ADB:Lupi, Johannes

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Artikel „Lupi, Johannes“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 644–646, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lupi,_Johannes&oldid=- (Version vom 13. Juli 2020, 21:57 Uhr UTC)
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Lupi: Johannes L., Geistlicher zu Frankfurt a. M. in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sein Geschlechtsname und Heimath waren, wie er dies selbst angiebt, der erstere „Wolff“ und die letztere „Kunersreut“, d. h. Komersreuth, ein Flecken in der baierischen Oberpfalz, Landger. Waldsassen. Ueber sein Geburts- sowie sein Sterbejahr geben die vorhandenen Quellen keine Nachricht, seine Studien aber hatte er und zwar schon bei reiferen Jahren, wenigstens nachträglich, in Erfurt gemacht, wo er sich auch die Magisterwürde erwarb. Denn in der dasigen Studentenmatrikel (Akten der Universität ed. Weissenborn S. 350, Z. 35) findet sich unter dem Datum 1472, Nov. 4, der Eintrag: „Johannes Lupi de Franckfordia“, unmittelbar vor diesem Namen steht: „Johannes Reynheym de Franckfordia“ und nach L.: Johannes Sonemant de Maguncia. Daß aber auch bereits angestellte Priester noch eine Hochschule besuchten, kam damals gar nicht selten vor. L. bekleidete im J. 1478 das Amt eines ersten Capellans an der St. Peterskirche, war zugleich Plebanus (Leutpriester) an derselben und genoß das allgemeine Vertrauen und die Anerkennung seiner Gemeinde in hohem Grade, denn wie Ritter a. u. a. O. sich ausdrückt, war er „ein sonst im Pabstthum fleißiger und ehrlicher Mann“ und dieser berichtet auch, daß man noch zu seiner Zeit an der Wand der St. Peterskirche das Bild dieses Plebanus des St. Peterssprengels habe sehen können. Zugleich zeichnete sich L. durch ein eben so gediegenes theologisches Wissen aus, als er ein richtiges Verständniß für das praktische christliche Leben des Volkes hatte. Dies bewies er durch eine 1478 erschienene Anleitung zur Beichte: „Vor die anhebenden Kynder vnd ander | zu bichten in der ersten bycht“. Aus der Schlußbemerkung auf der Vorderseite des ersten Blattes dieses durch seinen volksthümlichen Inhalt sowohl als durch die Officin, aus der es hervorgegangen interessanten Buches (25 unbez. Bl. 4°) erfahren wir, daß L. die letztwillige Verfügung [645] getroffen hatte, daß diese von ihm verfaßte Anleitung durch seinen Testamentsvollstrecker an alle Pfarrsitze des Mainzer Erzbisthums zum Zwecke der Nachahmung seiner Unterrichtsmethode verschenkt werden und dort ewig verbleiben sollte, unter der Bedingung, daß für die Seelenruhe seiner und seiner Wohlthäter gebetet werde. Wir lesen weiter auf derselben Seite „Item wo etwaß da geschriben were das da offenlich oder ußlegelich mocht syn widder got oder christlichen glouben ader heylige Kyrchen ader heylige priesterschafft wolde ich Johannes wolff bürtig von dem dorffe Künersreut zunechst by peyreut gelegen zwischen Kreusen vnd peireut capellan zu sant petro zu Franckfurt widder ruffen vnd schriben vnd wolt eß han vor keyn schrifft …“ Die drei Exemplare dieses Buches, welche zur Zeit bekannt sind, befinden sich je eines in der Bibliothek des bischöfl. Priesterseminars zu Mainz, auf der Gießener Univers.