ADB:Milde, Julius

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Artikel „Milde, Julius“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 729–733, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Milde,_Julius&oldid=2502229 (Version vom 21. September 2018, 14:28 Uhr UTC)
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Milde: Karl August Julius M., Botaniker, geb. zu Breslau am 2. November 1824, † zu Meran am 3. Juli 1871. Nach dem Besuche der Volksschule in seiner Vaterstadt kam M. im elften Lebensjahre auf das Magdalenengymnasium ebendaselbst, das er 1846 verließ, um auf der Universität Breslau Naturwissenschaften zu studiren. Seine Neigung zu diesem Studium brachte er bereits vom Gymnasium mit und schon als Primaner hat er durch zahlreiche Excursionen sich eine reiche Sammlung von Naturalien angelegt, was bei seinen beschränkten Mitteln nur durch eisernen Fleiß und große körperliche Anstrengung möglich war. In den ersten Studienjahren erstreckten sich seine Bestrebungen über alle Zweige seiner Wissenschaft, freilich immer mit vorwaltender Bezugnahme auf Botanik, für die ihn schließlich ganz zu gewinnen dem Einflusse Göppert’s vorbehalten blieb, in welchem er neben dem trefflichen Lehrer auch den väterlich wohlwollenden Freund bis an sein Lebensende verehren durfte. Am 6. November 1850 wurde M. auf Grund seiner Inauguraldissertation: „De sporarum Equisetorum germinatione“ von der Breslauer Facultät zum Dr. phil. promovirt. Gleich diese Jugendarbeit war von solcher Bedeutung, daß sie ihrem Verfasser die Mitgliedschaft der Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher eintrug. Nach überstandener Lehramtsprüfung wurde M. 1851 zunächst als Probecandidat an der Realschule am Zwinger beschäftigt und ging dann auf die Realschule zum heiligen Geist über, an welcher er Ostern 1853 angestellt wurde. Neben seiner Lehrthätigkeit, die er mit Treue und Auszeichnung ausübte, setzte er seine wissenschaftlichen Studien in der Botanik, die sich immer mehr und zuletzt ausschließlich auf die Erforschung der Kryptogamen, vor Allem der Gefäßkryptogamen beschränkten, in einer Weise fort, die Bewunderung erregen muß. Jede freie Stunde, die ihm sein Amt ließ, widmete er seiner geliebten Wissenschaft und lieferte in jedem Jahre eine große Reihe, zum Theil sehr umfangreicher und ausgezeichneter Arbeiten. Freilich erreichte er dies nur unter manchen Entsagungen, unter Aufopferung aller der kleinen Freuden und Genüsse, welche das Leben verschönern, ja auf Kosten seiner Gesundheit und seines Lebens. Schon im Mai 1847 stellte sich zum ersten Male nach einer botanischen Excursion auf den Zobten, ein Brustleiden ein, das ihn zu wiederholten Curen in Salzbrunn und Reinerz nöthigte. Die dadurch erzielte Besserung seines Leidens vermochte ihn zu weiterem unablässigem angestrengtem Schaffen. Da erkrankte er im December 1860 so ernstlich, daß er längeren Urlaub nehmen mußte. Er ging im Mai 1861 nach Reichenhall, und da sich sein Zustand dort nicht besserte, im August nach Meran, von wo er zwar im Sommer 1862 wieder nach Breslau zurückkehrte, um seinen Unterricht zu übernehmen, wohin er aber schon im September noch einmal gehen mußte, um dort noch zwei Winter zuzubringen. Dadurch wurde sein bereits tief gewurzeltes Leiden soweit gehoben, daß er seinem Amte wenigstens theilweise wieder vorstehen und eine fast unglaubliche wissenschaftliche Thätigkeit entwickeln konnte. Es erscheint gleichsam als Vorahnung seines frühen Todes, wenn man sieht, wie er in dieser Zeit mit [730] fast fieberhafter Hast seine großen Monographien zu erledigen strebt, um das Ziel zu erreichen, das er bereits als Student sich gesteckt hatte, die Erforschung der Welt der Gefäßkryptogamen. In der That verblieben ihm nur noch sechs Jahre des Lebens und fern von der Stätte