., berühmt geworden als Maitresse des Kurfürsten August des Starken von Sachsen, war die jüngste Tochter des als niederländischer General 1673 bei der Belagerung von Breda gefallenen Grafen Konrad Christoph v. K. und demnach eine Enkelin des schwedischen Feldmarschalls Johann Christoph v. K. Weder der Ort noch das Jahr ihrer Geburt stehen urkundlich fest, aller Wahrscheinlichkeit nach jedoch ist sie nicht in Schweden geboren, sondern in Stade, das ihr Großvater als Statthalter des Herzogthums Bremen zum Familiensitze gemacht hatte und wo sich ihre Mutter während der häufigen Abwesenheiten ihres Gatten aufzuhalten pflegte, und nicht ums Jahr 1678, wie sie später zu verbreiten für gut fand, sondern gegen zehn Jahre früher, was sich schon aus dem Datum des Todes ihres Vaters ergibt. [527] Nach dem Tode ihres Gatten nahm die verwittwete Gräfin K., eine Tochter des Feldmarschalls Hermann Wrangel, mit ihren beiden Töchtern ihren Wohnsitz in Hamburg, später, besonders aus Rücksicht auf die Erhaltung des zerrütteten Familienbesitzes, in Stockholm. Nachdem sie dort 1691 gestorben, kehrte Aurora nebst ihrer seit 1689 dem Grafen Axel Lewenhaupt vermählten älteren Schwester Amalie Wilhelmine nach Hamburg zurück und von hier verbreitete sich der Ruf ihrer Schönheit, ihrer geistigen Begabung und vielseitigen Bildung, wie sie denn fünf Sprachen mächtig gewesen sein und durch Gesang, Musik und Dichtkunst bezaubert haben soll. Zugleich aber tritt der ihrer ganzen Familie eigenthümliche Zug des Unstäten und Abenteuerhaften seitdem auch bei ihr hervor. Zahlreiche Anbeter, selbst fürstlichen Standes, wie der 60jährige Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel und der 17jährige Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, huldigten ihr, aber zu der gewünschten Heirath kam es mit keinem. Entscheidend für ihr ferneres Schicksal wurde ihre Reise an den Dresdener Hof im Herbst 1694, welche mit ihren Bemühungen, über das Schicksal ihres im Juli zu Hannover auf geheimnißvolle Weise verschwundenen Bruders Philipp Christoph Gewißheit zu erlangen, in unmittelbarem Zusammenhange stand. Nachdem sie im Kreise ihrer bisherigen Bekannten vergebens zu diesem Zwecke um Fürwort und Beistand geworben, ging sie nach Dresden in der Ueberzeugung, daß der Kurfürst von Sachsen, in dessen Dienst ihr Bruder als Generalmajor getreten war und der deshalb auch schon seinetwegen einen besonderen Gesandten nach Hannover geschickt hatte, am ehesten etwas zur Rettung des, wie sie glaubte, noch Lebenden thun oder aber ihr Gewißheit über seinen Tod verschaffen könne; denn auch an letzterer mußte ihr darum viel gelegen sein, weil ohne dieselbe nicht zur Uebernahme der Erbschaft vorgeschritten werden konnte und das Vermögen der Familie seit der Confiscation ihrer Güter durch die schwedische Regierung in Zerrüttung gerathen war. Zwar blieb auch die sächsische Verwendung in Hannover erfolglos, dafür aber fand sie an dem sinnlichen, für Frauenschönheit übermäßig empfänglichen Kurfürsten einen leidenschaftlichen Anbeter ihrer Reize und die in derartigen Dingen nicht Unbewanderte ergab sich ihm nach kurzem Widerstande zu Moritzburg. Vielleicht war ihr eigener Schwager Lewenhaupt aus Eigennutz dabei thätig sie dem Kurfürsten in die Hände zu spielen. Mit glänzenden Hoffesten feierte August seinen Sieg. Als seine erklärte Geliebte wußte sie sich doch auch mit der Gemahlin und der Mutter des Kurfürsten auf guten Fuß zu setzen, allein auf die Dauer vermochte auch sie den flatterhaften Sinn ihres Liebhabers nicht zu fesseln, der seine Gunst in Wien der Gräfin Esterle zuwendete. Rechtzeitig auf einen solchen Fall für ihre Zukunft besorgt, benutzte sie ihren Aufenthalt in der Nähe von Quedlinburg 1696, um sich die Gunst der Aebtissin