ADB:Kobell, Franz

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Artikel „Kobell, Franz“ von Johann August Ritter von Eisenhart in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 355–356, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kobell,_Franz&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 13:27 Uhr UTC)
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Kobell: Franz K., Maler und Zeichner, geb. am 23. Novbr. 1749 in Mannheim, † am 14. Januar 1822 in München, jüngerer Bruder des Ferd. K. (s. d.), wurde frühzeitig Doppelwaise. Seine Vormünder bestimmten ihn behufs rascherer Gewinnung eigenen Unterhaltes zum Handelsstande und brachten ihn zu einem verwandten Mainzer Kaufmann in die Lehre. Allein wie sein Bruder Ferdinand der Rechtswissenschaft war er (gleich seinem holländischen Vetter Hendrik K.) der Kaufmannschaft abgeneigt; fand dagegen seinen höchsten Genuß im Zeichnen und Malen und benützte jede Freistunde in der reizenden Umgebung von Mainz Aufnahmen nach der Natur zu machen. K. blieb vier ihm endlos dünkende Jahre im Comtoir zu Mainz; nach deren Ablauf erklärte er aber mit Bestimmtheit, sich der Kunst widmen zu wollen, und die vorgelegten Proben rechtfertigten nach dem Urtheile Sachverständiger sein Verlangen. Er besuchte nun die Akademie zu Mannheim, wo ihn sein Bruder Ferdinand mit Rath und That unterstützte. Der Kurfürst Karl Theodor, erfreut über das ausgesprochene Talent des strebsamen jungen Mannes verlieh ihm nach vollendeter Akademiebildung 1776 ein ansehnliches Reisestipendium, das ihn in den Stand setzte, in Italien eingehende Kunststudien zu machen. Er hielt sich hauptsächlich in Rom auf, wo er sich im Landschafts- und Architekturzeichnen übte; durch häufige Ausflüge in die Campagna und das Albanergebirge wurde er mit der Eigenart der römischen Landschaft genau vertraut, weshalb wir deren Formen und Linien in Kobell’s späteren [356] Arbeiten begegnen, obwol sie im Allgemeinen von reicher Mannigfaltigkeit Zeugniß geben. Nach neun Jahren (1785) kehrte er über den Brenner in die Heimath zurück und nahm seinen Wohnsitz in München. Der Kurfürst ernannte ihn zum Hofmaler und die Akademie der bildenden Künste in München zu ihrem Ehrenmitgliede. K. besaß eine äußerst lebhafte Phantasie, ein glückliches, reiches Compositionstalent und große Leichtigkeit der Darstellung. Das Vorherrschende war und blieb bei ihm die Idee. – Da ihm die Vorbereitungen zum Oelmalen – überhaupt dessen Technik zu umständlich und zeitraubend war, nahm er lieber den Stift oder die Feder zur Hand, um seinen schnell hervorquellenden künstlerischen Gedanken den entsprechenden Ausdruck zu geben. Die auf solche Weise rasch gefertigten Blätter setzte er dann mit Sepia in die nöthige Haltung von Licht und Schatten. K. malte sehr wenige Oelbilder; nach Professor Speth (einem genauen Kenner von Kobell’s Werken) betrug deren Zahl kaum zwölf. Eines derselben war früher in der Pinakothek in München und befindet sich nun zu Bamberg. Es ist eine felsige Landschaft mit Wasserfällen (auf Leinwand) und zählt zu den charakteristischen Gemälden des Meisters. Auch die Zahl der Radirungen ist ziemlich gering; sie besteht in einer Sammlung von 26 Blättern, meist wilde, felsige Gegenden. Dagegen fertigte K. eine geradezu unglaubliche Menge von Handzeichnungen, von denen er sehr viele in Tuschmanier ausführte. Speth schätzt deren Zahl auf mindestens 10 000. Ueber 2000 besaß Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen in Wien, etwa eben so viele v. Rigal in Paris und der mit den Brüdern Kobell vieljährig befreundete Freih. v. Stengel. Auch das Münchner Kupferstich- und Handzeichnungen-Cabinet verwahrt eine volle Mappe und König Ludwig I. erwarb mehrere Skizzenbücher mit hübschen architektonischen Ideen. Manches wanderte nach England. Bei der Vielzahl der Arbeiten sind sie selbstverständlich von ungleichem Werthe; die der früheren Periode sind oft mit einer an Aengstlichkeit grenzenden Sorgfalt gearbeitet und bis ins Kleinste zierlich ausgeführt. Jene der zweiten Periode verrathen größere Sicherheit und freiere Behandlung. Goethe nennt in seinen Versuchen einer deutschen Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts K. nach Hackert einen der ersten deutschen Landschafter der 80er Jahre. Der tieffühlende Meister wußte die Natur auch mit geistigem Auge zu erfassen und copirte sie weniger im Einzelnen, sondern nahm sie nach ihrem ganzen Umfange und in der Vielseitigkeit ihrer Erscheinung in sich auf. Deshalb huldigte er nie dem Zeitgeschmacke, sondern der künstlerischen Eingebung. Seine Lieblingsstoffe waren Landschaftsbilder mit italienischem Charakter, auch bewaldete Hügel mit Felspartien und Wasserstürzen, mit Ruinen oder großen Bauwerken. Die nebensächlich behandelte Staffage besteht aus Hirten mit und ohne Heerden, aus rastenden Pilgern, Schnittern und Landleuten. Arbeit war dem schaffenden Manne Bedürfniß; er zeichnete rasch und leicht; selbst an seinem Todestage wollte er die gewohnte Thätigkeit aufnehmen, das Werk mochte auch im Geiste vollendet sein; allein das Auge und die zitternde Hand versagten den Dienst; er legte den Stift bei Seite und entschlief ruhig am 14. Januar 1822. – Da K. ledig geblieben war, brachte er die Abende gerne bei Freunden, in anregenden Damen- und Herrenkreisen zu, und wurde wegen seiner Unterhaltungsgabe und launigen Einfälle, wegen seiner gründlichen Bildung und Biederkeit hoch geschätzt. Ein Stich in Kleinoctav von C. Heß stellt unseren Meister in seinen letzten Lebensjahren dar, er trägt die Unterschrift: „Als Mensch edel und groß, durch eigenen Witz und festen Charakter höchst ausgezeichnet.“ … Nach seinen und Ferdinands Zeichnungen haben Prestel und Kuntz zwölf Blätter gestochen.

Speth im deutschen Kunstblatte, Tüb. 1822. Nr. 46. S. 181. – Goethe, Winkelmann, Bd. II. – Nagler, Bd. 7. S. 89–91. – Mannlich, Beschreib. der kurpfälzischen Gemälde-Samml. I, 236. II, 298.