ADB:Malsburg, Ernst Freiherr von der

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Artikel „Malsburg, Ernst Freiherr von der“ von Joseph Kürschner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 148, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Malsburg,_Ernst_Freiherr_von_der&oldid=2511917 (Version vom 20. November 2018, 16:18 Uhr UTC)
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Malsburg: Ernst Friedrich Georg Otto Freiherr von der M., Dichter und Uebersetzer, geb. am 23. Juni 1786 zu Hanau, † am 20. September 1824 zu Eschenberg. M. wurde mit seinem jüngeren Bruder bei einem begüterten Onkel, der als Minister in kurhessischen Diensten stand, erzogen und verbrachte seine Jugend theils in Cassel, wo er mehrere Jahre das Gymnasium besuchte, theils in Eschenberg, einem unweit von Cassel sehr schön gelegenen Schloß. Später bezog er die Universität Marburg und nahm dann an einer Gesandtschaftsreise seines Onkels nach Paris theil, blieb hier ein Jahr und trat zurückgekehrt Anfang 1806 als Assessor in den Justizdienst. Die nicht viel später eintretenden politischen Verhältnisse, die Hessen vollständig umgestalteten, waren seinem Avancement nicht ungünstig. Er wurde Auditor im Staatsrath, 1808 als Gesandtschaftssecretär nach München geschickt und wirkte 1810–13 in der gleichen Stellung in Wien. Die Befreiung Kurhessens vom französischen Joch zwang ihn zwar wieder als Assessor anzufangen, aber schon 1814 beförderte ihn der Kurfürst zum Justiz-, 1817 zum Regierungsrathe und schickte ihn in letzterem Jahre als Geschäftsträger nach Dresden. Hier genoß er reiche Anregung und den vertrauten Umgang eines Tieck, Loeben und Kalkreuth, durch sein in jeder Weise liebenswürdiges Naturell eine gern gesehene Persönlichkeit. Wie herzlicher Freundschaft und fast überschwänglicher Verehrung sein Herz fähig war, zeigen am besten die Briefe, die er an Tieck schrieb und die Holtei im 2. Band der „Briefe an Ludw. Tieck“ publicirt hat. Sie gewähren zugleich in etwas einen Einblick in sein litterarisches Schaffen. Schon als Gymnasiast hatte M. litterarische Neigungen gezeigt, später „Gedichte“ (1817) herausgegeben und wandte sich nun in Dresden namentlich der spanischen Litteratur zu, 1819 erschien der erste Band seiner Uebersetzung „Calderonscher Schauspiele“, dem sich in der Folge 5 weitere anschlossen (bis 1825), 1824 die freie Bearbeitung dreier Dramen Lope de Vega’s unter dem Titel „Stern, Zepter, Blume“. Sowohl 1820 als 1821, in welchem Jahre Malsburg’s Onkel starb, seinen beiden Neffen ein bedeutendes Vermögen hinterlassend, war M. auf lange Zeit in Cassel und Eschenberg; 1821 wurde er zum Kammerherrn ernannt und reiste 1822 in außerordentlicher Mission, betreffend die Familienverhältnisse des hessischen und preußischen Hofes nach Berlin und lebte dann wieder in Dresden. 1824 starb er in Eschenberg, wo er den Bau seines neuen Hauses leitete, plötzlich und unerwartet. Seine schwesterliche Freundin, Stiftsdame Philippine von Kalenberg, der er noch während der letzten Tage an seiner Calderonübersetzung dictirt hatte, gab 1825 seinen „Poetischen Nachlaß und Umrisse aus seinem inneren Leben“ heraus. Außer den genannten Schriften hat M. einen französischen Operntext „Das ledige Ehepaar“ 1823 übersetzt und sowohl als Recensent, wie als Dichter und Novellist an Taschenbüchern und Zeitschriften mitgearbeitet. Von vielem Wohllaut sind seine religiösen Dichtungen, doch liegt der Schwerpunkt von Malsburg’s litterarischem Wirken in seiner stets mehr der Vollendung sich nähernden Uebersetzerthätigkeit. Die Lope’schen Dichtungen überreichte er Goethe, der in den Tages- und Jahresheften bemerkt „H. v. d. M. gab mir Gelegenheit ihm für so manches aufklärende Vergnügen und tiefere Einsicht in die spanische Litteratur zu danken“ und ebenda 1821 der von M. übersetzten „Aurora v. Copacavana“ (Bd. 4 der Calderon’schen Schauspiele) gedenkt.

Vgl. Nekrolog II, S. 901–11.