seiner Wirksamkeit, erreichte ihn zu Meran nach vielen voraufgegangenen Leiden der Tod in dem jugendlichen Alter von wenig mehr als 47 Jahren. Noch kurz vor seinem Ende war ihm in Anerkennung seiner Verdienste um die Wissenschaft der Titel eines königlichen Professors verliehen worden. – M. war eine bedeutende Erscheinung in der botanischen Wissenschaft; bedeutend namentlich durch die Beschränkung auf das eng umschriebene Gebiet, dessen Bearbeitung seine Lebensaufgabe gewesen ist. Daneben aber besaß er auch eine nicht geringe allgemeine Bildung in den verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern, so daß er in allen diesen Disciplinen nicht nur ein tüchtig geschulter Lehrer wurde, sondern in der Zoologie selbst als Schriftsteller auftreten konnte. Ein gründlicher Kenner der Insecten, hat M. außer einigen Mittheilungen aus der Thierwelt von Görbersdorf und Meran eine treffliche Abhandlung über die Singcicaden im Osterprogramm der Realschule zum heil. Geist 1866 veröffentlicht, welche durch die Art der Behandlung ihres Gegenstandes auch einem weiteren Leserkreis Interesse zu erregen vermochte. Dennoch aber war und blieb die Botanik die ihm vor allem liebste Wissenschaft. Seine unbegrenzte Hinneigung zu derselben bezeugen auch seine botanischen Excursionen, welche er im J. 1844 begann und über die er bis 1851 regelmäßige Berichte verfaßt hat. Mit großer Ausdauer, ohne Rücksicht auf sein körperliches Befinden, setzte er sie regelmäßig fort bis zu seinem letzten Lebensjahre. Eine einzige, für ihn interessante Pflanze konnte ihn zu meilenweiten anstrengenden Fußwanderungen veranlassen. Die Erforschung der Phanerogamen seiner Heimath hatte ihn nicht lange beschäftigt. Er besaß bald eine gründliche Kenntniß derselben und machte noch als Student die Entdeckung der für Deutschland bis dahin neuen Lemna arrhiza (Verh. d. Schles. Gesellsch. 1849). Später erschien, als in dieses Fach einschlagend, noch ein Aufsatz: „Monstrositäten von Myosurus minimus“ (Zool.-bot. Ges. in Wien 1849) und was er sonst noch aus dem Gebiete der Phanerogamen an interessanten Funden bei seinen Excursionen machte, ist enthalten in seinen Excursionsberichten, die zumeist in den Jahrgängen der Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur von 1853–1870 veröffentlicht worden sind. Besondere Hervorhebung verdient noch eine größere Arbeit dieser Art: „Wissenschaftliche Ergebnisse meines Aufenthaltes bei Meran“ (Bot. Zeitung 1862). Aber schon früh befleißigte er sich, die bisher nur von einer kleinen Zahl von Botanikern aufgesuchten Kryptogamen nach ihrem Vorkommen und ihrer Verbreitung zunächst in Schlesien genauer kennen zu lernen. In einem Aufsatze über die Kryptogamenflora der Umgegend von Breslau (Schles. Ges. 1852) sprach er sich über die Nothwendigkeit eines solchen Studiums aus, und seine späteren floristischen Berichte nehmen auch vorwiegend auf die Kryptogamen Rücksicht, oder behandeln sie als ausschließlichen Gegenstand. Hand in Hand mit dieser pflanzengeographischen Thätigkeit ging die viel schwierigere und bedeutendere, die einzelnen Arten in ihrem ganzen Formenkreise so viel als möglich zu erforschen und naturgemäß gegen einander abzugrenzen. So entstanden Milde’s treffliche Monographien fast sämmtlicher Abtheilungen der Gefäßkryptogamen und der Moose. Wol den größten Theil seiner Arbeitskraft wandte er den Equiseten zu. Bei dieser Familie untersuchte er auch sehr eingehend die anatomischen und entwicklungsgeschichtlichen Verhältnisse. Schon als Student veröffentlichte er 1850 in der botanischen Zeitung eine kurze Mittheilung über die Bildung der Antheridien bei keimenden Equiseten. Ausführlicher wurde dieser Gegenstand dann in seiner bald darauf erschienenen, oben bereits erwähnten Dissertation behandelt und [731] ferner in einer 1852 in den Verhandl. d. Leop.