ADB:Königsmarck, Hans Christoph Graf von

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Artikel „Königsmark, Hans Christoph Graf von“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 528–530, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%B6nigsmarck,_Hans_Christoph_Graf_von&oldid=- (Version vom 5. Dezember 2019, 20:25 Uhr UTC)
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Band 16 (1882), S. 528–530 (Quelle).
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Königsmark: Hans Christoph Graf von K., dem die Krone Schweden die Herzogthümer Bremen und Verden verdankte, stammte nicht aus einer schwedischen Familie, wie mehrfach behauptet ist; als Sohn Konrads von K. auf Kötzlin im Kreise Seehausen in der Altmark war er von Beatrix v. Blumenthal am 25. Febr. = 4. März 1600 auf diesem alten Stammsitze des Geschlechts geboren. Erst Page bei Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, dessen Gemahlin eine brandenburgische Prinzessin war, dann im Dienst Julius Heinrichs von Sachsen-Lauenburg, folgte er schon im böhmischen Krieg den kaiserlichen, nach Gustav Adolfs Siege bei Leipzig den schwedischen Fahnen. Er wurde schon vor 1637 Oberst des Regiments Speerreuter, vertheidigte in diesem Jahre Lemgo tapfer, mußte freilich kapituliren, nahm dann 1639 das mainzische Eichsfeld und folgte dem Baner’schen, dann dem Torstenson’schen Heere durch Sachsen, die Oberlausitz und Schlesien. Die 1640 besetzte Herrschaft Querfurt behielt er als Herr bis zum Frieden von 1648; befehligte 1642 bei Breitenfeld den rechten schwedischen Flügel, vertrieb die Kaiserlichen aus Pommern, plünderte Quedlinburg und schlug die Kroaten des Obersten Radowitz. Im [529] Bisthum Halberstadt erlitt er aber darauf einen starken Verlust am Hackelwalde. Da Schweden das Erzbisthum Bremen und das Bisthum Verden erwerben wollte, erhielt K. den Auftrag, den dänischen Prinzen Friedrich, der diese geistlichen Gebiete besaß (s. Allg. d. Biogr., Bd. VII. S. 518 f.), daraus zu vertreiben und sich in Besitz zu setzen. Die diplomatischen Schachzüge besorgte, sich selber nicht vergessend, Salvius. Der erste Versuch 1644, führte zur Besetzung von Verden; der auf das Bremische mißlang, da K. zu Torstenson gegen Gallas über die Elbe eilte (Jüterbogk und Magdeburg). 1645 aber bemächtigte er sich nach kurzer Beschießung Stades am 15. Februar durch Capitulation und darauf des Erzbisthums, mit Ausnahme der Stadt Bremen, und richtete sofort schwedische Regierung und Verwaltung ein, die fortan blieb und im westfälischen Frieden bestätigt wurde. Er selber erhielt bedeutende Contributionen und blieb Generalgouverneur der beiden geistlichen Lande, auch als er für kurze Zeit zu Turenne’s Heere stieß, und darauf noch mit Torstenson den Kurfürsten Johann Georg von Sachsen zwang, dem Prager Frieden zu entsagen und Waffenstillstand mit Schweden zu schließen. Sein rascher Zug nach Böhmen und die kühne Einnahme der Kleinseite von Prag am 15. Juli 1648 brachte ihm in der Beute ein fürstliches Vermögen, den vernichteten Ländern aber den endlichen Frieden am 24. Oct. 1648. Er war jetzt schwedischer Generalfeldmarschall und wurde als Generalgouverneur von Bremen und Verden (der Landdrostei Stade mit Ausnahme des Landes Hadeln) bestätigt, was ihm vorzugsweise die militärische Verwaltung und daneben die Oberaufsicht auferlegte, während ein Kanzler die Regierungsgeschäfte besorgte. Für die Erwerbung dieser Provinzen wurde er mit dem bischöflich verdenschen Schlosse Rotenburg, d. h. mehr als der Hälfte der bischöflichen Güter, und mit dem erzbischöflich bremischen Amte Neuhaus an der Oste, dazu einer Anzahl von Präbendengütern, Zehnten, Meiergefällen etc. belehnt. 