ADB:Ludämilie Elisabeth von Schwarzburg-Rudolstadt

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Artikel „Ludämilie Elisabeth, Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt“ von Bernhard Anemüller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 365–367, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lud%C3%A4milie_Elisabeth_von_Schwarzburg-Rudolstadt&oldid=- (Version vom 23. Februar 2020, 04:23 Uhr UTC)
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Ludämilie Elisabeth, Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt, geb. 7. April 1640, † 12. März 1672, war neben Aemilie Juliane (Bd. I S. 127) die bedeutendste evangelische Liederdichterin aus dem schwarzburgischen Hause. Sie war die Tochter des Grafen Ludwig Günther von Schwarzburg und der Aemilie Antonie, geb. Gräfin von Oldenburg und Delmenhorst. Ihr Name Ludämilie (Ludoämilie oder, wie sie sich selbst zuweilen schrieb, Ludomilie) war aus der Vereinigung des väterlichen und mütterlichen ihr gegeben. Wie die Ehe ihrer Eltern trotz der nicht unbeträchtlichen Altersverschiedenheit eine der glücklichsten genannt werden kann, war auch das Familienleben, gestützt auf festen evangelischen Glauben, ein höchst musterhaftes, das leider schon frühzeitig im J. 1646 durch den Tod des Vaters tief erschüttert wurde. Der Mutter allein lag nun die weitere Erziehung ihrer fünf Kinder und die Regierung des Landes als Obervormünderin des noch unmündigen Grafen Albert Anton (bis 1662) ob. Mit ihrem Wahlspruch jedoch: „auf Dich, Herr, traue ich“, erfüllte sie all’ ihre Obliegenheiten bis ins Kleinste und dieser fromme Eifer, wie das daneben unausgesetzt sich geltend machende Interesse für wissenschaftliches Leben blieb nicht ohne Einfluß auf die Kinder, namentlich auf L. E. Ihre dichterische Anlage führte diese frühzeitig zu eigenen Versuchen, entsprechend der damaligen Zeitströmung, dem Beispiele ihrer Schwägerin Aemilie Juliane und der unausgesetzten Beschäftigung mit den Liedern der evangelischen Kirche in dem stillen Wittwensitz auf der Friedensburg zu Leutenberg seit 1662. Nicht ohne Einfluß auf ihr wissenschaftliches Leben und Streben war der nachmalige Kanzler Ahasverus Fritsch (s. d.), dem die Erziehung ihres Bruders Albert Anton anvertraut war. Nach dem ebenfalls frühzeitig erfolgten Tode ihrer Mutter 1670 verließen die vier Töchter Leutenberg und alle Geschwister lebten fortan vereinigt in Rudolstadt, des Bruders Residenz. Das Glück dieses stillen Zusammenlebens wurde noch dadurch erhöht, daß L. E. den 20. December 1671 sich mit Graf Christian Wilhelm, dem nachmaligen ersten Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen verlobte, wodurch die ohnedies nahe verwandten Grafenfamilien in um so engere [366] gegenseitige Beziehung zu kommen sich freuten. Allein anders war es in Gottes Rath beschlossen. Das Jahr 1672 brachte tiefes Weh in die Familie. Die schon während längerer Zeit in der Stadt Rudolstadt höchst gefährlich auftretende Masernepidemie ergriff auch Ludämilie Elisabeth’s älteste Schwester, Sophie Juliane, und trotz der treuen ärztlichen sowol, als schwesterlichen Pflege, die L. E. um so unbedenklicher persönlich leistete, weil sie selbst früher diese Krankheit glücklich überstanden, entschlief die Schwester ebenso fromm und gottergeben, wie sie gelebt. Kaum aber war deren Leiche in der Schloßkirche niedergesetzt, so erkrankten die übrigen drei Schwestern ebenfalls und zwei von ihnen hoffnungslos. Christiane Magdalena starb am Morgen des 12. März 1672 und in der Mittagsstunde desselben Tages folgte auch die Braut L. E. ihren Schwestern in das bessere Jenseits nach. Die drei Jungfrauen wurden an einem Morgen in der herrschaftlichen Gruft in der Andreaskirche beigesetzt. – Ludämilie Elisabeths Wesen, welches sich in ihren Liedern wicderspiegelt, war ganz in der Jesusfreundin aufgegangen; ihre Lust, wie es in der Vorrede ihrer Liedersammlung heißt, war: „in der Welt außer der Welt zu sein.