-Carol. Akad. publicirten Abhandlung: „Beiträge zur Kenntniß der Equiseten“. Hier erschienen auch seine Untersuchungen über die Entwicklung der Archegonien, welche er unabhängig von den fast gleichzeitigen epochemachenden Forschungen Hofmeister’s über diesen Gegenstand ausgeführt hat. Es schließt sich an diese Arbeiten eine lange Reihe kleinerer und größerer Aufsätze, veröffentlicht in der botanischen Zeitung (1852 u. 56), der Flora (1852), den Verhandl. d. Schles. Gesellsch. (von 1850 an), in den Verhandl. d. Wiener zool.-bot. Ges. (1861–63) und in den Acten d. Leop.-Carol. Akad., welche theils auf anatomisch-morphologische, theils auf die systematischen Verhältnisse der Schachtelhalme Rücksicht nehmen. In letzterer Beziehung sind maßgebend für die spätere Forschung geworden die Bearbeitung der Equiseten in den „Gefäßkryptogamen Schlesiens, preußischen und österreichischen Antheils“ (Nova Acta Acad. Leop. Carol. Vol. XXVI, 1858), der Novara-Expedition (1862 u. 70), Indiens (Annalen des Leydener Museums, 1863) und Brasiliens (Flora Brasil. 630–643). Endlich gipfeln seine Untersuchungen über diese Pflanzenfamilie in seiner 1867 als Vol. XXXII pars II d. Abhandl. d. Leop.-Carol. Akad. erschienenen: „Monographia Equisetorum“. Diese treffliche Arbeit enthält zu einer nur einige 20 Species umfassenden Pflanzengattung einen Commentar von 605 Quartseiten. Es ist nicht nur der geschichtliche Theil in sehr erschöpfender Weise behandelt, auch die Abschnitte, welche Anatomie und Morphologie behandeln, zeugen von dem großen Fleiße des Verfassers und bieten manche werthvolle eigene Beobachtungen. Namentlich hat M. über die Spaltöffnungen zahlreiche Untersuchungen angestellt und deren Bau für die systematische Eintheilung der Equiseten verwerthet. Es beruht darauf die Trennung der Schachtelhalme in die Gattungen Equisetum und Hippochaete. Die sonstige Behandlung des systematischen Theils ist die für descriptive Werke dieser Art übliche und zeichnet sich durch Vollständigkeit und Uebersichtlichkeit aus. Jedenfalls bietet das ganze Werk jedem späteren Bearbeiter der betreffenden Pflanzenfamilie eine unentbehrliche Grundlage. Wenn auch nicht in gleichem Umfange wie die Schachtelhalme, von denen M. alle seiner Zeit auf der Erde gefundenen Arten untersucht hat, so doch mit gleicher Gründlichkeit und Liebe erforschte M. die formenreichste Classe der Gefäßkryptogamen, die Farne. Zunächst erschien eine umfassende Bearbeitung der einheimischen Arten außer in den schon erwähnten „Gefäßkryptogamen Schlesiens“, in dem als selbständiges Werk herausgekommenen Buche: „Die höheren Sporenpflanzen Deutschlands und der Schweiz“ (1865). Es wurde diese letzte Arbeit bei ihrem Erscheinen von allen Botanikern, die sich mit Kryptogamenkunde beschäftigen, aufs freudigste begrüßt, ebensowol als eine höchst werthvolle Ergänzung und Fortsetzung der bis dahin gebräuchlichen vaterländischen Floren und als sicherer Führer bei der Bestimmung der heimischen Arten, wie nicht minder als ein anregender, vorbildlicher Leitfaden für derartige Untersuchungen überhaupt, werthvoll durch die zahlreichen Hinweise auf das, was noch gefunden werden könnte oder etwa der weiteren Untersuchung bedürfe. Ein specielleres Studium wandte M. der Familie der Osmundaceen zu und veröffentlichte als Frucht derselben 1868 eine „Monographia generis Osmundae“. Im Wesentlichen schließt sich dieses Büchlein in seiner Einrichtung der Monographie der Schachtelhalme an, untersucht die Stellung der Osmundaceen zu den nächstverwandten Familien und der Gattungen Osmunda und Todea unter sich, bespricht die gegenseitige Stellung und Veränderlichkeit ihrer Arten und legt von neuem Zeugniß ab für die Gründlichkeit und Detailkenntniß des Verfassers in morphologischen und systematischen Fragen, wenngleich