ADB:Mez, Karl

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Artikel „Mez, Karl“ von Karl Friedrich Ledderhose in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 664–667, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Mez,_Karl&oldid=- (Version vom 25. Mai 2019, 23:54 Uhr UTC)
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Mez: Karl M., Fabrikant, wurde in Kandern, einem Städtchen im badischen Oberlande, den 20. April 1808 geboren, † 28. Mai 1877 in Freiburg im Breisgau. Sein Vater Karl Christian M. war Seidenfabrikant, seine Mutter Katharina, geb. Vollmer hat er als eine fromme und begabte Frau geschildert, die einen gesegneten Einfluß auf ihn gewann. Schon im J. 1815 starb sein Vater, und der 7jährige Knabe kam nun zu seinem Oheim Christian Adam M. nach Freiburg. Hier besuchte er die neugegründete polytechnische Schule und zeichnete sich durch Begabung und Betragen so aus, daß er den ersten Preis erhielt. Nachdem er im J. 1822 confirmirt war, erlernte er in Freiburg in der Schweiz die Kaufmannschaft. Nach seiner Lehrzeit reiste er nach Italien, um in Turin und Mailand die Seidenfabrikation kennen zu lernen. Meistens zu Fuß durchwanderte er den größten Theil Italiens. 1828 kehrte er nach Freiburg zurück, um in das Bandgeschäft seines Oheims zu treten. Im J. 1834 wurde das Geschäft zu einer Seidenzwirnerei erweitert, und in diesem Jahre trat er auch in den Ehestand mit Karoline Sophie von Langsdorff. 2 Söhne und 2 Töchter, wovon eine in früher Jugend starb, waren die Frucht dieser Ehe. Aus geringem Anfange erweiterte sich sein Geschäft zu einer der bedeutendsten Zwirnereien, sodaß er genöthigt war, in verschiedenen Dörfern und Städten Filiale zu gründen. Es kam sogar ein Einkaufsgeschäft in Amasia in Kleinasien dazu. Eine Trennung der verschiedenen Geschäftszweige wurde schließlich nöthig, sie geschah im J. 1864 auf friedlichem Wege. Seine Firma hieß jetzt: Karl Mez und Söhne. Im J. 1870 gründete er eine zweite Fabrik zur Herstellung der von ihm erfundenen Netz- und Filetunterkleider, die der Gesundheit wesentlich dienen. In der Weltausstellung in Philadelphia 1876 wurde er dafür mit der großen Medaille ausgezeichnet. Sein blühendes, reich gesegnetes Werk beschäftigt nahezu 1200 Arbeiter, meist weiblichen Geschlechts. Für sie war M. ein Vater. Er sagt in einem Berichte: „Uns schien es, daß Fabriken in gewisser Beziehung die Erziehungsanstalten der Armen werden könnten. Wenn sie diesen höheren Zweck nicht erreichen, so sollten sie zum wenigsten als Bewahranstalten dienen.“ In dieser Hinsicht sind seine Fabriken wirklich Musteranstalten, die Nachahmung verdienen. Für die fremden Mädchen errichtete er eine Pensionsanstalt. Sie standen unter der Leitung einer Hausmutter, die für ihr leibliches und geistliches Wohl sorgte. Gebet, Gesang und Wort Gottes heiligte jeden Tag, jedoch mit Vermeidung alles dessen, was den Frieden [665] der Confessionen stören konnte. Sie erhielten billige Kost. Die Maschinen ruhen ohne Ausnahme an Sonn- und Feiertagen. Alten Arbeitern hat M. nie gekündigt, er gewährte ihnen kürzere Arbeitszeit, ohne den Lohn zu verkürzen; die arbeitsunfähigen versorgte er in seinen Wohnungen für Arbeiter. Nie hat er mit einem Arbeiter vor Gericht gestanden. Auch hat er eine Badeanstalt für seine Arbeiter errichtet. Der Eintritt in seine Fabriken war deshalb auch viel begehrt. Die Arbeiter wußten, daß sie an ihm einen treu besorgten Vater hatten. Mit Recht sagt Jemand: „Wenn alle Arbeitgeber und Fabrikanten so für das leibliche Wohl ihrer Arbeiter sorgten, wie Karl Mez und Söhne, so wäre