ADB:Longolius, Gisbert

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Longolius, Gisbert“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 155–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Longolius,_Gisbert&oldid=- (Version vom 19. November 2019, 21:47 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Longner, Ignaz von
Band 19 (1884), S. 155–156 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gisbert Longolius in der Wikipedia
GND-Nummer 118930095
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|19|155|156|Longolius, Gisbert|Karl Ernst Hermann Krause|ADB:Longolius, Gisbert}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=118930095}}    

Longolius: Gisbert Longueil, der sich latinisirt Longolius nannte und aus dem alten Geschlechte von Langenrechte[1] stammte, ist etwa 1507 zu Utrecht geboren, da er sich selbst Trajectensis schrieb; die Angabe von Andernach als Geburtsort muß daher falsch sein. Wo er vorgebildet sei, ist unbekannt, nachher studirte er auf italienischen Universitäten und kam als Dr. artium et medicinae von dort zurück. Darauf wurde er Rector der berühmten Schule zu Deventer, dann Professor und praktischer Arzt in Köln. Als der Rostocker Rath unter pecuniärer Beihülfe der Hansestädte Lübeck, Hamburg, Lüneburg, Riga und Reval, vielleicht auch Bremen, anfing, die in den Reformationswirren völlig [156] heruntergekommene Universität und das nach Joh. Oldendorp’s Abzug in der Reaction ganz zerfahrene Schulwesen neu in die Höhe zu bringen, wurden 1542 aus Köln drei (unfraglich protestantische) tüchtige Männer als Restauratoren berufen, L., Straub (Strubius) und Noviomagus, als deren erster und bedeutendster L. ausnahmslos genannt wird. Seine Vorschläge liegen, nach seinem Tode bei L. Dietz gedruckt, noch vor: „Studii litterarii publici in academia Rostochiensi diligens et accurata restauratio“. Sie zeigen ein hochbedeutsames pädagogisches Verständniß, das nur deshalb jetzt weniger auffällt, weil seine auf tüchtigem Eindringen in das Wesen der Wissenschaften beruhenden Vorschläge, damals noch neu, jetzt unserem Unterrichtssystem so ziemlich zu Grunde liegen. Er wollte eine Dreitheilung des Studiums, nach damaliger Ansicht vereinigt in der Universität: zu unterst ein paedagogium zur Vorbildung der jungen Leute, dann ein Gymnasium, dessen Angehörige in den Regentien wohnen und sich dem studium artium hingeben sollten, darauf dürfte erst der Eintritt in das Studium der drei geschlossenen Facultäten: Medicin, Rechte und Theologie, folgen. Die Bearbeitung des juristischen methodischen Lehrplans hatte ihm sein Freund Straub geliefert. Ohngefähr entspricht seine Eintheilung unserem heutigen Lehrplan: 1) Mittelclassen des Gymnasii, 2) Oberclassen, denn diese lehren wesentlich, abgesehen von einigen strengeren philosophischen Cursen, was damals das studium artium umfaßte, 3) Universität, deren philosophische Facultät etwas ganz anderes ist, als die der alten Artisten. Der Rath war auf diese noch 1542 gemachten Vorschläge eingegangen, und L. ging nach Köln zurück, um zur dauernden Niederlassung in Rostock seine Bibliothek herüberzuholen. Dort erkrankte er plötzlich und starb am 30. Mai 1543. Sein Freund Noviomagus konnte die beabsichtigte Organisation nicht durchsetzen; er und Straub verließen die eben noch so viel versprechenden Anfänge, da die treibende Kraft mit L. dahingeschieden war. Erst etwa 10 Jahre später raffte die Universität sich wieder auf.

Die Nachweise bei Krabbe, Univ. Rostock.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 155. Z. 8 v. u.: Die Familie nannte sich auch „von der Langen Rake“. [Bd. 21, S. 796]