ADB:Kreyßig, Friedrich

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Artikel „Kreyßig, Friedrich Alexander Theodor“ von Konrad Friedländer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 155–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Krey%C3%9Fig,_Friedrich&oldid=2500533 (Version vom 22. September 2017, 02:51 Uhr UTC)
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Band 17 (1883), S. 155–156 (Quelle).
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Kreyßig: Friedrich Alexander Theodor K. wurde am 5. October 1818 zu Gottesgabe bei Mohrungen, im ostpreußischen Oberland, geboren. Der Vater war daselbst Pächter, wechselte aber bald und dann häufig seinen Wohnsitz, da er als praktischer Landwirth wenig Glück hatte. Derselbe bethätigte sich später mehr als landwirthschaftlicher Schriftsteller, war auch als solcher nicht unbeliebt. Seine Frau, Friedr. Kreyßig’s Mutter, war eine Schwester des bei Pestalozzi ausgebildeten P. F. Th. Kawerau, welcher als Seminardirector in Jenkau, Königsberg in Pr. und Bunzlau, zuletzt als Regierungsschulrath in Koblenz wirkte. Diese Verwandtschaft war für K. wichtig, da er in dem Hause seines Oheims zu Jenkau (bei Danzig) und Königsberg einen großen Theil seiner Erziehung erhalten hat. Nachdem der Knabe kurze Zeit ein Gymnasium zu Königsberg besucht hatte, zwangen den Vater die Verhältnisse auf höhere Pläne mit ihm zu verzichten; er bestimmte den Sohn zum Volksschullehrer. Ostern 1837 bestand K. die Seminarabgangsprüfung und erhielt eine Hülfslehrerstelle zu Prökuls, nahe bei Memel. Allein schon nach einem halben Jahre fühlte der Jüngling, daß er in diesem Berufe keine Befriedigung finden könne. Er kehrte daher nach Königsberg zurück, um sich privatim auf die Gymnasialreifeprüfung vorzubereiten. K. bestand dieselbe schon nach einem Jahre und studirte, hauptsächlich bei Lobeck, Drumann, Rosenkranz, Schubert, Philologie und Geschichte. Er legte dann im Sommer 1843 die Facultätsprüfung für das höhere Lehramt ab und erhielt eine Anstellung an der höheren Stadtschule zu Wehlau. Von dort wurde K. nach zwei Jahren als erster Oberlehrer an die höhere Bürgerschule zu Elbing berufen, deren Direction damals soeben dem unvergeßlichen Wilhelm Hertzberg übertragen worden war. An dieser Schule – seit 1859 Realschule I. O. – hat K. bis Ostern 1869 gewirkt und zwar, nachdem Hertzberg 1858 einem Rufe nach Bremen gefolgt war, als Director. In derselben Eigenschaft ging er dann nach Kassel, wo er eine neugegründete Realschule I. O. zu organisiren hatte. Trotz seiner ausgezeichmeten schulmännischen Eigenschaften und seiner durchaus den Extremen fernen politischen Richtung – K. gehörte seit 1866 der nationalliberalen Partei an – beanstandete die Regierung sowol 1858 als 1869 seine Wahl zum Director und ertheilte nur zögernd und widerstrebend die Bestätigung. K. leitete die Kasseler Schule bis Ostern 1871. Seitdem lebte er als Director der Wöhler-Schule in Frankfurt a. M. Dorthin zog ihn die polytechnische Gesellschaft [156] und übertrug ihm die schwierige Aufgabe, aus verschiedenen schon bestehenden Anstalten einen, den eigenartigen Verhältnissen der alten Handelsstadt entsprechenden, einheitlichen Organismus herzustellen. Die Lösung war gelungen, die Anstalt ihrem Abschlusse nahe geführt, Ostern 1880 sollte die erste Maturitätsprüfung stattfinden – da raffte ihn am 20. December 1879 eine Lungenentzündung nach viertägigem Krankenlager dahin.

K. war ein Lehrer von seltenen Gaben und hat auf seine sehr zahlreichen Schüler mit nachhaltigem Einflusse eingewirkt. Außerdem hat er sich in weiten Kreisen durch seine Vorträge aus den Gebieten der neueren und neuesten Geschichte und der modernen Litteratur bekannt gemacht. Er besaß eine ungemein bedeutende Arbeitskraft, welche ihn in den Stand setzte, neben seiner in hohem Grade anstrengenden amtlichen, noch eine sehr lebhafte schriftstellerische Thätigkeit zu entwickeln. An größeren Werken erschienen von ihm seit 1851: „Geschichte der französischen Nationallitteratur“ (1879 5. Aufl.); „Justus Möser“; „Vorlesungen über Shakespeare, seine Zeit und Werke“ (1877 3. Aufl.); „Studien zur französischen Kultur- und Litteraturgeschichte“; „Trois siècles de la littérature française“ (1876–77 2. Aufl.); „Vorlesungen über Goethe’s Faust“; „Vorlesungen über den deutschen Roman der Gegenwart“; „Ueber die französische Geistesbewegung des 19. Jahrh.“; „Unsere Nordostmark“. Ein erheblicher Theil dieser Schriften wurde zu Vorträgen ausgearbeitet, welche K. in großer Zahl in verschiedenen Städten gehalten hat, und in welchen er seine eminente rednerische Begabung zu glänzender Wirkung brachte. Außer den hier erwähnten Schriften hat K. noch viele Essays und kritische Besprechungen in den Preußischen Jahrbüchern, der Deutschen Rundschau und ähnlichen Blättern verfaßt. Auch in der politischen Broschürenlitteratur trat er zuweilen hervor. Besonders mahnte er 1866 (in den Schriften: „Friedensgedanken“ und „Worauf es jetzt ankommt“) die liberalen Parteien zur Verständigung mit dem Grafen Bismarck, an dessen nationale Absichten er schon 1864 glaubte und für die er seitdem nachdrücklich eingetreten ist. Besonders zu erwähnen sind noch Kreyßig’s Bestrebungen auf dem Gebiete der Schulreform. Obgleich selbst ursprünglich Altphilologe, war er doch mit Julius Ostendorf und Anderen der Ueberzeugung, daß die volle schulmäßige Verwerthung der modernen Bildungsmittel ein dringendes Bedürfniß der Zeit sei, und daß mit diesen Mitteln eine der altphilologischen Schulung gleichwerthige erreicht werden könne. Dieser Ueberzeugung hat er in den beiden kleinen Schriften: „Ein Wort zur Realschulfrage“ und „Ueber Realismus und Realschulwesen“ Ausdruck gegeben.

Nekrologe erschienen bald nach Kreyßig’s Tode in vielen deutschen Zeitschriften. Schöne, wenn auch nicht in jeder Angabe genaue, Skizzen seines Lebens brachten das Feuilleton der Danziger Zeitung vom Decbr. 1879 (Nr. 11940) aus der Feder von Fritz Wernick und die Frankfurter Didaskalia vom 31. Decbr. 1879 (Nr. 361).