ADB:Konrad de Fabaria

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Artikel „Konradus de Fabaria“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 639–640, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Konrad_de_Fabaria&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 07:16 Uhr UTC)
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Konradus de Fabaria, Mönch und Geschichtschreiber zu St. Gallen, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In der Zeit des St. Galler Abtes Ulrich VI., aus dem freiherrlichen Geschlechte von Sax, 1204–1220, lebte K. zu St. Gallen als Priester des heiligen Otmar und infolge dieser Stellung als Besorger des Pfarrsprengels, wie aus einer untergeordneten Begebenheit von 1209, deren Zeuge er gewesen sein will, hervorgeht. 1220 wohnte er dann der Wahl des Abtes Rudolf von Güttingen, jedenfalls 1226 derjenigen des Konrad von Bußnang (vgl. d. Art.) bei, und es ist keine Frage, daß die bedeutende Persönlichkeit und das hervorragende Wirken dieses letzteren K. auf den Gedanken brachte, die Casus sancti Galli fortzusetzen. An denselben hatten, seit Ekkehart IV. (vgl. d. Art.) die Geschichte des Klosters, statt bis auf seine eigene Zeit, die Mitte des 11. Jahrhunderts, nur bis auf Abt Notker (971–975) geführt, nach einander fünf ungenannte Fortsetzer – nicht ein einziger, Namens Burchardus, den erst Goldast erfunden und in die Geschichte der Historiographie eingeschwärzt hat – gearbeitet und in Abschnitten zum Theil sehr ungleichen und geradezu geringfügigen Werthes bis zum J. 1203 diese Continuatio Casuum sancti Galli gebracht. Mit K. trat nun eine ungleich befähigtere Kraft in die Aufgabe ein. So sehr K. um die Persönlichkeiten der Aebte, voran um Ulrich VI. und Konrad, und um hervorragende anderweitige Persönlichkeiten des Klosters, wie des ersteren Oheim, Decan Heinrich von Sax, die Ereignisse gruppirte, so bedeutend ist andererseits auch seine Kenntniß und so unterrichtend seine Darstellung der allgemeinen mit St. Gallen sich berührenden Angelegenheiten. Zur Geschichte König Philipps und Ottos IV., zu derjenigen Friedrichs II., der auf seinem abenteuerlichen Zuge im Herbst 1212 zunächst nach Cur in St. Gallen eine sichere Stütze auf deutschem Boden fand, vollends zu der Heinrichs VII. bringt vielfach sehr erwünschtes Licht; denn durch seinen Abt Konrad, den [640] Rathgeber des Kaisersohns, war der Chronist mit Nachrichten sehr wohl bedient. K. ist durchaus kaiserlich gesinnt, und der Maßstab für die Beurtheilung der Lenker des Kloster ist ihm ganz die geschickte und treue Erfüllung der reichsfürstlichen Pflichten, die sich ja wieder durch kaiserliche Gunsterweisung für das Gotteshaus reichlich bezahlte; hauptsächlich darum urtheilt er so gering über den bequem unfähigen Abt Rudolf, denkt er so hoch von dem äußerst befähigten Staatsmann Konrad. Deswegen fällt aber auch des staufisch gesinnten Berichterstatters Mittheilung um so schwerer ins Gewicht, wenn er den gewaltsamen Tod des Herzogs Ludwig I. von Baiern als die Bestrafung des „Hauptes und zügelnden Schweifes einer gegen den Kaiser selbst bewerkstelligten Verschwörung“, d. h. als eine von Friedrich II. veranstaltete That bezeichnet. Es ist zu bedauern, daß K. durch schwülstige und bilderreiche Schreibweise vielfach den Eindruck des von ihm Mitgetheilten verdunkelt, auch durch eigenthümliche Anordnung den Schein chronologischer Unklarheit erweckt. Vielmehr steht seine Arbeit unter den lateinisch geschriebenen Stücken der St. Galler Geschichtschreibung an Selbständigkeit und Glaubwürdigkeit ohne Frage an der Spitze. Mit 1232 bricht er plötzlich ab, wohl kaum aus eigenem Entschlusse. – Die Bezeichnung des K. als „de Fabaria“ läßt sich mit voller Sicherheit kaum erklären (was I. v. Arx, Mon. Script. Bd. II. S. 163, von einer Familie „Bohna“ sagt, ist nicht anzunehmen; ebenso ist wol kaum unter „Fabaria“ das Kloster Pfävers zu verstehen, noch an den in Zwiefalter Aufzeichnungen zu 1208 genannten „Conradus Fabariensis“ zu denken).

Vgl. von dem Verf. d. Art. den Commentar zur neuen Ausgabe der Casus S. Galli Konrads in den St. Gallischen Geschichtsquellen. Heft IV (1879), S. 133–252, befonders die Einleitung (S. XVII–XLV), gegen deren bisherige Unterschätzung.