ADB:Magnus, Eduard

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Artikel „Magnus, Eduard“ von Lionel von Donop in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 75–77, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Magnus,_Eduard&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 19:10 Uhr UTC)
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Magnus: Eduard M., Porträt- und Genremaler, ist am 7. Januar 1799 als Sohn einer begüterten Familie in Berlin geboren. Vom Streben nach einer möglichst vielseitigen Ausbildung geleitet, besuchte er gleichzeitig die Universität und Kunstakademie seiner Vaterstadt und studirte Naturwissenschaften, Philosophie und Architektur ohne den Anspruch einer berufsmäßigen Verwerthung seiner Kenntnisse. Begünstigt durch gesellschaftliche Beziehungen und auf mehreren Wissensgebieten theoretischer wie praktischer Natur heimisch, nahm er vermöge seiner intellectuellen Fähigkeiten Jahrzehnte lang in Berliner Künstlerkreisen eine Achtung gebietende und einflußreiche Stellung ein. Jakob Schlesinger, Restaurator der königlichen Gemäldegalerie, förderte ihn in seinen künstlerischen Absichten und bestimmte ihn, sich vornehmlich der Malerei zu widmen. In den Jahren 1826–1829 unternahm M. eine Studienreise über Paris nach Italien, die er von 1831–1835 mit einem Aufenthalte in England erneuerte. 1850 und 1853 verweilte er in Spanien. Von der Romantik seiner Zeit befangen bemühte er sich zunächst ohne erheblichen Erfolg auf dem Gebiete des Genre. Zu den Hauptwerken dieser Gattung gehört „Die Heimkehr des Pallikaren“, Nr. 216 der kgl. Nationalgalerie, ein Werk, das gesunde Natürlichkeit der Empfindung athmet. Ein Rundbild „Zwei mit Blumen spielende Kinder“ darstellend, durch Anmuth und Naivität anziehend, erwarb dem Künstler durch den trefflichen Stich von E. Mandel große Popularität. Zu Anfang der vierziger [76] Jahre entstand sein „Fischerknabe von Nizza“, dessen charakteristische Unbefangenheit mit der freien und realistischen Behandlungsweise in vollem Einklang steht. Ein „Orpheus, der die Eurydice aus der Unterwelt zurückführt“ (1866), erwies dagegen die unzureichende Begabung des Künstlers für die höhere Historienmalerei. Den Schwerpunkt seiner Thätigkeit fand M. im Porträtfach. Die lebendige, doch vorwiegend verstandesmäßige Auffassung der Persönlichkeit machten ihn während der Zeit von 1835–1860 zu einem der beliebtesten Bildnißmaler. Mit feinfühliger Hand der herrschenden Kunstrichtung folgend lenkte er, von der romantischen Schule ausgehend, allmählich in den farbigen Realismus der Gegenwart, wie aus der im J. 1873 veranstalteten Ausstellung seiner Bildnisse, die einen Ueberblick aller Phasen seiner künstlerischen Entwicklung gewährte, ersichtlich ward. Genrehaften Porträts stehen seit der Mitte der vierziger Jahre charaktervolle Köpfe mit einer gewissen Idealität der Auffassung ergänzend zur Seite. Die ältere Berliner Gesellschaft mit ihren Koryphäen fand in M. einen zuverlässigen und geistvollen Chronisten. Von männlichen Bildnissen ist sein Selbstporträt mit dem Sammtkäppchen auf dem Kopfe hervorzuheben, ferner Feldmarschall Wrangel, Felix Mendelssohn-Bartholdy, der Liedercomponist Curschmann, der Porträtmaler Lauchert, Adolf Menzel, Graf Arnim-Boytzenburg, E. Mandel u. A., Porträts, welche seine hohe künstlerische Befähigung zur Darstellung psychologisch anziehender Individualitäten bezeugen. Vorliebe für jugendliche Schönheit und anmuthigen Glanz der Erscheinung führte ihn zur eifrigeren Pflege des Frauenbildnisses. Er schuf eine ganze Galerie weiblicher Porträts, welche durch treue und geistvolle Auffassung des Lebens zu den namhaften Leistungen der neueren deutschen Kunst gehören. In Allem. was der Aufwand sorgsamster Technik erfordert, im Schmelz der Töne und Lichtspiele, in der Zartheit des Incarnats ist der geläuterte Geschmack des Künstlers nachfühlbar. In der Anordnung und im seelischen Empfindungsausdruck seiner Damenbildnisse huldigte er der zeitüblichen Neigung zum sentimentalen Stimmungsleben, das später