“ Aus dieser treuen Jesusliebe entsprossen all’ ihre Lieder, ursprünglich nicht zur Erbauung Anderer gedichtet, sondern Zeugnisse ihres inneren Lebens für das ganze Kirchenjahr, für alle wichtigen religiösen Handlungen, wie für ihre eigenen Herzensanliegen, Lob- und Danklieder, Gebete bei allen Gelegenheiten des äußeren Lebens, für die lieben Ihrigen daheim oder draußen, bei Geburtstagen und beim Jahreswechsel, viele in acrostichischer Form. Zum ersten Male erschienen sie 15 Jahre nach ihrem Tode 1687 unter dem Titel: „Die Stimme der Freundin, d. i. Geistliche Lieder, welche aus brünstiger und bis ans Ende beharrter Jesusliebe verfertigt und gebraucht Weiland die Hochgebohrne Gräfin und Fräulein Ludämilia Elisabeth, Gräfin und Fräulein zu Schwartzburg und Hohenstein etc. Christseligen Andenckens“. Rudolphstadt. Druckts Benedicti Schultzens 1687. Format schmal 8°, 610 Seiten ohne Verzeichnisse und Register. Als Herausgeber und zwar auf Befehl der Gräfin Aemilie Juliane, der treuen Freundin und Schwägerin, haben wir ohne Zweifel den Kanzler Ahasverus Fritsch und den Generalsuperintendenten Justus Söffing anzunehmen. Daß aber viele ihrer Lieder schon bekannt waren, ergibt sich daraus, daß schon in Fritsch’s Jesusliedern 1668 eines von L. E., wie 1682 im ersten Rudolstädter Gesangbuch mehrere, und in der dritten Ausgabe desselben von 1704 zwölf enthalten waren; ferner brachte das im J. 1685 erschienene „Tägliche Morgen-, Mittags- und Abendopfer“ etc. 18 und das „Kühlwasser“ etc. 25 ihrer Lieder. Immer weiter wurden sie verbreitet und aus dem Rudolstädter Gesangbuche in andere aufgenommen. Die Exemplare der ersten Ausgabe sind sehr selten geworden und nur in wenig Bibliotheken noch zu finden. Ein großes Verdienst erwarb sich daher Thilo dadurch, daß er eine neue Ausgabe dieser Liedersammlung veranstaltete unter dem Titel „Die Stimme der Freundin. Geistliche Lieder Ludämiliens Elisabeths, Gräfin etc. etc. Vornemlich deutschen Frauen zum Lebensgeleite treu und vollständig nach dem 1. Druck aufs Neue dargeboten von W. Thilo. Mit dem Bildniß der Verfasserin“. Stuttgart 1856. Dazu gehört: „W. Thilo, Ludämilie Elisab. etc. Ein Beitrag zur Geschichte der geistlichen Dichtung im 17. Jahrhundert. Ein Vortrag.“ Berlin 1855, 8°.

Ferner vgl. der Gräfin Ludämilie Elisabeth von Schwarzburg-Rudolstadt geistliche Lieder und eine Auswahl nach dem Originaltext u. eine kurze Lebensbeschreibung der Verfasserin, herausgeg. v. J. D. Sarnighausen, Halle 1856; (v. Bamberg), Schwarzburgisches Sion oder Schwarzburgs geistl. Liederdichter, in biograph. Skizzen nebst einer Auswahl ihrer Lieder etc., Rudolstadt 1857; J. Traugott Löschke, Denkschrift über Gräfin Ludämilia Elisabetha aus dem [367] nun fürstlichen Hause Schwarzb.-Rudolstadt und über Hochderselben in Gemeinschaft mit zwei Hochgräflichen Schwestern vor 200 Jahren im Frühling des Jahres 1672 erfolgtes christ-seliges Ende. Mit dem Originalporträt der Hochseligen Gräfin Ludoämilie in Phototypie. Leipzig 1872, gr. 8°; Ludämilie von Schwarzb.-Rudolstadt. Marie von Lippe-Schaumburg. Zwei Stillleben aus dem 17. u. 18. Jahrh. dargestellt von E. Frommel. Berlin 1874 (als 11. Band des Frauenspiegels, Lebensbilder christlicher Frauen u. Jungfrauen von W. Ziethe). Endlich sind außer den Funeralien zu L. E.’s und ihrer Schwestern Gedächtnißfeier zu vgl.: Chr. Sommer, Epilog. pie demortuorum oder exemplarische Sterbeschule. Leipzig u. Jena 1676, S. 152; Daniel Seiffert’s Mel melicum cum memorabilibus principum morientium, p. 405 ss.; Wetzel’s Hymnopöographie, 2. Thl. Ueber einzelne Lieder derselben vgl. Rambach’s Anthologie, Bd. III; Knapp’s Evangelischer Liederschatz etc.