ADB:Milbiller, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Milbiller, Joseph“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 728–729, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Milbiller,_Joseph&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 03:06 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Milag, Martin
Nächster>>>
Milde, Julius
Band 21 (1885), S. 728–729 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Joseph Milbiller in der Wikipedia
GND-Nummer 119162199
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|21|728|729|Milbiller, Joseph|Franz Xaver von Wegele|ADB:Milbiller, Joseph}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119162199}}    

Milbiller: Joseph M., Geschichtschreiber. Geboren am 5. Octbr. 1753 zu München, an der hohen Schule zu Ingolstadt gebildet, wurde er im Jahre 1778 Priester. Freieren Anschauungen huldigend und durch seine Verbindungen wie seine journalistische Thätigkeit – in der Zeit des Kurfürsten Karl Theodor – in den Verdacht gerathen, dem Illuminatenorden anzugehören, sah er sich gezwungen, München zu verlassen und trat eine Reise an, die ihn über Jena und Leipzig nach Halle führte, wo er einen längeren Aufenthalt nahm. Der belehrende Verkehr mit dem Kirchenhistoriker J. S. Semler war es, der ihn festhielt und dauernd seine Neigung für die Geschichtschreibung gewann. Schon das Jahr darauf erhielt er die Professur der schönen Wissenschaften und der Geschichte zu Passau, also in einem geistlichen Staate. In dieser Zeit fing seine schriftstellerische Wirksamkeit auf dem Gebiete der Geschichte an. Unter andern setzte er Kaspar Risbeck’s „Geschichte der Teutschen“, die bei Kaiser Friedrich I. stehen geblieben war, in drei Bänden fort und erntete damit mannigfache Anerkennung. Zu derselben Zeit mischte er sich litterarisch auch in den Streit, welcher damals durch die Losreißung der österreichischen Lande ob und unter der Enns vom Passauer Diöcesanverband durch Kaiser Joseph II. entstand, und zwar sprach er sich dagegen aus. Indessen hat er sich damit in Passau keinen Dank verdient, er wurde vielmehr im J. 1794 ohne die Angabe deutlicher Gründe seiner Stellung enthoben. Es scheint indeß, daß die allgemeine aufgeklärte Richtung seines Geistes dabei einigen Antheil gehabt hat. Da in der Zwischenzeit die Lage der Dinge in Kurbaiern sich nicht geändert hatte, nahm M. seinen Aufenthalt in Wien, wo mittlerweile in Folge des Todes Kaiser Joseph II. zwar ein Systemwechsel stattgefunden hatte, vor welchem er sich jedoch nicht zu fürchten brauchte. Die Jahre 1795–1799 hat er hier als Privatmann gelebt und verschiedene historische Schriften verfaßt. Die wichtigste dieser seiner Arbeiten ist die Fortsetzung der „Geschichte der Teutschen“ von I. M. Schmidt, der fast zu derselben Zeit gestorben, als M. nach Wien gekommen war. Die Fortsetzung umfaßt eine lange Reihe von Bänden, sie setzt bei der Geschichte Kaiser Leopolds I. ein und erstreckt sich bis zur Auflösung des deutschen Reiches. M. war in der Lage die Vorarbeiten und Collectaneen Schmidt’s benutzen zu können und hat offenbar versucht, im Geiste desselben das unterbrochene Werk, das sich bekanntlich in ganz Deutschland hohe Achtung erworben hatte, zu vollenden. Man kann nicht sagen, daß die Fortsetzung in unberufene Hände gelegt worden sei, wenn sie sich auch nicht das Ansehen erworben hat, welches Schmidt und seiner Darstellung lange Zeit gezollt wurde. Von anderen zu schweigen, befand sich M. schon in dem einen Nachtheile, daß ihm nicht wie diesem die archivalischen Schätze Wiens zur Verfügung standen. Inzwischen war aber in seiner äußeren Lage eine erwünschte Veränderung eingetreten. Bald nach des Kurfürsten Karl Theodor Tode und im Zusammenhang mit dem darauf gefolgten Umschwung in Baiern hatte er (1799) den Ruf als Professor der Geschichte an die Universität Landshut erhalten und fand hier die Stellung, die seinen Neigungen, aber auch seinen Fähigkeiten entsprach. Er hat hier als eifriger Lehrer und emsiger Schriftsteller eine geachtete Wirksamkeit entwickelt. [729] Die Fortsetzung des Schmidt’schen Geschichtswerkes hat er hier (1808) vollendet und u. a. ein „Handbuch der bairischen Geschichte verfaßt“, dessen Beliebtheit seinen Tod überdauert hat. Am 28. Mai 1816 ist er gestorben.

Vgl. über ihn C. A. Baader in der Zeitschrift für Baiern und die angrenzenden Länder, München 1816. Bd. III. S. 105–112 und ebendesselben Lexikon verstorbener bairischer Schriftsteller, I. S. 42–45, wo sich die verschiedenen Schriften und Aufsätze Milbiller’s aufgezählt finden. – Außerdem C. Prantl, Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität Ingolstadt-Landshut-München, Bd. I, S. 692–693. 717. Bd. II, S. 523.