ADB:Lautenbach, Konrad

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Lautenbach, Konrad“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 71–72, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lautenbach,_Konrad&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 04:22 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Lautensack
Band 18 (1883), S. 71–72 (Quelle).
Wikisource-logo.png Conrad Lautenbach bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Conrad Lautenbach in der Wikipedia
GND-Nummer 122588495
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|18|71|72|Lautenbach, Konrad|Jakob Franck|ADB:Lautenbach, Konrad}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=122588495}}    

Lautenbach: Konrad (Kunz) L., Theolog und lateinischer und deutscher Dichter im 16. Jahrhundert. Sein Geburtsort ist das thüringische Dörfchen Mutislar (d. i. Motzlar a. d. Ulster im weimar. Amt Geisa), wo er im Jahre 1534 zur Welt kam. Welchen Standes seine Eltern waren, ist nicht überliefert. Nachdem der junge L., mit sehr guten Anlagen begabt aber eben so unruhigen Geistes, die ersten Elemente des Wissens in den Schulen zu Eisenach und Nordhausen sich angeeignet hatte, durchzog er nach der Weise der damaligen fahrenden Schüler als „Bachant“ mehrere Jahre lang einen großen Theil Deutschlands, gelangte nach Erfurt, Frankfurt, Mainz, Heidelberg und endlich im März des Jahres 1553 auch nach Straßburg, dem damaligen Emporium der Wissenschaften, wo er des Umherstreifens müde, fürs erste sich dauernd niederließ. Hier fing er an auf das eifrigste ernsteren Studien obzuliegen, durchlief in drei Jahren alle Classen des Gymnasiums, wurde 1556 bei der Universität[WS 1] immatriculirt und studirte nun theologische und philosophische Wissenschaften unter den Lehrern Johannes Sturm und Valent. Erythraeus sowie Hieron. Zanchius, Ludwig Rabus und Joh. Marbach. Dieser letztere hatte L. so lieb gewonnen, daß er auf seine Empfehlung hin schon ein Jahr darauf zum Prediger in Mundelheim bei Straßburg angestellt wurde, in Folge des Interims aber diese Stelle in demselben Jahre (1557) wieder zu verlassen genöthigt war. Nun fand er in Straßburg selbst als Geistlicher Verwendung und machte sich als solcher durch seine angenehmen, ernsten und würdevollen Predigten bei dem Volke sehr beliebt. Als damals Philipp der Aeltere seine Hanauer Grafschaft [72] zu reformiren anfing, erbat er sich 1562 von dem Straßburgischen Rathe L. zum Prediger in Neuweiler, allein schon nach zwei Jahren vertauschte er diese Stelle auf Anrathen Marbach’s mit jener zu Hunkweiler, einem reichen und fruchtbaren württembergischen Orte des Oberelsasses. In dieser seiner Stellung verwendete er seine Muße zu litterarischen Arbeiten, übersetzte den Josephus Flavius, der von 1571–1736 achtzehn Auflagen erlebte und den Catalogus testium veritatis in das Deutsche und begann die Fortsetzung von Joh. Sleidanus’ „De statu religionis“. Von diesen Arbeiten in Kenntniß gesetzt lud ihn Kurfürst Ludwig nach Heidelberg ein mit der Zusage, ihm zur Vollendung der letzteren jedwelche Hilfe zu gewähren, was L. dankbar annahm und hier sein Werk auch zu Ende führte. Aber noch ein anderes Geschäft hatte ihm der Kurfürst übertragen: die Ordnung der damals einigermaßen in Verwirrung gerathenen Heidelberger Bibliothek. Auch diesen Auftrag führte er in zwei Jahren zur vollsten Zufriedenheit aus. Als aber nach dem Hingang Ludwigs VI. bekanntlich eine veränderte Religionsanschauung in der Kurpfalz sich geltend machte (s. Bd. XIV. S. 311), wurde auch L., der unerschütterlich an seinem Glauben festhielt, seiner Dienste entlassen und begab sich wieder nach Straßburg zurück. Doch schon nach zwei Monaten berief ihn der Frankfurter Rath als Prediger an die Katharinenkirche, welchem Rufe er folgte und wo er noch zehn Jahre segensreich seines Amtes waltete, bis er den 18. April 1595 starb. Sein Symbolum war: Durabilis misericordiae patriae lex Jesus. L. hat sich nicht nur durch die bereits erwähnten wissenschaftlichen Werke einen Namen gemacht, sondern beschäftigte sich auch vielfach mit dichterischen Arbeiten. Hierher gehören u. a.: „Icones Evangeliorum ... mit Lateinischen vnd teutschen Verßlein ...“, 1587. 4°. und „Spiegel geistlichen Lebens auß Cor. Musei Lateinischen Rhitmis in Teutsche Reimen versetzt“, 1590. 8. Unter dem Namen „Thrasibulus Torrentinus Mutislariensis“ gab er 1586 mit 121 Holzschnitten (neue Ausg. 1592) und „in Rheimen verfaßt“ heraus: „Im Frawenzimmer wirt vermeldt von allerley schönen Kleidungen vnd Trachten der Weiber, hohes vnd niders Stands .. Durchaus mit neuwen Figuren gezieret .. Durch den weitberühmbten Jost Amman wonhaft zu Nürnberg gerissen ..“ (Franckf. S. Feyrabend). Eine Uebersetzung des Ulricus Molitor „Von Hexen vnd Unholden, verteutscht durch C. L. von Mutißlar“ hatte er schon 1575 zu Nürnberg er scheinen lassen. Sein Bildniß bei Freher a. a. O. S. 288.

Adami Vitae Theolog. (8.) p. 665–667. Freheri theatr. vir. erudit. p. 290–219. Clessius, Elenchus II, 256. 273. Jöcher II, 2318. Goedeke, Gr. I, 284. 289. 383. Weller, Ann. II. 379. 386.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Universiät