naturgemäß vieles in dem Buche nur als Wiederholung aus früheren Arbeiten Milde’s auftritt. Neu ist in dem anatomisch-morphologischen Capitel [732] die Beschreibung der Keimung von Osmunda. Ein geographisch weites Gebiet umfassen die 1867 publicirten: „Filices Europae et Atlantidis, Asiae minoris et Sibiriae“. Ursprünglich lag es nur in Milde’s Absicht, die Farne von Europa und der Atlantis zu beschreiben, allein das reiche Material, das ihm zufloß, bewog ihn, um ein mehr abgerundetes Gebiet zu erhalten, auch noch die Formen Sibiriens und Kleinasiens mit hinzuzuziehen. Die systematische Anordnung folgt dem von Mettenius in den Filices horti bot. Lipsiensis aufgestellten System; die Behandlung der einzelnen Arten ist conform der in den übrigen Werken Milde’s beobachteten. Dem Namen mit den nothwendigen Synonymen folgt eine ausführliche lateinische Diagnose, der sich die Citate der Abbildungen anschließen, worauf Angabe der Standorte und allgemeine Bemerkungen den Schluß bilden. Von besonderem Interesse sind auch noch die hier behandelten biologischen Fragen, welche auf Milde’s Stellung zur Transmutationslehre einiges Licht werfen. Indem er nämlich mit wachsendem Eifer die Veränderungen verfolgte, welche viele der beschriebenen Arten bei ihrem Vorschreiten nach dem Süden erleiden, konnte er sich der Frage nicht erwehren, ob hier nicht vor unsern Augen Uebergänge verschiedener Arten in einander vorlägen. In seinen „Materialien zur Beurtheilung der Darwin’schen Theorie“, welche 1867 in der botanischen Zeitung erschienen, kommt er zu dem Ergebniß, daß einige Arten, wie Blechnum Spicant., Athyrium Filix femina etc., trotz weiter Verbreitung wenig variiren, während andere, z. B. Polypodium vulgare, Cheilanthes fragrans, Asplenium Ruta muraria in von einander entfernten Gegenden in so verschiedenen Formen auftreten, daß er selbst bei mehr als einer erklärt, es würde sie jeder unbedenklich für besondere Arten halten, wenn nicht Uebergänge sich fänden, welche diese Annahme widerlegten. Ohne Rücksicht auf die Bedeutung der trennenden Merkmale vereinigt daher M. alle noch so verschiedenen Formen, welche durch Uebergänge verbunden sind, zu einer Art. Die den Farnen nahestehenden Ophioglosseen bearbeitete M. in zwei Monographien. Die erste erschien als Programmabhandlung bereits 1856 unter dem Titel: „Monographie der deutschen Ophioglossaceen“. Die beiden dahin gehörigen Gattungen Botrychium und Ophioglossum werden darin zunächst nach ihren Unterscheidungsmerkmalen geschildert, dann folgt eine ausführliche Diagnose der Arten, wobei auf ihre Verbreitung, namentlich in Schlesien, auf Abänderungen und monströse Bildungen und auf die von den botanischen Autoren aufgestellten Formen gebührend Rücksicht genommen ist. Die Arbeit stützt sich auf die Untersuchungen eines sehr großen Materials theils lebender, theils getrockneter Pflanzen und muß schon aus diesem Grunde von jedem Forscher auf dem behandelten Gebiete nothwendig beachtet werden. Die zweite Monographie untersucht speciell die Gattung Botrychium. Als „Monographia Botrychiorum“, 1869 veröffentlicht, bietet die Abhandlung dadurch, daß sie im Wesentlichen die früheren Arbeiten des Verfasser sowol, wie seiner Vorgänger über diesen Gegenstand resümirt, in etlichen Punkten auch bereichert, eine Gesammtdarstellung aller Untersuchungen des fraglichen Gegenstandes dar. Was M. sonst noch über die Farne beobachtet hat, findet sich in kleineren Aufsätzen veröffentlicht, die meist in den Berichten der Schles. Gesellschaft für vaterländische Cultur (von 1855–70) oder in der botanischen Zeitung (1853 und 1866–70) abgedruckt sind. Die kleinen Familien der Lycopodiaceen und Rhizocarpeen haben M. nur wenig beschäftigt, obwohl er auch hier neue Arten entdeckt und aufgestellt hat (Verh. d. Schles. Ges., Bot. Zeit. und