ADB:Weißenborn, Hermann Johann Christian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Weißenborn, Hermann Joh. Christian“ von Gustav Emil Lothholz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), S. 604–605, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Wei%C3%9Fenborn,_Hermann_Johann_Christian&oldid=- (Version vom 18. September 2019, 13:11 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Weißenborn, Georg
Band 41 (1896), S. 604–605 (Quelle).
Wikisource-logo.png Hermann Weissenborn (Philologe) bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Hermann Weißenborn (Philologe) in der Wikipedia
GND-Nummer 117301183
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|41|604|605|Weißenborn, Hermann Joh. Christian|Gustav Emil Lothholz|ADB:Weißenborn, Hermann Johann Christian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117301183}}    

Weißenborn: Hermann Joh. Christian W. Zu den liebenswürdigen anderer Interessen mit der größten Hingebung fördernden Gelehrten gehörte Hermann W., der ein Jahrzehnt hindurch auch an der thüringischen Hochschule in Jena thätig war und als Docent sich der Studenten, die Philologie studirten, in freundlichster Weise annahm, ihre Studien nach allen Richtungen hin zu fördern beflissen war. Ueberall war er, wo er verkehrte, wegen seines freundlichen Wesens und seiner gründlichen Gelehrsamkeit gern gesehen. W. war der Sohn des fürstlichen Rathes und Steuerdirectors Joh. Christ. Andreas W. in Gera, er wurde am 24. September 1813 geboren. Nachdem er durch Privatunterricht vorbereitet war, besuchte er vom Jahre 1822 an das Gymnasium (Rutheneum) seiner Vaterstadt, das damals unter der Leitung Rein’s und der anregenden pädagogischen Thätigkeit Christ. Gottl. Herzog’s, der 1840 Director der Anstalt wurde, sich einer großen Anerkennung erfreute. Schon 1829 bezog er gut zu akademischen Studien vorgebildet die Universität München, wo er besonders unter dem Einflusse des vortrefflichen Friedrich Thiersch seine philologischen Studien begann und 1830 in Leipzig fortsetzte. Von Ostern 1833 an lebte er im elterlichen Hause und übernahm während der Krankheit des Directors Rein einige Lehrstunden an dem Gymnasium seiner Vaterstadt. Im Juli 1834 siedelte W. nach Berlin über. Hier beschäftigte er sich vorzugsweise mit archäologischen, altdeutschen und Sanskritstudien. Im November desselben Jahres bestand er die preußische Oberlehrerprüfung und trat als Probecandidat am [605] Friedrichsgymnasium in Berlin ein. Im October 1835 ging er nach Koschentin bei Lublinitz in Oberschlesien, um den ältesten Sohn des Fürsten Adolf zu Hohenlohe-Ingelfingen zu unterrichten. Zwei Jahre war er auf dem Schlosse thätig und begleitete dann 1837 seinen Schüler, den Prinzen Karl, nach Breslau, wo er die Studien desselben bis zu der Zeit beaufsichtigte, wo der Prinz in die königliche Armee eintrat. Zu Anfang des Jahres 1840 kehrte W. nach Gera zurück und begab sich im Mai nach Jena, um sich als Privatdocent für das Fach der classischen Philologie zu habilitiren. Hier waren Eichstädt, Hand und Göttling thätig, leiteten das philologische Seminar und unterstützten nach Kräften die Bestrebungen des jungen Privatdocenten, der sich besonders dadurch Verdienste erwarb, daß er mit fleißigen philologischen Studenten alte Schriftsteller las und ihre Studien in rühmlicher Weise zu unterstützen suchte. In seinen Vorlesungen hatte er, da die Zahl der Philologie Studirenden in Jena überhaupt klein war, nur wenige Zuhörer, zumal ihm bei aller gründlichen Gelehrsamkeit eine gewisse anregende Kraft fehlte. Schon 1834 (Lipsiae) hatte er eine Abhandlung „De versibus jambico-antispasticis“ und (Lipsiae 1840 und 1841) „De versibus glyconicis. Part. I de basi versuum glyconeorum. Part. II de numero primario versuum glyconeorum“ veröffentlicht. Wichtige Beiträge zur Erforschung der altgriechischen Geschichte gab er in seinem Heinr. Luden, Ferd. Hand und Karl Göttling gewidmeten „Hellen“ (Jena 1844). Im J. 1850 besorgte er die zweite Auflage der „Opuscula Henr. Car. Abr. Eichstadii“ (Jenae), denen er ein umsichtig angelegtes Register hinzufügte. Da die Aussichten eine ordentliche Professur (1843 war er bereits zum außerordentlichen Professor ernannt worden) an der Universität zu erlangen gering waren, zog er es vor, an dem königl. Gymnasium in Erfurt, dessen Director der kunstsinnige Schöller war, nach dem Tode des Professor Thierbach[WS 1] eine Lehrerstelle zu übernehmen. Hier hat er viele Jahre in den verschiedensten Classen und in den verschiedensten Gegenständen unterrichtet. Zu Ostern 1877 trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Als Bibliothekar der königl. Bibliothek in Erfurt ist er bis zu seinem Tode am 10. Januar 1886 thätig gewesen. Während seiner Thätigkeit in der alten Universitätsstadt veröffentlichte er zwei Programme von 1851 und 1856 und „Hierana. Beiträge zur Geschichte des Erfurtischen Gelehrtenschulwesens“ (vier Abtheilungen 1861, 1862, 1867, 1870). Er veranstaltete auch eine Ausgabe der Matrikelbücher der Universität Erfurt. Für die allgemeine Encyklopädie von Ersch und Gruber hat W. viele Artikel geschrieben. Als Bibliothekar der königl. Bibliothek zu Erfurt hat er verschiedene die Geschichte der Stadt und der ehrwürdigen 1389 gestifteten und 1816 aufgehobenen Universität Erfurt herausgegeben. W. besaß eine große weitverzweigte Gelehrsamkeit und einen unermüdlichen Eifer für wissenschaftliche und pädagogische Thätigkeit. Gern spendete er von dem Reichthum seines umfassenden Wissens, jedem stand er mit Rath und That zur Seite, er war überhaupt ein vortrefflicher Mensch. Ueberall wo er wirkte hat er sich durch seine Liebenswürdigkeit viel Freunde erworben.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Christian Thierbach (1790–1849), Oberlehrer in Erfurt.