ADB:Lehmann, Jakob Wilhelm Heinrich

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Artikel „Lehmann, Jakob Wilhelm Heinrich“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 139, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lehmann,_Jakob_Wilhelm_Heinrich&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 00:38 Uhr UTC)
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Lehmann: Jakob Wilhelm Heinrich L., Astronom, geboren den 3. Januar 1800 zu Potsdam, † im J. 1863 zu Spandau, studirte Theologie und Mathematik, promovirte als Doctor der Philosophie und ward 1823 Inspector am Joachimsthal’schen Gymnasium zu Berlin. Im folgenden Jahre ging er als Conrector an das Gymnasium zu Greifswald, kehrte aber 1828 zur Theologie zurück und bekleidete nun längere Zeit Predigerstellen in den brandenburgischen Dörfern Derwitz und Krielow. Seit 1843 privatisirte er in Berlin, Potsdam und Spandau, lag jedoch fortwährend mit Ausdauer seinen Studien ob und verwerthete insbesondere sein eminentes Talent im Zahlenrechnen in der Weise, daß er für C. G. J. Jacobi und Encke ausgedehnte Rechnungen ausführte. Man hat von L. „Anfangsgründe der höheren Mechanik, nach der antiken, rein geometrischen, Methode bearbeitet“ (1831). In Grunert’s Archiv veröffentlichte er mehrere Aufsätze über Gegenstände der reinen Mathematik, über Maxima und Minima, über die Cykloide als Tautochrone und über die Berechnung der Zahl π. In dieser letzteren Abhandlung hat L. hauptsächlich die Ergebnisse bekannt gemacht, zu welchen Oberstlieutenant v. Tzahn im Verlaufe mühsamer Forschungen über die Rectification des Kreises gelangt war. Interessant ist nicht minder der in Schumacher’s Jahrbuch (1841, 1843) publicirte „Versuch, das Wachsthum junger Menschen auf mathematische Gesetze zurückzuführen“. Besondere Vorliebe hegte L. für die Kometenastronomie. Schon seine Doctordissertation (Göttingen 1822) hatte sich mit der Entstehung der Schweife beschäftigt; nun schrieb er auch noch eine Monographie über den Halley’schen Kometen und entwickelte im Jahrgang 1839 der „Astronomischen Nachrichten“ eine Methode zur Berechnung der Kometenstörungen. Mehrere totale Sonnenfinsternisse, wie diejenige von 1842 und 1851, berechnete er in ihren Details voraus; die der ersteren gewidmete Schrift ist freilich erst post festum erschienen, da beim Hamburger Stadtbrand die ganze bereits gedruckte Auflage verloren ging. Die berühmte totale Verfinsterung vom 28. Juli 1851 beobachtete L. in Zoppot bei Danzig und machte dabei wichtige Wahrnehmungen betreffs des Anblickes und Colorites der Landschaft und betreffs des Verhaltens der Thierwelt. Wer die kosmologischen Anschauungen des als Theolog, wie als Mathematiker gleich gebildeten Mannes kennen lernen will, der muß den Artikel „Stabilitätsproblem“ nachlesen, den er auf Nürnberger’s Wunsch für dessen „Pop. astron. Handwörterbuch“ (2. Bd., S. 475 ff.) verfaßte, und in welchem die Frage, ob unserem Weltsysteme eine ewige Dauer zugesprochen werden dürfe oder nicht, von den verschiedensten Seiten betrachtet und erschöpfend erörtert wird.

Poggendorff, Biograph.-litter. Handwörterbuch, 1. Bd. S. 1410 ff. – Maedler, Geschichte der Himmelskunde, 2. Bd., S. 94, 170, 425, 447.