ADB:Löhneyß, Georg Engelhard von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Löhneyß, Georg Engelhard von“ von Karl Theodor von Inama-Sternegg, Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 133–135, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:L%C3%B6hney%C3%9F,_Georg_Engelhard_von&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 10:03 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Loehnis, Jonathan
Band 19 (1884), S. 133–135 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Georg Engelhard von Löhneysen in der Wikipedia
GND-Nummer 120995867
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|19|133|135|Löhneyß, Georg Engelhard von|Karl Theodor von Inama-Sternegg, Jakob Franck|ADB:Löhneyß, Georg Engelhard von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=120995867}}    

Löhneyß: Georg Engelhard von L. (auch Löhneis und Löhneißen), Cameralist, aus einer pfälzischen Adelsfamilie, kam schon in frühen Jahren an den Hof des Kurfürsten August von Sachsen als Stallmeister, vielleicht in Folge der Familienverbindung, welche durch die Heirath des Pfalzgrafen Johann Casimir mit des Kurfürsten Tochter Elisabeth (1570) zwischen Pfalz und Sachsen bestand. Im J. 1583 trat L. in die Dienste des Erbprinzen Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, des zweiten Schwiegersohnes Kurfürst Augusts, zuerst gleichfalls als Stallmeister; die besondere Gunst seines Herrn, die er sich auch während dessen Lebenszeit immer zu bewahren wußte, berief ihn aber schon gleich beim Regierungsantritte des Herzogs (1589) zu dem wichtigen Amte eines Berghauptmanns. An beiden Höfen hatte L. seltene Gelegenheit, eine vortreffliche Schule der praktischen Staatswirthschaft durchzumachen; an beiden herrschte eine musterhafte cameralistische Ordnung. August selbst ein eminenter, nie rastender Staatswirth, Heinrich Julius, der geschulteste Jurist unter den zeitgenössischen Regenten, haben, jeder in seiner Weise, die Verwaltung und die Staatswirthschaft ihrer Länder auf eine hohe Stufe der Entwickelung gebracht, für einen denkenden Kopf wie L. bot sich hier nicht nur eine reiche Anregung, sondern auch Gelegenheit zu einer erfolgreichen praktischen Bethätigung staatswirthschaftlicher Ideen. Nicht minder aber weckte die Prachtliebe, welche an diesen beiden Höfen herrschte, den Sinn des jungen Hofmanns für die noblen Passionen des Adels und gab seinem ganzen Leben einen stark ausgeprägten Zug zu vornehmer Repräsentation. Von den im Wolfenbüttelschen gelegenen Rittergütern, welche L. durch Kauf an sich gebracht hatte, nannte er sich auch auf seinen Schriften „Erbherr in Remlingen und Neundorf“; auf dem ersteren erbaute er ein prächtiges Schloß in italienischem Geschmacke, worin er seinem fürstlichen Herrn nachahmte, dessen großartige Bauten in Helmstädt, Wolfenbüttel, Gröningen und Halberstadt zum Theil noch jetzt Bewunderung erregen. Sehr bezeichnend ist es für diese Neigungen von L., daß er, geärgert über den unverschämten Nachdruck, den ein Frankfurter Buchhändler an einer seiner frühesten mit vielen Abbildungen versehenen Schrift über das Zäumen der Pferde verübte, sich vom Kaiser und seinem Herzog Privilegien für eine eigene Druckerei ertheilen ließ und eine solche auf seinem Gute Remlingen, eine Zeitlang auch in der freien Bergstadt am Zellerfelde, mit großen Kosten einrichtete. Aus den Leistungen dieser Druckerei ist zu sehen, daß ihr Besitzer auf die äußere Ausstattung seiner Werke großes Gewicht legte und hierin einen ganz eigenartigen Geschmack zur Geltung zu bringen suchte. Er war darauf bedacht, daß Lettern, Initialen, Vignetten und Illustrationen in Kupferstich [134] und Holzschnitt, mit denen er seine Schriften glänzend ausstattete, genau entsprechend seinen eigenen Entwürfen ausgeführt wurden, und hielt sich dazu sogar eigene Kupferstecher und Holzschneider. Seine drei größten Werke sind alle in dieser seiner Privatdruckerei hergestellt worden: zuerst die Schrift „Della Cavalleria s. de arte equitandi, excercitiis equestribus et torneamentis, gründlicher Bericht von allem, was zu der löblichen Reiterei gehörig und einem Cavalier zu wissen von Nöthen: insonderheit von Turnieren und Ritterspielen, Erkenntniß und Unterschied, auch Chur und Wartung der Pferde und wie man dieselben auf allerhand Manier abrichten und zäumen soll“, Remlingen 1609. Neue Ausgabe Remlingen 1624; dann der „Bericht vom Bergwerk, wie man dieselben bauen und in guten Wohlstand bringen soll“, Zellerfeld 1617 und die „Aulico-politica oder Hof-, Staats- und Regierungskunst“, Remlingen 1622 bis 1624. In die „Cavalleria“ hat L. auch den Inhalt jener ältesten Schrift: „Gründlicher Bericht des Zäumens und ordentliche Austheilung der Mundstück und Stangen“ (1588 anonym) sowie einer weiteren von der Complexion und Natur der Pferde aufgenommen, welche eben jener Frankfurter Buchhändler W. Hofmann 1609 unter dem Titel „Zwei gute und sehr nützliche Bücher von Stangen und Mundstücken sammt einer Beschreibung der Complexion und Natur der Pferde“ nachgedruckt hat. Die Leiden des 30jährigen Krieges, welche über die braunschweigischen Lande früher und heftiger hereinbrachen als über andere deutsche Länder, waren auch für das großartige Unternehmen der Löhneyß’schen Privatdruckerei verhängnißvoll. Sie wurde gänzlich zerstört und mit ihr die sämmtlichen Vorräthe der dort gedruckten Werke, so daß die noch vorhandenen Exemplare als bibliothekarische Seltenheiten angesehen werden. Wie lange L. diesen schweren Schlag, der gewiß auch seinen übrigen Wohlstand nicht unversehrt ließ, überlebte, wissen wir nicht. Jedenfalls verzeichnet weder die Litteratur- noch die Landesgeschichte weitere Leistungen von ihm. Sein Andenken stand aber noch lange Zeit in Ehren. Die Braunschweigischen Anzeigen von 1758 (St. 11) bezeichnen ihn als „den berühmten Berghauptmann, der bei dem damaligen Landesherrn in großen Gnaden stand“ und in einem lateinischen Epigramm auf seine „Aulico-politica“ von Michael Bötner (in der Ausgabe von 1679) wird er Löhneisius heros genannt. Seine Schriften erfreuten sich bei seinen Zeitgenossen großen Beifalls und haben ihre Tüchtigkeit durch die neuen Auflagen dargethan, in welchen sie noch lange nach des Verfassers Tod verbreitet wurden. So ist der Bericht vom Bergwerk, den Rohr in seiner Haushaltungsbibliothek (1716) das beste Buch nennt, so wir von Bergwerkssachen haben, in Stockholm und Hamburg 1690, die Cavalleria unter dem Titel „Neu eröffnete Hof-, Kriegs- und Reitschule“ herausgegeben von Valentin Trichter in Nürnberg 1729, die Aulico-politica unter dem Titel „Hof-, Staats- und Regierungskunst“ von dem fürstl. sächsischen Hof- und Regierungsrath Joh. Andr. Gerhard zu Coburg in Frankfurt a. M. 1679 neu aufgelegt worden. Von dem letzten Buche urtheilt auch Seckendorff in der Vorrede zum „Teutschen Fürstenstaat“ sehr günstig. Außerdem werden unserm L. zugeschrieben die Schriften „De excubiis, vom Wachtrecht“, Jena 1673 und „Consilia et responsa“, T. II. Jena 1679 (bei Zedler und Lipenius), wenn hier nicht eine Verwechselung mit einem späteren Träger des Namens vorliegt. Bedeutende wissenschaftliche Leistungen sind die Schriften von L. in keiner Weise; sie legen uns einen Schatz praktischer Erfahrungen in klarem und übersichtlichen Zusammenhange vor, und zeugen von großer Belesenheit des Verfassers in alten und neuen Schriften, sind auch in ihren Schilderungen werthvoll für die Erkenntniß der charakteristischen Eigenthümlichkeiten des Hoflebens seiner Zeit; aber sie haben weder durch neue Gedanken [135] noch auch durch eine fruchtbare Systematik eine Förderung der Disciplinen bewirkt, zu welchen sie gehören. Aber daß der Verfasser seinen Gegenstand doch immer so vollständig beherrschte, um die einzelnen Erfahrungen und Wahrheiten in ihrem inneren Zusammenhang zu begreifen und daß er immer bestrebt ist, das Bewußtsein dieses Zusammenhangs gerade bei den Männern der Praxis zu wecken, und daß er keine Seite seines Gegenstandes nach Maßgabe der damaligen Einsicht in die Dinge unberücksichtigt läßt, das ist doch ein unleugbares Verdienst seiner Werke und um deswillen sind sie gewiß auch ein ganzes Jahrhundert hindurch in Ansehen gestanden. Seine kameralistische Hauptschrift der Hof-, Staats- und Regierungskunst insbesondere steht an Reichhaltigkeit des Inhaltes und aufgeklärtem Urtheil wie praktischem Blick doch hoch über der Masse der gleichzeitigen theoretisch-politischen Litteraturerzeugnisse und bereitet unmittelbar auf die mit Seckendorff’s „Teutschem Fürstenstaat“ inaugurirte Periode der ersten Blüthezeit deutscher Cameralistik vor.

