ADB:Friedrich II. (Erzbischof von Bremen)

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Artikel „Friedrich II., Erzbischof von Bremen“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 518–519, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_II._(Erzbischof_von_Bremen)&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 14:48 Uhr UTC)
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Friedrich II., Erzbischof von Bremen bis 1648, † als Friedrich III., König von Dänemark, am 9. Febr. 1670. Geb. am 18. März 1609 als Sohn Königs Christian IV., wurde er schon 1614 Domherr zu Verden, 1615 zu Bremen, diese letztere Stelle resignirte ihm Bischof Philipp Sigismund von Verden und Osnabrück, dessen Bruder Heinrich Julius von Braunschweig mit Friedrichs Schwester in zweiter Ehe vermählt war. Christians Streben, durch seinen Sohn Herr von Bremen, Verden und Osnabrück zu werden, erhellt namentlich aus des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Brockes’ Tagebuche; er sparte dabei kein Geld, dem Verdener Domcapitel bestimmte er in Geld oder goldnen Ketten 65000 Thaler; schon 1617 mußte sich der achtjährige Prinz in Bremen zeigen. Am 12. März 1619 nahm Philipp Sigismund in Erbitterung gegen seinen Vetter Herzog Christian von Lüneburg ihn zum Coadjutor für Verden an, die gleiche Absicht für Osnabrück scheiterte an der Nähe kaiserlicher Schaaren; die Absicht des Verdener Domcapitels, seine Succession zu hintertreiben, scheiterte an Bestechung und der Furcht von Lüneburg annectirt zu werden. So unterzeichnete sein Vater am 22. Juni 1623 die Wahlcapitulation. Graf Thurn war in Verden Friedrichs Begleiter. Vor den Kriegsunruhen ging F. nach Dänemark zurück, Verden wurde vom Kanzler Fr. Martin v. d. Mehden verwaltet. Auch in Halberstadt, wo F. damals Dompropst war, wählten ihn die Protestanten zum Administrator, was er aber nur nominell blieb. Im dänisch-deutschen Kriege suchte Christian als Kreisoberster des niedersächsischen Kreises 1625 vor Osnabrück, als dort der Bischof Itel Friedrich (26. Oct.?) starb, die Wahl Friedrichs als Administrator zu erzwingen, das Domcapitel wählte aber am 9. Decbr. (Potthast: 26. Oct.) den Grafen Franz Wilhelm von Wartenberg. Trotzdem erzwang Ernst von Sachsen-Weimar vom Domcapitel im März 1626 die Annahme Friedrichs als Coadjutor, aber mit Tilly’s siegreichem Vordringen wurde die Sache hinfällig, und Christian verzichtete im Lübecker Frieden am 12. Mai 1629 auf alle Ansprüche Friedrichs an die deutschen, inzwischen furchtbar ausgesogenen Stifter. Die Hoffnungen der dänischen Oldenburger auf eine große vom Nordcap bis tief in Westfalen reichende Herrschaft war so zerschlagen, sie lebte noch einmal auf 1635. F. war von [519] seinem gottorpischen Vetter, Erzbischof Johann Friedrich von Bremen, der aber nicht Bischof des schwedisch-occupirten Verden war (wie Potthast vom November 1631 – 3. Sept. 1634 ansetzt), zum Coadjutor von Bremen ernannt. Nach der Schlacht bei Nördlingen bot Kaiser Ferdinand II. dem Könige Christian die Uebergabe der Stifter Bremen und Verden und auch des Stifts Schwerin (Bützow), wo Ulrich III. verjagt war, für F., wenn er helfen wolle die Schweden aus dem Reiche zu treiben; F. benutzte aber dieses Angebot, um nach Johann Friedrichs Tode, 3. Sept. 1634, durch Hülfe Schwedens in Bremen durch Vertrag vom Febr. 1635 zu succediren und auch Verden von derselben Macht zurückzuerhalten, wofür er auf seine Halberstadter Ansprüche verzichten sollte (was er doch nicht that) und mit Schweden für sein Land, wenn auch nicht für seine Person, in Bündniß treten mußte. Dafür kamen 1636 die Kaiserlichen über Verden, doch bewilligte der Kaiser diesem Stifte noch Neutralität; nun sollte es aber 1639 den Dänen 12000 Thlr. erstatten, und die Kaiserlichen zwangen 1638 unter Clam Gallas[WS 1] Bremen zu hoher Contribution. Als der Krieg zwischen Dänemark und Schweden 1643 ausbrach, holte sich F. in Rothenburg Rath bei dem schwärmerischen Visionär Hermann v. d. Hude, einem Heidebauern, und rüstete dann zum Beistand für seinen Vater. Das Land folgte dem Aufgebot nur schwach, die Schweden unter Königsmark besetzten unter einigen Wechselfällen die Stifter, schon 1644 wich F. von Stade nach Glückstadt, suchte freilich von Stade und dann von Hamburg aus nochmals selbstthätig einzugreifen, aber schon 1645 behaupteten die Schweden definitiv Verden, dann auch Bremen; auch im Frieden von Brömsebroo am 13. August 1645 bekam F. sie nicht zurück. Als der westfälische Friede 1648 diesen Besitzstand bestätigte, verzichtete F. freilich nicht. In demselben Jahre succedirte er seinem Vater als König von Dänemark, und im dänischen Kriege gegen Karl X. von Schweden versuchte er noch einmal 1657, aber vergeblich, seine Stifter wiederzugewinnen. Das Schwankende im Wesen des jungen Prinzen, das in diesen langen Kriegen hervortrat, hat der Mann auf dem Throne nachher verloren; 1660 erreichte er sogar in der Aufhebung der Handfeste, dem sogen. Königs- oder Souveränetätsgesetz, ein vollständiges Niederbrechen der feudalen Gewalten, deren er in den Stiftern nie Herr hatte werden können. In den deutschen Landen ist von seiner Regierung nur das Andenken der Verheerungen und Schrecken des 30jähr. Krieges haften geblieben. Liebe hatte er sich nicht zu erwerben gewußt, selbst die Schwedenherrschaft galt als Erlösung. 1643 hat er sich verheirathet. Er verstand zu malen, ein eigenhändig in seiner Bischofszeit von ihm gefertigtes Porträt eines lutherischen Predigers zu Jork im Alten Lande hängt in Schloß Rosenborg.

Vgl. v. Kobbe, Bremen u. Verden II, wo Nachweisungen. – Pfannkuche, Gesch. des Bisthums Verden. II. – Stüve[WS 2], Gesch. und Beschr. des Hochstifts Osnabr. (1784). – Opel, Niedersächs.-dänischer Krieg. – Zeitschr. für Lübeck. Gesch. II. bes. S. 417 ff. Ueber das Porträt: Krause, Archiv des Stader Ver. f. Gesch. 1864, S. 301. Wedekind, Noten 1, S. 135 (z. Th. irrig).


Anmerkungen (Wikisource)

  1. gemeint ist Matthias Graf Gallas
  2. Johann Eberhard Stüve, Großvater Johann Karl Bertram Stüves.