die sociale Frage gelöst, so gäbe es namentlich keine Socialdemokratie“. Er selber ging aber auch mit einem guten Beispiel voran, er war wohl der fleißigste Arbeiter von Morgens früh bis spät Abends. Trotz seines großen Reichthums lebte er sehr einfach. Seine Hausordnung war durchweg christlich, und er hatte die unschätzbare Freude, daß alle Glieder seines Hauses in einem Geiste zusammenwirkten. Freilich nicht von jeher wehte dieser entschieden christliche Geist in ihm und seinem Hause. Er war zwar eine ideal und edel angelegte Natur von Haus aus, aber das entschiedene Christenthum erfaßte ihn erst gegen Ende der vierziger Jahre. Man ersah dies in seinem Auftreten in der badischen Kammer. Er wurde im J. 1844 in dieselbe gewählt und trat auf die linke Seite des Hauses, sodaß er mit Itzstein, Hecker u. A. zusammenhielt. Freilich war seine Freisinnigkeit mehr idealer Natur. Dazu kam eine ausgezeichnete Begabung zum Reden. Er hatte etwas Hinreißendes. Als er im J. 1848 ins Parlament gewählt wurde, hatte sich in ihm bereits ein religiöser Umschwung vollzogen, wohl auch durch Berührung mit christlichen Persönlichkeiten, namentlich mit dem Director Stern am evangelischen Schulseminar in Karlsruhe. Besonders gegen diesen Mann war die liberale Partei erbittert und hätte ihn gerne von seiner Stelle gedrückt. Hier stand M. für ihn ein. Als man die Todesstrafe abschaffen wollte und diesen Beschluß einstimmig faßte, war M. der Einzige, der dagegen stimmte und zwar mit Berufung auf das bekannte Bibelwort, das für alle Zeiten gilt: „Wer Menschenblut vergießt, deß Blut soll wieder durch Menschen vergossen werden.“ Er scheute sich auch nicht, in der Kammer die Sünde als die Ursache des Elends zu bezeichnen, und als einige lächelten, sagte er: „Ich sehe zwar Einige von Ihnen lächeln, dies berührt mich aber gar nicht. Meine Pflicht und Schuldigkeit habe ich hier gethan, und habe Ihnen nach meiner besten Ueberzeugung die Quelle genannt, welche Sie verstopfen müssen, wenn Sie einen bessern Zustand herbeiführen wollen.“ Auch im Frankfurter Parlamente hielt er mit seiner christlichen Ueberzeugung nicht zurück. Er ging sogar noch mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart. Als ihm nach ausgebrochener Revolution in Baden die Stelle des Finanzministers angeboten wurde, lehnte er sie ab und ließ sich überhaupt nicht in die Revolution verflechten. Gerne hätte man ihn nach Ueberwindung derselben in eine politische Untersuchung gebracht, aber er rühmte es öfters als eine göttliche Bewahrung, daß er sich nie an einer ungesetzlichen Handlung betheiligt habe. Als der Liberalismus in Baden seine Zwangsherrschaft ausübte, trieb ihn dies gerade in die Reihen der Conservativen. Er konnte manchmal seinen neuen Gegnern zurufen: „Ich habe meine liberalen Grundsätze nicht gewechselt, wohl aber ihr.“ Er half nun conservative Blätter gründen, wie die deutsche Reichspost, und noch in der letzten Zeit seines Lebens die badische Landpost. In solchem Sinne wirkte er auch als Mitglied des Stadtrathes von Freiburg und des Kreisausschusses. Sein wohlthätiges Wirken fand auch volle Anerkennung. Der Zähringer Löwenorden von Baden, der Orden der Ehrenlegion von Frankreich, [666] das Comthurkreuz des Franz Josephsordens von Oesterreich wurden ihm als Auszeichnung zuerkannt. Als ihm am Tage seiner silbernen Hochzeit seine Kinder ein erspartes Capital überreichten, um damit eine Stiftung nach seinem Herzen zu machen, fügte er alsbald noch eine ansehnliche Summe hinzu, sodaß sie 34 000 Mark betrug. Damit gründete er das Evangelische Stift in Freiburg mit der Bestimmung: „Förderung alles dessen, was nützt und frommt der allgemeinen evangelischen Kirche und zunächst der evangelischen Gemeinde Freiburgs in geistlicher und leiblicher Beziehung; also Förderung christlicher Erkenntniß und christlichen Lebens zu seligem Sterben.