ADB:Kray, Paul Freiherr von

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Artikel „Kray, Paul Freiherr von Krajowa“ von Karl Friedrich Hermann Albrecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 93–96, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kray,_Paul_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 26. Mai 2019, 07:54 Uhr UTC)
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Kratz: Paul K., Freiherr von Krajowa: Feldzeugmeister, Commandeur des Maria-Theresienordens, ward am 5. Febr. 1735 zu Käsmark in Ungarn geboren. – Der Fürstprimas Csaky, welcher die Verdienste des Vaters (Hauptmannes [94] in k. österreichischen Diensten) hochschätzte, war der Wohlthäter seiner Jugend. Dieser ließ ihn erst in Schemnitz, dann in Wien studiren und sorgte für alle Bedürfnisse seines Schützlings. Ein 18jähriger Jüngling trat K. als Cadet im J. 1754 in das k. k. 31. Linien-Infanterieregiment (damals Samuel Freiherr Haller von Hallerstein) und machte den 7jährigen Krieg mit. Vom Grenadierhauptmann wurde K. 1778 Major außer der Tour bei Preysach-Infanterie (Nr. 39); im J. 1783 Oberstlieutenant beim 2. Szekler-Grenz-Infanterieregiment. Im J. 1784 dämpfte K. den in Siebenbürgen ausgebrochenen bedeutenden Agraraufstand der Walachen und wurde für diesen wichtigen Dienst 1785 Oberst und Commandeur des 1. Walachen-Grenz-Infanterieregiments. Im Türkenkriege (1788–1790) erwarb K. sich besondere Verdienste und hierdurch das Klein-(Ritter-)Kreuz des Militär-Maria-Theresienordens. Im Mai 1790 außer der Tour zum Generalmajor befördert, erhob ihn der Kaiser im Juli desselben Jahres in den erbländischen Freiherrenstand mit dem Ehrenzusatze „von Krajova“, welchen Ort er im J. 1789 in der kleinen Walachei besetzt hatte. Im September desselben Jahres erhielt Generalmajor K. während des Waffenstillstandes und bis zum Abschluß des Friedens den Oberbefehl über die Truppenstellung am Altflusse. – Im December wurde ihm das Truppencommando in der kleinen Walachei überantwortet. – Uebermäßige physische Anstrengungen und klimatischer Einfluß der ungesunden Gegenden, welche der Schauplatz seiner letzten Thätigkeit waren, hatten Kray’s Körperkraft so sehr untergraben, daß er zur Erstarkung derselben die Bäder in Mehadia brauchen und sich im Juli des J. 1791 ganz vom Dienst zurückziehen mußte. – Als Prinz Coburg im ersten französischen Revolutionskriege (1793) das Commando der Armee in den Niederlanden übernommen hatte, wurde Generalmajor K. auf dessen ausdrücklichen Wunsch dahin berufen, wo er, am 1. April im Hauptquartier zu Brüssel eingetroffen, das Commando der Vorhut übernahm. Zu den Gefechten bei Famars (23. und 24. Mai), Courtray (15. Septbr.), bei der Erstürmung von Menin (16. Septbr.), im Treffen bei Etreux (80. Septbr.), im Gefechte bei Orchies (24. Octbr.), sowie während der Belagerung von Valenciennes hatte Generalmajor K. sich große Verdienste erworben, welche durch die Verleihung des Commandeurkreuzes des Maria-Theresienordens (1794) belohnt wurden. – Die Armeeberichte des J. 1794 nennen K. in den Schlachten von Landrecies, Charleroy, Fleurus mit großer Auszeichnung. Wie sehr Generalmajor K. sich der Werthschätzung des Erzherzog Karl erfreute, zeigt ein Brief, den derselbe zu Ende des J. 1795 vom Erzherzoge empfing und welcher unter Anderem folgende Stelle enthielt: „Gewiß konnte dieser Feldzug kein glücklicheres, kein glänzenderes Ende nehmen. Er hat unsere Armee mit Lorbeeren gekrönt; gezeigt was Oesterreicher unter guten Anführern zu leisten im Stande sind, und was sie allein vermögen. Mit wahrer Theilnahme habe ich Ihren Namen fast immer in den von der Armee kommenden Berichten gefunden, Sie immer an der Spitze der Avantgarde der Armee den Weg zum Siege vorbereiten gesehen.