einem frischen und natürlicheren Geiste wich. Von zahlreichen, dem Familien- und Verwandtenkreise zugehörigen Porträts ist rühmend das Bild seiner Mutter zu nennen, in welchem der Sohn den künstlerischen Tribut seiner Liebe und Pietät gespendet. Aus Magnus’ besten Tagen stammt das in der Nationalgalerie zu Berlin unter Nr. 425 befindliche Bildniß der gefeierten Sängerin Jenny Lind, in der vollendeten Technik eine Perle seiner Kunst. (Lebensgroßes Kniestück, lithographirt von Feckert, in Schabmanier gestochen von H. Sagert.) Anspruchslos und unbefangen in der Haltung redet deutlich aus dem geistig durchleuchteten Blick die liebenswürdige und feinsinnige Künstlerin zum Beschauer. Das ovale Brustbild von Henriette Sontag (lithographirt von Feckert), eine vorzügliche coloristische Leistung und von vornehmer Einfachheit, befand sich mit dem Bildniß von J. Lind im J. 1855 auf der Pariser Weltausstellung und erwarb dem Künstler eine Medaille. Die übrigen von Bruno Meyer detaillirt besprochenen Porträts von Damen, zumeist aus den höheren Ständen in Berlin, behalten ihren bleibenden Werth durch den tiefempfundenen Reiz in der Stimmung, durch den harmonischen Zusammenklang der Farbentöne sowie durch Sorgfalt der Zeichnung und Modellirung. In den letzten Lebensjahren durch Schwäche des Gesichtssinnes an der Ausübung seines Berufe behindert, suchte M. seine wissenschaftliche Bildung auf kunstlitterarischem Gebiete zu bethätigen. Verdienstvoll sind seine durch Experimente erprobten Untersuchungen über die Beleuchtung von Räumen zur Aufnahme von Gemälden. Er befürwortete eine schräge Stellung des Bildes gegen das Licht, wie bei der Arbeit des Künstlers im Atelier. Die Ergebnisse seiner Bemühungen sind bei Anordnung von Bilderwänden in der Nationalgalerie großentheils zur Anwendung [77] gebracht. Seine sonstigen schriftstellerischen Arbeiten, reich an Gedanken, hier und da voll leidenschaftlicher Erregung im Vortrag, sind als Studien eines Dilettanten zu betrachten, der auf systematische und erschöpfende Durcharbeitung der Wissenschaft zu verzichten scheint. Abgesehen von gelegentlichen Aufsätzen in Zeitungen und Zeischriften erschien im J. 1864 „Ein Wort über ein nationales Kunstmuseum“, Berlin, E. H. Schröder. Der Inhalt seiner Broschüre „Die Polychromie vom künstlerischen Standpunkte. Ein Vortrag für eine Anzahl befreundeter Künstler und Kunstverständige aufgezeichnet von Eduard Magnus.“ Als Manuscript gedruckt. Berlin 1871. Gebr. Unger (Th. Grimm) ist in erheblichen Punkten von der exacten Forschung als unhaltbar zurückgewiesen. Lebhaft beschäftigte ihn der Streit über die Echtheit der Holbein’schen Madonna. In seinen „Gedanken über die auf dem Zwinger zu Dresden stattgehabte Confrontation der Holbein-Bilder von Darmstadt und Dresden.“ Berlin 1871. Commissionsverlag von S. Lange, bekannte er sich zu der Unterzeichnung der Künstlererklärung. M. versuchte sich sogar an der Lösung schwieriger juristisch-philosophischer Probleme. So entstand das Schriftchen „Auch eine Ansicht von der Todeesstrafe von einem Laien.“ (Als Manuscript gedruckt.) Berlin 1870. Er war seit 1837 Mitglied der Berliner Kunstakademie und wurde im J. 1844 zum Professor ernannt. Unablässig für die Kunstinteressen seiner Vaterstadt in der Oeffentlichkeit thätig, wurde er im Sommer 1872 zum Preisrichter über die Entwürfe eines in Freiburg zu errichtenden Kriegerdenkmals gewählt, kam von der Reise erschöpft zurück und wurde bei seinem Bruder in Görlitz krank. Ein Augenleiden gesellte sich hinzu, die Aerzte hielten eine schleunige Staaroperation für erforderlich, welche zwar gelang, aber durch die damit verbundene Aufregung einen Schlagfluß und den raschen Tod des Kranken am 8. August 1872 zu Berlin herbeiführte.

Vgl.: Im neuen Reich, her. v. A. Dove, 1872, 2. Bd., S. 522 ff. Die Polychromie; zur Erinnerung an Eduard Magnus. – Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst. 1873, Nr. 33 u. 34, von Bruno Meyer. – Die Berliner Malerschule. Studien u. Kritiken von Adolf Rosenberg. Berlin 1879, S. 142–146.