ADB:Klumpp, Friedrich Wilhelm

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Klumpp, Friedrich Wilhelm“ von Karl August Klüpfel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 253–255, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Klumpp,_Friedrich_Wilhelm&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 11:32 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Klügel, Georg Simon
Band 16 (1882), S. 253–255 (Quelle).
Wikisource-logo.png Friedrich Wilhelm Klumpp bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Friedrich Wilhelm Klumpp in der Wikipedia
GND-Nummer 116242736
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|253|255|Klumpp, Friedrich Wilhelm|Karl August Klüpfel|ADB:Klumpp, Friedrich Wilhelm}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116242736}}    

Klumpp: Friedrich Wilhelm K., ein namhafter Schulmann und Pädagoge, wurde den 30. April 1790 geboren, als der Sohn eines Wundarztes zu Klosterreichenbach im Murgthale. Er besuchte bis zum 12. Jahre die Dorfschule seiner Heimath und erhielt erst in diesem Alter den Unterricht in den alten Sprachen im Gymnasium zu Stuttgart, in welches er auf den Rath und durch die Vermittelung des Ortsgeistlichen, der auf seine Begabung aufmerksam machte, gebracht wurde. Nachdem er das sogenannte Landexamen mit Erfolg bestanden hatte, durchlief er die Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn und bezog im Herbst 1808 die Universität Tübingen als Zögling des evangelischen Seminars, in welchem er den fünfjährigen Studiencursus machte. Von entschiedenem Einfluß auf die Richtung seiner Studien auf der Universität war es, daß er dort Mitglied eines Vereins von Studirenden wurde, welche unter dem Druck der Napoleonischen Herrschaft, die damals unter dem tyrannischen König [254] Friedrich besonders schwer auf Württemberg lastete, den Plan gefaßt hatten, nach der Südsee auszuwandern, um auf der Insel Tahiti eine ideale schwäbische Colonie zu gründen. Jedes Mitglied war verpflichtet, sich auf einen bestimmten Beruf in dem neuen Colonialstaat vorzubereiten. K. wählte den Beruf eines Lehrers und Erziehers und lernte nebenbei das Tischlerhandwerk. So war er denn darauf angewiesen, auch in anderen Fächern, als in denjenigen, welche zum württembergischen Kirchen- und Schuldienst erforderlich waren, sich auszubilden. Geographie, Naturkunde, Zeichnen, Mathematik wurden eifrig betrieben, die Schriften von Pestalozzi, Salzmann und Gutsmuths wurden gelesen, und das Institut von Schnepfenthal war das Vorbild der pädagogischen Zukunftspläne. Als aber die Studienzeit Klumpp’s abgelaufen war, war auch der Bann der Fremdherrschaft gebrochen und die Auswanderungspläne wurden aufgegeben. Schon Frühjahr 1814 wurde K. das Lehramt an der Lateinschule zu Vaihingen an der Enz übertragen und in demselben Jahre gründete er einen eigenen Hausstand mit der Tochter eines benachbarten Amthauses. Zwei Jahre später siedelte er in gleicher Eigenschaft in das Städtchen Leonberg über. Bald war das Haus mit Zöglingen und Schülern angefüllt. Die Vorbereitungen auf die Colonisation in Tahiti kamen auch dem heimischen Lehramt zu gute. In viel weiterem Umfange, als es sonst in Württemberg üblich war, wurden die Realien von K. in seiner Schule betrieben. Auch das Turnen wurde mit Vorliebe gepflegt. Der eifrige strebsame Lehrer wurde 1821 an das Gymnasium in Stuttgart befördert, wo er zuerst an den mittleren, später an den oberen Classen philologische und mathematische Fächer zu lehren hatte. Das ihm so wichtige Turnen, welches damals als offizielles Fach bereits aufgegeben war, hielt er mit einer wechselnden Zahl freiwilliger Schüler aufrecht. Er betrachtete dasselbe nicht blos als eine für die Pflege der Gesundheit und Körperkraft werthvolle Uebung, sondern auch als wichtige patriotische Pflicht für die Erhaltung der Wehrfähigkeit. Seine von dem herrschenden System abweichende Ansicht von der Aufgabe der Gelehrtenschulen hat er in einer größeren Schrift über: „Die Gelehrtenschulen nach den Grundsätzen des Humanismus und den Anforderungen der Zeit“, 1829, dargelegt. Er wollte neben den alten Sprachen auch den sogenannten Realien, besonders den Naturwissenschaften und den neueren Sprachen Gleichberechtigung eingeräumt wissen und schrieb ihnen ebensoviel Bildungswerth zu, wie den alten Sprachen. Er läugnete, daß Humanismus und Realismus Gegensätze seien, und faßte den ersteren als den höheren Begriff auf, zu welchem sich die alten Sprachen und die Realien als gleichberechtigte, sich ergänzende Glieder verhalten sollten. Seine Ausführungen fanden vielfachen Anklang, aber auch vielen Widerspruch unter den Fachgenossen. Um einen Beitrag zur Lösung der Streitfrage zu geben, wurde beschlossen, eine Erziehungs- und Unterrichtsanstalt zu gründen, in welcher die angeregte Reform praktisch erprobt werden könnte. Die Regierung stellte ein damals bestehendes Apanageschloß des königlichen Hauses zu Stetten im Remsthal zur Verfügung und die Anstalt konnte 1831 eröffnet werden. In dem zur Leitung niedergesetzten Comité hatte auch K. Sitz und Stimme. Die Anstalt kam bald in Blüthe und bestand über 20 Jahre unter manchen Modifikationen des ursprünglichen Programmes, wurde aber mit der Zeit entbehrlich, da auch die öffentlichen Lehranstalten des Staates allmählich mehr realistischen Stoff in ihren Lehrplan aufgenommen und eine Ausgleichung des ursprünglichen Gegensatzes stattgefunden hatte. – K. wurde 1848 provisorisch und 1850 definitiv als Rath und Referent für die realistischen Lehranstalten in den Studienrath berufen und hatte in dieser Stellung eine fruchtbare, einflußreiche Wirksamkeit, zumal da seine Thätigkeit in eine Zeit zahlreicher Neubildungen auf diesem Gebiete fiel. Nachdem er 1864 das 50. Dienstjahr vollendet hatte, wurde er [255] unter Verleihung des Comthurkreuzes des Friedrichsordens in den Ruhestand versetzt, den er noch vier Jahre lang in körperlicher und geistiger Regsamkeit genoß. Nach kurzem Krankenlager starb er am 12. Juli 1868 im 79. Lebensjahre.

Nekrolog von G. Rümelin in der Augsburger Allgemeinen Zeitung 1868, Nr. 268.