Linnaea von 1866 u. 1867). Erst nachdem M. durch das Studium der Gefäßkryptogamen zu einem gewissen Abschluß in ihrer Erkenntniß gekommen war, wandte er sich, ohne doch darum jene ganz aus den Augen zu verlieren, mit voller Kraft den Moosen zu. Seine Erstlingsarbeit in diesem Fache schloß [733] sich an eine zur Feier des königlichen Geburtstages im October 1855 auf der Schule gehaltene Festrede an, die nach einer auf den Tag bezüglichen Einleitung, die Bedeutung und den Nutzen der Moose im Haushalte der Natur zum Thema hatte. Bald aber reihten sich daran zahlreiche, in den Verhandl. der Schles. Gesellsch. und in der Bot. Zeit. fast alljährlich veröffentlichte Aufsätze über die Moose, deren wissenschaftliche Resultate schließlich in der 1869 erschienenen „Bryologia silesiaca“ zusammengefaßt sind. Nicht nur das durch den Titel bezeichnete Gebiet, die Flora von Nord- und Mitteldeutschland überhaupt, wie die von Holland, der Rheinpfalz, von Baden, Böhmen, Mähren und von der Umgegend von München sind in diesem Werke erschöpfend behandelt worden, so daß es seiner Zeit als das umfangreichste und wichtigste systematische Werk über die Moose gelten konnte. Der Entwicklungsgang und die Organographie der Laubmoose ist in einer kurzen Einleitung geschildert; dann folgt der beschreibende systematische Theil mit zwei zur Bestimmung der Ordnungen und Gattungen dienenden Uebersichten. Hinsichtlich der Anordnung des Materials sind die von Schimper in seiner Synopsis gegebenen Grundzüge der Moossystematik im Großen und Ganzen befolgt, doch immer unter Wahrung des selbständigen Urtheils auf Grund eigner Forschung. M. selbst erwähnt mit der ihm stets eignen Wahrheitsliebe der bedeutenden Vorarbeiten, welche, wie die von Albertini, Sendtner und Göppert seinem Werke zu Gute kamen. Doch war auch hierbei so manches Material nur in handschriftlichen Verzeichnissen oder in Privatherbarien niedergelegt und erfuhr erst durch Milde’s sichtende Hand die Veröffentlichung. Im Ganzen enthält die Bryologie zwar nicht allein, aber hauptsächlich durch Milde’s rastlose Bemühungen bereits 457 Arten, zu denen in zwei Nachträgen noch neun Arten hinzukamen, so daß die Gesammtzahl der bei seinem Tode bekannten Species 466 beträgt. Im Ganzen hat M. 83 Arten zuerst in Schlesien gefunden. Endlich sind auch die Pilze nicht ganz leer ausgegangen. Das von Bernstein entdeckte Microstoma hiemale wurde von M. genauer beschrieben (Bot. Zeit. 1852. Nova Acta Acad. Leop.-Carol. XXIII u. Verh. der Schles. Gesellsch. 1858) und auf die schlesischen Trüffeln, falsche und echte, wurde durch ihn die Aufmerksamkeit der Botaniker wiederholt hingelenkt (Bot. Zeit. 1864; Schles. Gesellsch. 1864–66). So ist Milde’s Name denn überall mit der wissenschaftlichen Kryptogamenkunde eng verknüpft. An äußerer Anerkennung hat es ihm in seinem kurzen Leben denn auch nicht gefehlt. Bereitwilligst gewährten ihm seine vorgesetzten Schulbehörden wiederholt längeren Urlaub, reducirten auch in letzter Zeit mit Rücksicht auf seinen leidenden Zustand die Zahl seiner Unterrichtsstunden auf die Hälfte. Zahlreiche gelehrte Gesellschaften ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitgliede und in der botanischen Litteratur lebt sein Name fort, geknüpft an mehreren der von ihm entdeckten Pflanzen. Und wahrlich, mehr wie je ist hier die Nachwelt berufen, auch für ferne Zeiten das Andenken eines Mannes in Ehren zu halten, der bei einem siechen Körper, ohne hochgestellte Fürsprecher, ohne Gunst der Verhältnisse, selbst ohne hervorragendes Talent, das mit leichter Mühe Bedeutendes schafft, ganz allein durch sich selbst, durch seinen eisernen Fleiß und die feste Energie seines Wollens so fruchtbar und segensreich gewirkt hat.

Nekrolog v. Stenzel in Verhandl. d. Schles. Gesellsch. f. vaterl. Cultur, 1871, S. 100.