ADB:Eichstädt, Heinrich Karl Abraham

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Artikel „Eichstädt, Heinrich Karl Abraham“ von Karl Felix Halm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 742–743, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Eichst%C3%A4dt,_Heinrich_Karl_Abraham&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 05:49 Uhr UTC)
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Eichstädt: Heinrich Karl Abraham E., Philolog, geb. 8. August 1772 zu Oschatz, gest. 4. März 1848. Nachdem er schon durch den Unterricht seines sprachkundigen Vaters, der Archidiaconus in Oschatz war, sich gründliche Kenntnisse in den alten Sprachen erworben hatte, besuchte er noch drei Jahre die berühmte Schule in Pforta, wo er es durch seinen von trefflichen Anlagen unterstützten Fleiß dahin brachte, daß er noch im Alter von 15 Jahren für reif zum Uebertritt an eine Universität erklärt wurde. Er begab sich nach Leipzig, um Theologie und Philologie zu studiren, wo seine hauptsächlichen Lehrer Morus, Reiz, Christ. Dan. Beck und Platner wurden; auch der Jurist Haubold hatte an ihm einen fleißigen Zuhörer. Aber das meiste verdankte er dem auch als Philologen berühmten Morus, der dem wißbegierigen und strebsamen Jüngling sein ganzes Vertrauen schenkte und ihm die freie Benützung seiner reichen Bibliothek eröffnete. Er ehrte das Andenken seines Lehrers dadurch, daß er nach dessen 1794 erfolgtem Tode einen Theil seiner Vorlesungen über das neue Testament 1795–1797 herausgab. Noch nicht volle 17 Jahre alt erwarb sich E. 1789 die philosophische Doctorwürde; drei Jahre darauf habilitirte er sich an der Universität durch die Abhandlung „De dramate Graecorum comico-satyrico“; 1795 erhielt er eine außerordentliche Professur, zu deren Antritt er das Programm schrieb: „Adumbratio quaestionis de carminum Theocriteorum [743] ad genera sua revocatorum indole ac virtutibus“ . Zwei Jahre darauf folgte er einem Rufe als ordentlicher Honorarprofessor nach Jena, auf Betreiben des Hofrathts Schütz, der für die Redaction der allgemeinen Litteraturzeitung einen sachkundigen und rüstigen Mitarbeiter suchte; 1800 ward er nach Walch’s Ableben Vorstand der lateinischen Gesellschaft, die unter seiner rührigen Leitung zu neuem Leben erwachte; 1803 wurde er, als Schütz nach Halle abging, zum Professor der Eloquenz und Poesie, das Jahr darauf auch zum Oberbibliothekar, 1817 zum Director des philologischen Seminars ernannt. Wiederholte Berufungen, die an ihn ergingen, konnten ihn nicht bestimmen, sein Jena zu verlassen, mit dem sein Name wie verwachsen war. Und doch war er kein fleißiger Professor, dem es um eine große Zahl von Zuhörern zu thun gewesen wäre; es kam dahin, daß er zwar noch immer Vorlesungen ankündigte, aber er brachte kein Collegium zu Stande oder wollte es nicht. Mehr als das Lehren interessirten ihn seine litterarischen Arbeiten. Nach dieser Seite hin war sein größtes Verdienst die Begründung der neuen Jenaischen Litteraturzeitung, zu deren Leitung er bei der Vielseitigkeit seines Wissens und ausgedehnten Bekanntschaft mit gelehrten Zeitgenossen wie geschaffen war. Die litterarische Betriebsamkeit brachte ihm auch goldene Früchte, die der unverheirathete Mann bestens zu vermehren verstand, so daß er als Besitzer von fünf Rittergütern das Zeitliche gesegnet hat. Als Philolog kennt man von E. keine größere, durchschlagende Leistung; am bekanntesten sind seine kleineren akademischen Gelegenheitsschriften und Prunk- und Gedächtnißreden in lateinischer Sprache, die ihm den Ruf eines der ersten Latinisten seiner Zeit einbrachten. Ein reiches Wissen, klares und scharfes Urtheil gibt sich in allen kund, auch große formelle, aber nicht immer correcte Fertigkeit; jedoch schöpferische Originalität in der Handhabung der alten Sprache für moderne Wissenschaft, wie das Latein eines Gottfr. Hermann und Ritschl aufweist, ist in Eichstädt’s lateinischem Stil nicht zu erkennen. Eine Sammlung der „Opuscula oratoria“ wurde noch von E. selbst begonnen und von Hermann Weißenborn zu Ende geführt, Jena 1849. XXXII und 804 pp. Ein beabsichtigter zweiter Band, der die wissenschaftlichen Programme enthalten sollte, ist nicht zu Stande gekommen.

Autobiographische Skizze in den Opuscula oratoria, p. XXV–XXVIII. Neuer Nekrolog der Deutschen für 1848. I, 216 ff.