ADB:Müchler, Karl Friedrich

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Artikel „Müchler, Karl“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 438–439, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BCchler,_Karl_Friedrich&oldid=- (Version vom 18. August 2019, 13:48 Uhr UTC)
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Müchler: Karl M. wurde am 2. September 1763 zu Stargard in Pommern geboren und trat nach beendigten Studien 1785 in den Staatsdienst ein, in dem er sich mit unermüdlichem Eifer in den verschiedensten Verwaltungszweigen nützlich machte. Zunächst bei dem Generalauditoriat angestellt und demnächst zum Expedienten in Justizsachen bei diesem Collegio befördert, fungirte er seit 1796 auch als Expedient bei der General-Lotterie-Administration und seit 1798 in gleicher Eigenschaft bei dem fränkischen Departement des Generaldirectoriums. Im J. 1802 ging er mit dem General der Cavallerie und Minister Grafen von der Schulenburg-Kehnert nach Hildesheim, um bei dem Organisationsgeschäft der Entschädigungsprovinzen thätig zu sein, und wurde nach Beendigung dieses Geschäfts von den Domcapiteln zu Hildesheim, Münster und Paderborn zum Agenten in ihren Angelegenheiten bei der obersten Staatsbehörde bestellt. Als mit der Schlacht bei Jena das Schicksal Preußens besiegelt war, ging M. aller seiner bestimmten Einnahmen verlustig; er mußte sogar, da er seines freimüthigen Wortes wegen auf die Proscriptionsliste des korsischen Eroberers gesetzt worden, Berlin verlassen und in seine Geburtsstadt flüchten. Hier schrieb er 1806 das ebenso denkwürdige als prophetische Gedicht „Der Eroberer“, das sich in unzähligen Abschriften, ohne Nennung des Autors und unter dem Siegel der Verschwiegenheit, nach allen Richtungen, selbst bis in die Schweiz hinein, verbreitete, und das in der Folge verschiedenen Dichtern, Erhard, A. v. Kotzebue und endlich auch Schiller zugeschrieben wurde und sogar in der „Nachlese zu Schiller’s Werken“ (1840) Aufnahme fand. In der ganzen Zeit der französischen Gewaltherrschaft nur von dem Ertrage seiner Feder lebend, wurde M. im J. 1814 von dem damaligen Generalgouverneur Fürsten Repnin in Dresden dorthin berufen, um unter dem russischen Obristen und General-Polizeidirector Baron v. Rosen die Leitung der Kriegs-, höheren und Sicherheitspolizei für den ganzen Bereich dieses Generalgouvernements zu übernehmen. Schon am 10. Juni d. J. ehrte der Kaiser die Verdienste Müchler’s durch Verleihung des Wladimirordens, und da es M. wenige Monate später gelang, einer Rubelnotenfälschung Napoleons auf die Spur zu kommen, so verlieh ihm der Kaiser ein lebenslängliches Benefizium von jährlich 100 Ducaten, das M. über 42 Jahre lang bezog. Seit dem Frieden wieder in Berlin lebend, starb er daselbst am 12. Januar 1857. – M. hat auf dem Gebiete der schönen Litteratur eine erstaunliche Wirksamkeit entfaltet; er ist besonders der Mann der Räthsel und Charaden, der Anagramme und Epigramme, der geselligen Unterhaltung und des Frohsinns. Von seinen Schriften nach dieser Richtung hin wären zu erwähnen: „Meine Feierstunden“ (1782); „Schwärmereien“ (1782); „Anekdoten-Lexikon für Leser von Geschmack“ (II, 1783–84 und Supplemente, 1785); „Der Reisegefährte, eine Sammlung kleiner unterhaltender Erzählungen, launichter Einfälle etc.“ (III, 1785–86); „Ein Eimer Wasser zum Löschen der neuen Feuerbrände“ (1808); „Epigramme, Fabeln und Erzählungen“ (1808); „Der [439] Anekdotenfreund“ (1809); „Neue Spiele müßiger Stunden“ (IV, 1811–17); „Authentische Nachrichten von der großen französischen Armee, vom 15. bis 24. October 1813. In saubere Reime gebracht“ (1813); „Das Stammbuch. Eine Auswahl von Gnomen und Denksprüchen etc.“ (1814); „Kleine Erzählungen in Versen“ (1820); „Polterabendscenen“ (1830) u. a. Seine zahlreichen Lieder („Gedichte“, 1786; „Erotische Tändeleien“, 1793; „Gedichte aus dem häuslichen Leben“, 1827) bewegen sich zwar nur in den gewöhnlichsten Gedanken, doch weiß M. diese in einer fließenden Sprache und einem leichten Reim darzustellen, so daß mehrere seiner Gedichte eine gewisse Volksthümlichkeit erlangt haben. Auch auf dem Gebiete des Drama („Dramatische Bagatellen“, II, 1794–95) und des Romans („Das Glückskind“, 1818; „Die drei Freunde“, 1820; „Bekenntnisse eines Hagestolzen“, 1821) hat sich M. versucht. Am bekanntesten ist er indes durch die Herausgabe verschiedener Almanache und Taschenbücher geworden; von letzteren seien nur genannt: „Taschenbuch für Frauenzimmer“, 1779–84; „Kleine Frauenzimmer-Bibliothek“, 1782–86; „Berlinisches Taschenbuch“, 1795; „Polterabende“, 1798; „Aurora“, 1803; „Egeria“, 1802 und 1806; „Vergißmeinnicht“, 1809; „Taschenbuch der Liebe und des Frohsinns“, 1811; „Momus“, 1818; „Anekdoten-Almanach“, 1808–13, 1815, 1817–45 u. v. a.

Hitzig, Gelehrtes Berlin im Jahre 1825, S. 175. – Illustrirte Berliner Wochenschrift „Der Bär“, 11. Jahrg., 1884–85, S. 697 ff.