ADB:Lerse, Franz

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Artikel „Lerse, Franz“ von Erich Schmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), S. 431–432, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lerse,_Franz&oldid=- (Version vom 7. Dezember 2019, 19:57 Uhr UTC)
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Lerse: Franz Christian L. (Lersé), Goethe’s Jugendfreund, geb. zu Buchsweiler am 9. Juni 1749 als Sohn des Hessen-Hanau-Lichtenberger Regierungs- und Consistorialraths Philipp Jakob L. und der Frau Marie Susanne geb. Barth, begann nach Böttiger seine theologischen, historischen und schönwissenschaftlichen Studien in Leipzig und Gießen und wurde in Straßburg am 8. Juni 1770 als Cand. theol. immatriculirt. Er schloß sich eng dem Salzmann’schen Kreis an, von Jung Stilling als Genosse der berühmten Mittagsgesellschaft gerühmt, selbst für Jung begeistert (Hagenbach, J. J. Sarasin, S. 75), der Vertraute Goethe’s, bei dessen Disputation er opponirte (unzuverlässig Böttiger, Litterarische Zustände und Zeitgenossen, 1, 60 f.). Sie lasen zusammen Shakespeare; Goethe beschenkte L. mit einem Exemplar des Othello („Seinem und Schäkespears würdigem Freund Lersen, zum ewigsten Angedenken. Goethe“; „Ewig sey mein Hertze dein, mein lieber Goethe. Lersé“); am Shakespearetag, am 14. October 1771, hielt L. in Straßburg die Festrede (abgedruckt in Stoebers J. G. Roederer, 1874) und feierte als Führer der heiligen Poesie Shakespeare, Homer und Ossian. Goethe stiftete dem ehrenfesten „Bruder Lersen“ ein schönes Denkmal im Götz, später in „Dichtung und Wahrheit“, 2, 146; dazu v. Loeper’s Anm. S. 374 f.

L. ging von Straßburg als Erzieher nach Versailles und wirkte seit 1774 sehr tüchtig, z. B. von Frau v. la Roche gerühmt, als Lehrer der Geschichte und der neueren Sprachen an Pfeffel’s Militärschule zu Colmar. In den ersten Jahren pflog er regen brieflichen und persönlichen Verkehr mit Schlossers. Er empfing von Zweibrücken den Hofrathstitel. Während der Revolution commandirte er die Colmarer Nationalgarde. Dann beschäftigten ihn vorzüglich archivalische Arbeiten. Schon 1792 sieht man ihn in Verbindung mit der verwittweten Gräfin Anna Fries. Er übernimmt, als Nachfolger eines Franzosen, die Erziehung ihres Sohnes Moritz in Vöslau bei Wien und begleitet seinen Zögling im Herbst 1794 auf die Universität Leipzig, wo der liebenswürdige, aber verschwenderische junge Graf (später Chef des großen Bankhauses) u. a. die Privatunterweisung G. Hermann’s genoß und bis 1797 Jura studirte. Seine knabenhaften Briefe, voll Liebe zum „Hrn. v. Lerse“, berichten von zahlreichen Reisen, nach Dresden, nach Berlin, nach Weimar im April 1796. Am 28. November 1798 (Böttiger, Goethe an Karl August 1, 239 vgl. 241; die Annalen setzen einen Besuch 1797 an) sprach L. wieder bei Goethe vor. Er hatte vergebens um Sophie Brentano geworben (Wien, Frankfurt). L. starb im Fries’schen Haus am 15. Juni 1800. 1809 der älteste Bruder. Noch 1810 schreibt Philipp Lersé bewegliche Briefe aus Mannheim im Namen seiner darbenden Schwestern. L. war kein hervorragender, aber ein braver und gebildeter Mann, der auch als Zeichner glücklich dilettirte. Veröffentlicht hat er außer kleineren Aufsätzen z. B. in der Berliner Monatschrift „Ueber die vermeinte Verfolgung des Decius“ [432] eine „Reformationsgeschichte der Stadt Colmar“, 1790 (1856). Später fesselte ihn die Numismatik, doch das geplante Werk „Hadrians Zeitalter aus Münzen“ – vgl. B(öttiger) im T. Merkur, 1801, I. 10 – ist nicht erschienen.

Register der evangelischen Gemeinde zu Buchsweiler (Mittheil. des Hrn. Gymnasialdirectors Hägele). Straßburger Matrikel. Gräfl. Fries’sches Archiv zu Czernahora (wenig von Lerse; nichts von Goethe, der mit Johann Fries in Rom verkehrte). Kurzer Nachruf im Intelligenzblatt zur Neuen allg. d. Bibl., 56, 94.