-Bibliothek und auf der ständischen Landesbibliothek zu Cassel; das letztere in einem Miscellenbande, der auch die Schrift des Mainzer Weihbischofs Sifrid „De defectibus occurrentibus in missa“ (Hessische Beiträge II, 544–45) enthält und von welcher die Engländer rühmen, daß sie (Caxton Celebration 1877, pag. 194) allein das einzige Exemplar besäßen. L. sieht in dieser in kirchlicher wie culturhistorischer Hinsicht und unter den von 1470–1520 gedruckten 46 verschiedenen Beichtbüchern auf das vortheilhafteste sich auszeichnenden Schrift u. a. auch die Schule als etwas auf das Engste mit der Kirche Verbundenes an und bietet die Mittel der letzteren auf, um der ersteren ihre rechte Geltung bei Erwachsenen wie Kindern zu sichern. Dabei ist er ein Freund der Armen und redet ernst mit den Reichen von ihrer Pflicht jenen beizustehen. Obgleich das Buch deutsch geschrieben, zeigt der Verfasser doch in den zahlreich eingestreuten lateinischen Stellen eine große Belesenheit nicht blos in der Bibel sondern auch in einer Reihe hervorragender theologischer und philosophischer Werke. Dabei setzt aber auch der Verfasser eine eben so solide Kenntniß der Quellen und Vertrautsein mit den Lehren und Anschauungen der alten Philosophie voraus, und während er in seinem deutschen Texte fast gar keiner Abkürzungen sich bedient, gebraucht er solche für die lateinischen Citate in allerausgedehntestem Maße. Wenn aber aus dieser Anwendung von Abbreviaturen Münzenberger a. a. O. S. 22 den Schluß ziehen zu dürfen glaubt, daß dies „ein schönes Zeichen für die damals unter den Seelsorgsgeistlichen herrschende Bildung“ gewesen sei, denen solche Stellen vollkommen geläufig und durchaus bekannt waren, so muß diese Anschauung in Betreff der überwiegenden Zahl der damaligen Cleriker und namentlich solcher auf dem Lande eine allzu optimistische genannt werden: der Gebrauch vielmehr in lateinischen Druckwerken sich zahlreicher Abbreviaturen zu bedienen, war einfach in den typographischen Officinen jener Zeit und des ganzen 15. Jahrhunderts ein fast ausschließlicher und nur Geistliche von mehr als gewöhnlicher Bildung vermochten in dem Inhalte eines solchen Druckes sich zurechtzufinden. – Das Beichtbüchlein ist eines der wenigen uns erhaltenen Erzeugnisse der Klosterpresse zu Marienthal im Rheingau, welche die sog. Kogelherren, so von ihrer Kopfbedeckung „Kogel, Kugel“, auch Fraterherren, fratres vitae communis geheißen, nicht lange nach der Katastrophe der Stadt Mainz 1462, schon im J. 1468 errichteten und bis 1484 fortführten und eine Reihe von Drucken veröffentlichten, deren Heimath bis 1882 kein einziger Bibliograph festgestellt hatte und erst durch Falk (vgl. unten) nachgewiesen wurde. Als die Kogelherren endlich zu drucken aufhörten, gelangte nach Bodmann (Rheingauische Alterthümer S. 136) die Einrichtung an „Friedrich Heumann von Norembergk, Buchdrucker im Kirsgarten zu Mainz“ (Bd. XII, 330). Wenn auch diese Klosterpresse nicht als die einzige ihrer Art dasteht, so gebührt ihr doch der Ruhm, neben der fast gleichzeitigen zu St. Ulrich und Afra zu Augsburg eine eigentliche Klosterdruckerei, d. h. eine solche gewesen zu sein, in welcher [646] die Mönche des Hauses selbst die Pressen bedienten, sowie der weitere, in der Reihe der deutschen Druckorte die sechste und in der der europäischen die siebente Stelle einzunehmen. Eine Zusammenstellung aller Klosterdruckereien inner- und außerhalb des deutschen Sprachgebiets hat gegeben Fr. Falk, Die Druckkunst im Dienste der Kirche, Köln 1879.

Ritter, Evangel. Denkmal d. Stadt Frankfurt, 1726. 4°. Münzenberger, Das Magdeburger und Frankfurter Beichtbüchlein, 1881. S. 6–23. Falk, Die Presse zu Marienthal im Rheingau und ihre Erzeugnisse, Mainz 1882. Geffcken, Bilderkatechismus, S. 26. Janssen, Gesch. d. d. Volkes (7. Aufl.) S. 45. Petzholdt, Neuer Anzeiger 1882, 132–37. Grotefend, Christian Egenolff, 1881, S. 3. 24. Fischer, Typogr. Seltenheiten VI, 128.