1650 bei der Krönung der Königin Christine belehnte diese ihn noch mit den schwedischen Herrschaften Westerwyk und Stegholm, erhob ihn in den erblichen Reichsgrafenstand und ernannte ihn zum Reichsrath. Der frühere märkische Junker übertraf manchen deutschen Reichsfürsten an Einnahme und Besitz. Schon 1648 hatte ihn die „Fruchtbringende Gesellschaft“ seltsamerweise unter ihre Mitglieder aufgenommen, sie gab ihm den bezeichnenden Beinamen „Der Streifende um ein Mehreres zu erlangen“ und das nicht weniger charakteristische botanische redende Symbol des gewaltigen Durchdringens: die „Potentilla“. Im kleinen Kriege mit der Stadt Bremen, der Schweden die Reichsunmittelbarkeit nicht zugestehen wollte, zwang er diese 1654 zu schweren Einräumungen, namentlich der Abtretung von Lehe und Bederkesa. Letzteres brachte er 1662 in eigenen Pfandbesitz, indem er der Königin Hedwig Eleonore die vom König Karl X. Gustav ihr 1655 gegebene Verschreibung auf 40 000 Thlr. durch Baarzahlung abkaufte. Als er 1656 zum polnisch-schwedischen Kriege sich nach Preußen eingeschifft hatte, wurde die Fregatte von den Danzigern genommen und K. in Weichselmünde bis zum Frieden von Oliva 1660 gefangen gehalten. Am Hofe seiner Gönnerin, der Königin und Reichsregentin Hedwig Eleonore, starb er in Stockholm am 26. Febr. (= 8. März) 1663 an Blutvergiftung in Folge einer Fußwunde; seine Leiche wurde in Stade beigesetzt. Hier hatte er mancherlei Besitzthum, namentlich im nahen Dorfe Lieth hatte er ein, nach damaligen Begriffen schönes Schloß gebaut, das er nach seiner Gemahlin Agathenburg nannte, eine Bezeichnung, die seit langem den alten Namen Lieth verdrängte. Hier residirte seine Familie, auch er in Friedenszeiten. Seine Familiengruft hatte er in der Etatskirche (St. Marien) zu Stade errichtet. Dort ist sein Sarg später geschändet und beraubt, zuerst von Dänen nach der Einnahme von Stade 1712–15, nachher von kurhannöverschen Soldaten; darauf nach der [530] Wilhadikirche geschafft, wurde er wiederholt umgesetzt, endlich ist alles vernichtet und verkommen. K. hinterließ bei seinem Tode an barem liegenden Gelde 183 478 Thlr., an Gütern einen Taxwerth von 406 100 Thlr., an Kapitalien 1 053 000 Thlr., ohne die nicht taxirten neun Schlösser und Häuser mit deren Einrichtung und ohne die nicht aufgeführten großen Hopsal’schen Güter in Esthland. In der Liste fehlt die Begüterung Stegeholm, die vielleicht seiner Tochter Beata Elisabeth zum Brautschatz mitgegeben war. Königsmarks jährliches Einkommen wurde auf 130 000 Thlr. geschätzt. In des Torquatus Leichen-Panegyricus wird er Johannes Christoph genannt. Bekannt ist er als einer der raschesten, schneidigsten und thatkräftigsten Führer aus der zweiten Hälfte des 30jährigen Krieges, ein rücksichtsloser General und gewaltsamer Erpresser, in Stade redete man von seiner Knauserei; in der Altmark aber erhielt er das Lob, sorgsam das Land möglichst geschont und bewahrt zu haben. Die Gohe Achim bei Bremen wählte ihn 1648 aus eigenem Antriebe zum Gogreven mit dem Recht, daß künftig dieser nur aus seinem Geschlecht gewählt werden solle. Auch als umsichtigen Staatsmann zeigte er sich, mehr noch als großen Finanzier im eigenen Interesse. Dabei war er ein stattlicher, kräftiger Mann. Seine Gemahlin war Maria Agathe v. Leeften, † am 5. Decbr. (= 15. Decbr.?) 1671, Tochter des brandenburgischen Edelmanns Christoph v. Leeften. Auch ihr Grab ist in Stade verwüstet, wie alle der ganzen Familie. Zwei Kinder starben früh, drei überlebten die Eltern: Kurt Christoph, Otto Wilhelm und Beate Elisabeth, vermählt an den schwedischen Grafen Pontius Friedrich de la Gardie, von dem sie zwei Töchter hatte, Johanna Eleonore, verheirathet 1691 an Graf Erich Steenbock, und Ebba Maria, † 1697. Außerdem scheinen drei illegitime Töchter, vielleicht auch ein Sohn Hans Christophs nachgewiesen zu sein.

Die Historiker des 30jährigen Krieges und Schwedens, namentlich Carlsson; eine gute Zusammenstellung, mit neuen Archivalien, von Jobelmann in Ztschr. des histor. Vereins für Niedersachsen, 1876; Cramer, Denkwürdigkeiten der Gräfin Maria Aurora von Königsmark; Palmblad, Aurora und ihre Verwandten; Pratje’s Sammlungen und v. Kobbe, Bremen und Verden, an zerstreuten Stellen, gelegentlich der betreffenden Aemter; wegen der Besetzung von Bremen und Verden: Wiedemann, Gesch. des Herzogth. Bremen, 2; wegen der Güterschenkungen: Zeitschr. des histor. Vereins für Niedersachsen, 1865, 331.