“ Im J. 1796 (5. März) zum Feldmarschall-Lieutenant vorgerückt, focht K. in Deutschland unter dem Erzherzog Karl, schlug am 19. Juni den französischen General Kleber, auf dessen Rückzuge in das verschanzte Lager von Düsseldorf bei Kircheip (Uckerath) und blieb, als der Erzherzog an den Oberrhein rückte, bei dem kleinen Heere, welches Feldzeugmeister Wartensleben zwischen der Lahn und Sieg befehligte. – An der Sieg fiel Divisionsgeneral Marceau bei Altenkirchen tödtlich verwundet. Er war einer der tüchtigsten Offiziere der Republik. K. ließ den Leichnam bei Neuwied den französischen Vorposten durch ein Ehrengeleite von Barco-Husaren übergeben. Der Commandant der Vorposten, General Castelvert, drückte ihm seinen Dank hierfür brieflich in folgenden [95] Worten aus: „Die ganze Armee hat mit Interesse ihr großmüthiges Betragen in Betreff des General Marceau vernommen. Es ehrt Sie, Herr General, und die Nation der Sie angehören, und ich bezeuge Ihnen öffentlich meine Erkenntlichkeit dafür“. Im Anfang des J. 1797 focht Feldmarschalllieutenant K. unter Feldmarschalllieutenant Baron Werneck, welcher den rechten Flügel der Armee an der Lahn befehligte. Der am 18. April in Leoben abgeschlossene Präliminarfriede beendigte diesen Feldzug. – Im September des J. 1798 erhielt Fe1dmarschalllieutenant K., der inzwischen einige Zeit zur Herstellung seiner Gesundheit in Pesth geweilt hatte, die Bestimmung zur Armee in Italien, wo er zunächst eine Division im Venetianischen commandirte, nach dem Tode des Prinzen von Oranien, welcher an Stelle des Feldzeugmeisters Graf Wallis zum Commandirenden ernannt war, jedoch als ältester General im Range den Oberbefehl des Heeres bis zum Eintreffen des neuen Oberfeldhern, General der Cavallerie Freiherrn von Melas, übernahm. In den letzten Tagen des März (1799) eröffnete der französische Obergeneral Scherer die Feindseligkeitex1. Während das Treffen bei Pastrengo nachtheilig für die österreichischen Waffen endete, wurden die Angriffe des Feindes bei Verona und Legnago (26. März) zurückgeschlagen und am 5. April der schöne Sieg bei Magnano errungen. General Scherer verstärkte die Besatzungen von Mantua und Peschiera und zog sich mit 28 000 Mann hinter den Oglio, später hinter die Adda zurück. Mantua wurde von den Oesterreichern eingeschlossen. – In der kurzen Zeit von 11 Tagen hatte Feldmarschalllieutenant K. durch die errungenen Vortheile so ziemlich das Schicksal Italiens entschieden und die Siege Suwarow’s und Melas’, welch’ letzterer am 12. April das Obercommando von K. übernahm, vorbereitet. – K., zum Feldzeugmeister befördert, nahm hierauf das Castell von Brescia (21. April), die Festung Peschiera (6. und 7. Mai) und wurde mit der Einschließung der Festung Mantua beauftragt, welche er in kurzer Zeit, wegen Annäherung der französischen Armee unter