“ Besonders für Waisenkinder und für Alte und Kranke ist das Stift ein freundliches Asyl. Gerne besuchte er die Anstalt, unterwies die Kinder und hielt manche Erbauungsstunde, wie er sich denn gerne einen Stundenhalter nannte. Was er oben an sein schönes und schön gelegenes Haus hinsetzen ließ: „Himmelan strebe Du!“, das war auch seines Lebens Ziel. Man ersah dies besonders bei ihm auf religiösem und kirchlichem Gebiete. Die Vereine und Anstalten der innern und äußeren Mission nicht blos in Baden zählten ihn zum Wohlthäter, bei ihren Festen war er ein gerne gehörter Redner. Zum Comité der Pilgermission St. Chrischona bei Basel gehörte er als eines der thätigsten und freigebigsten Mitglieder. Freilich durfte man es mit der Dogmatik bei ihm nicht zu genau nehmen, er war kein geschulter Theologe, aber sein Herz hielt fest an dem Gottmenschen Jesus Christus und der Versöhnung, und er gehörte zu denen, die den Herrn vor den Menschen bekannten. Er stand als einer der eifrigsten Gegner gegen Professor Schenkel wegen dessen grundstürzender Lehren. Mehrmals wurde er in die Generalsynode gewählt. Im J. 1867 sprach er sich entschieden gegen die Gleichberechtigung der Richtungen innerhalb der evangelischen Kirche aus. Der Mehrheitsbeschluß für dieselbe erhielt nicht die Sanction des Landesbischofs, und als im J. 1871 der Präsident Bluntschli die Gleichberechtigung als ein errungenes großes Gut bezeichnete, war es M., welcher alsbald dagegen protestirte. Namentlich erfreute alle, die ein Herz für die christliche Wahrheit haben, die Art, wie M. auf der Generalsynode 1867 den Abgeordneten Moll, jetzigen Oberbürgermeister von Mannheim, abfertigte, als dieser freisinnige Mann den Katechismus und das Memoriren im Religionsunterrichte angriff. Er berief sich in Betreff des Memorirens auf Dr. Luther und sagte: „Unser Luther, der bekanntlich auch Etwas geleistet hat in seinem Leben, hat gesagt: „Ich bin ein Doctor und Prediger, so gelehrt und erfahren als die alle sein mögen, die solche Vermessenheit haben, aber noch thue ich wie ein Kind, das man den Katechismus lehret, und lese und spreche ihn von Wort zu Wort.“ Es ist der Mühe werth, die Reden dieses gottgelehrten Laien auf den Generalsynoden zu lesen. Während er sonst einer guten Gesundheit genoß, ging es mit ihm rasch zum Sterben. Es war eine heftige Entzündung, die ihn aufs Sterbebett legte. In seinen großen Schmerzen konnte er seufzen: „Herr, mach es gnädig mit mir!“ „Heute darf ich heim,“ sagte er ein ander Mal: „Was wird das für ein Festtag für mich sein, wie viele werde ich wieder grüßen dürfen!“ Sein Leichentext, den er selbst gewählt hatte, war: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,“ so wie das Wort: „Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe in Ewigkeit.“ Eine Leichenbegleitung wie die am Beerdigungstage des Karl M. hat wol Freiburg kaum je gesehen, denn ein Großer in Israel, ein Vater der Arbeiter und der Armen und ein muthiger Bekenner der Wahrheit wurde zur Grabesruhe gebracht.

Ueber ihn handelt der Reich Gottes-Bote vom Jahr 1877 ziemlich ausführlich; das Beiblatt zu den fliegenden Blättern aus dem rauhen Hause 1877 Nr. 7 und 8. Der Deutsche Reichsbote 1880, S. 40–43. Karl [667] Mez, der Vater der Arbeiter, von Dr. R. König, 1881. Eine ausführliche Biographie wäre zu wünschen.