des dortigen Jungfrauenstifts, der Prinzeß Anna Dorothea von Weimar, zu erwerben und durch die Ernennung zur Coadjutorin und dereinstigen Aebtissin ihre Erhebung zur reichsfürstlichen Würde vorzubereiten. Hierin ist auch jedenfalls der Grund zu suchen, weshalb ihre Niederkunft in dem abgelegenen Goslar, wo sie am 28. October 1696 eines Sohnes genas, sorgfältig verschwiegen gehalten und erst weit später als ein öffentliches Geheimniß behandelt worden ist. Trotz lebhaften Widerwillens anderer Stiftsdamen erreichte sie wirklich, Dank der Fürsprache des Kaisers und des Kurfürsten, der Erbschutzherr des Stifts war, am 24. Januar 1698 ihre Erwählung. Allein die darauf gesetzten Hoffnungen erfüllten sich nicht, da der stets geldbedürftige August der Starke auch die Erbvogtei über Quedlinburg an den Kurfürsten von Brandenburg verkaufte, wodurch sich auch die abteiliche Nachfolgeangelegenheit verwirrte: sie gelangte 1700 nur zur Würde der Pröpstin, und auch daß sie sich in einem geheimen Reverse dem neuen Schutzherrn auf Kosten der stiftischen Rechte verpflichtete, hat ihr nicht zur Erreichung ihres Ziels verholfen. Ihre Stellung in Quedlinburg unter der [528] neuen Regierung behagte ihr wenig; immer veränderungssüchtig reiste sie viel herum, auch jetzt fehlte es ihr nicht an Bewerbern, z. B. trug ihr während eines Aufenthaltes in Breslau 1698 der in Oels und Bernstadt residirende verwittwete Herzog Christian Ulrich von Württemberg seine Hand an. Daneben war sie fortwährend von Geldverlegenheiten heimgesucht, die zu heben selbst eines August des Starken Freigebigkeit schließlich ermüdete und die sie noch durch den Ankauf des Ritterguts Wilxen bei Oels vergrößerte. Diese Bedrängniß weckte in ihr den abenteuerlichen Einfall zu versuchen, ob sie nicht ihre Ansprüche auf die eingezogenen schwedischen Familiengüter persönlich bei König Karl XII. zur Geltung bringen könne, sie machte sich sofort auf, zunächst nach Warschau zu ihrem Schwager Lewenhaupt und hier brachte ihre Ankunft den König August auf den Gedanken, sich ihrer Anknüpfung von Friedensunterhandlungen mit seinem Gegner zu bedienen. Aurora traf das schwedische Hauptquartier im Februar 1702 zu Würzau bei Mitau, aber ungeachtet der Bemühungen des Grafen Piper zu ihren Gunsten gelang es ihr nicht eine Audienz beim König zu erlangen und sie mußte unverrichteter Dinge wieder abreisen. Auch nach diesem Fehlschlag traf sie mit ihrem früheren Liebhaber bald in Dresden, bald in Leipzig wiederholt zusammen, an letzterem Orte fand sie sich nebst vielen anderen vornehmen Personen 1706 zur Hochzeit einer Schwester der Gräfin Piper ein; im J. 1711 empfing sie in Quedlinburg den Besuch des Czarewitsch Alexei. Am Abend ihres Lebens erlebte sie noch den Kummer, die Bewerbung ihres Sohnes, des Grafen Moritz von Sachsen, um das Herzogthum Kurland, für welche sie den Rest ihres Vermögens geopfert hatte, scheitern zu sehen. Am 16. Februar 1728 starb „die berühmteste Frau zweier Jahrhunderte“, wie sie Voltaire sehr überschwänglich genannt hat, zu Quedlinburg; ihre Leiche hat sich in der Gruft der dortigen Stiftskirche mumienartig erhalten. Bildnisse von ihr befinden sich in verschiedenen Schlössern des sächsischen Königshauses und zu Blankenburg.

Die Lebensgeschichte der Aurora v. Königsmark ist vielfach ausgeschmückt worden, zuerst in Pöllnitz, La Saxe galante, dessen Angaben auch über sie durchaus unzuverlässig sind, neuerdings von W. J. Palmblad, Aurora Königsmark u. ihre Verwandte, 6 Thle., 1848. Auf urkundlichen Quellen dagegen, zum Theil ihren eigenen Briefen u. Aufzeichnungen beruhen: Fr. Cramer, Biographische Nachrichten der Gräfin K., Quedlinburg 1833, und desselben Denkwürdigkeiten der Gräfin K. u. der Königsmark’schen Familie, 2 Bde., Leipzig 1836.