Zedler, Universallexikon. – Jöcher II. – Rotermund. – Allg. litter. Anzeiger 1799 S. 750. 1147. 1731. – Bibliographisches bei Grässe, Trésor des livres rares et précieux T. IV. – Ebert, Allg. Bibliographisches Lexikon. – Roscher, Gesch. d. Nationalökonomie.

Von anderweitigen und früheren Privatdruckereien sind die bedeutendsten: die des Regiomontanus (Joh. Müller) seit 1472, des Albrecht Dürer, beide zu Nürnberg und des Stadtpflegers Marx Welser zu Augsburg. Dürer’s typographische Thätigkeit, welche Bd. V, 474 nur mit einem Worte Erwähnung fand, fällt in die Jahre 1498, 1510 und 1511 und aus seiner Presse gingen fünf Produkte in Folio oder Quart hervor, unter diesen als erstes: „Die heimlich offenbarung iohannis“, 1498, größtes Landkartenformat, 16 Bl. mit Holzschn., die sich Cranach zum Muster nahm und jede Tafel mit des Autors Namen bezeichnet. Vgl. in typographischer Beziehung über Regiomontanus Panzer in der Nürnbergischen Buchdruckergeschichte S. 163–68, über Dürer dessen Annalen S. 231 und A. t. VII, 449. 70. 75–77 und Le bibliophile belge IX, 81 bis 82; über die Privatdruckerei „ad insigne pinus“ des Marx Welser zu Augsburg († 1614) ist nachzulesen Brucker’s Tempe Helvet. T. IV, 482 und dessen Ehrentempel S. 70.

J. Franck.