Macdonald, aufheben mußte, diesen Platz aber am 27. Juli nach nur dreiwöchentlicher Belagerung eroberte. Dann vereinigte er sich mit der Hauptarmee bei Alessandria und hatte an den glücklichen Tagen bei Novi (15. August) und Fossano (17. Septbr.) entscheidenden Antheil. – Im November dieses Jahres wurde Feldzeugmeistet K. vom Kaiser, der ihn nach der Schlacht von Novi zum Inhaber des Infanterieregiments Nr. 34 ernannt und bei dem Ankaufe der Cameralherrschaft Tepollya einen Nachlaß von 100000 fl. gewährt hatte, nach Wien berufen und ihm den Oberbefehl über das Heer in Deutschland nach dem Rücktritte des Erzherzogs Karl übertragen. – Feldzeugmeister K. ging am 5. März des J. 1800 von Wien ab und traf am 17. März im Hauptquartier zu Donau-Eschingen ein. In dieser neuen Stellung war ihm das Glück nicht günstig. Ein widriges Geschick umschleierte den Ruhm seiner Thaten. K. stand mit 95 000 Mann bei Liptingen und Stockach. Feldmarschalllieutenant Prinz Reuß deckte mit 25000 Mann Vorarlberg und Tirol. Philippsburg, Ulm und Ingolstadt waren mit 7000 Mann besetzt. Die französische Rheinarmee zählte 110000 Mann. Moreau überschritt Ende April bei Kehl und Alt-Breisach den Rhein, siegte in den Gefechten bei Engen, Stockach, Möskirch, Biberach und Memmingen und drängte K. bis Ulm zurück, wo er am 11. Mai eintraf. An der Iller bei Erolzheim und Ochsenhausen (5. Juni) geschlagen, zog sich Feldzeugmeister K. über Nördlingen nach Neuburg, endlich bis an den Inn zurück. Die Franzosen besetzten München. K., von der Unmöglichkeit überzeugt das siegreiche Vordringen des überlegenen französischen Heeres zu hindern, machte am 12. Juli dem französischen Oberfeldherrn Moreau Vorschläge zu einem Waffenstillstande. Es wurden in Folge dessen zwischen dem österreichischen Ingenieurgeneral General Dietrichstein-Proskau und dem [96] französischen Brigadegeneral Victor Fanneau-Lahorie zu Parsdorf Unterhandlungen eröffnet, welche bis zum 15. währten, an welchem Tage eine Uebereinkunft zu Stande kam. Die Eingänge Tirols am Lech sammt Regensburg blieben den Oesterreichern; Philippsburg, Ingolstadt und Ulm den Franzosen. Eine zwölftägige Aufkündigung der Waffenruhe sollte dem Anfange neuer Feindseligkeiten vorangehen. Hier stand Feldzeugmeister K. an der Grenze seiner rühmlichen Laufbahn. Des Oberbefehls über die Armee von seinem Monarchen enthoben, übergab er denselben einstweilen an den im Range ältesten General-Feldmarschalllieutenant Johann Grafen Kolowrat, verließ die Armee am 31. Juli und zog sich in die Stille des Privatlebens zurück, wo ihm nur vier Jahre der Ruhe gegönnt waren, theils zu Topollya, theils zu Pesth lebend, verschied er in letzterer Stadt am 19. Januar 1804. – Feldzeugmeister K. hat durch eine lange Reihe von Jahren so manches Unvergeßliche geleistet. Ein widriges Geschick vergönnte ihm nicht, in Deutschland das österreichische Heer mit einem, dem hohen Ruhme seiner Thaten in Italien entsprechenden Erfolge zum Siege zu führen. Dessen ungeachtet wird Feldzeugmeister Kray’s Name immerdar eine ehrenvolle Stelle unter den Namen jener Feldherren einnehmen, die sich mit edlem Enthusiasmus den Interessen ihres Souveräns und ihres Vaterlandes hingegeben und während ihrer kriegerischen Laufbahn glanzvolle Verdienste um den Staat sich erworben haben.