ADB:Nissel, Johann Georg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Nissel, Johann Georg“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 702–703, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Nissel,_Johann_Georg&oldid=- (Version vom 20. Juni 2019, 05:33 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Nipperdey, Carl
Nächster>>>
Nissen, Nicolaus
Band 23 (1886), S. 702–703 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand März 2014, suchen)
GND-Nummer 121226646
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|23|702|703|Nissel, Johann Georg|Carl Gustav Adolf Siegfried|ADB:Nissel, Johann Georg}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=121226646}}    

Nissel: Johann Georg N., geboren in der Pfalz, lebte meist in Leyden (Hetzel, Gesch. der hebr. Sprache, S. 265). Er nennt sich auf seinen Büchertiteln orientalium linguarum φιλομαθής, linguarum orientalium propagator, [703] scheint also außer diesen selbverliehenen Eigenschaften weiter keine amtliche besessen zu haben. – † 1662. – Besonders hat er sich dem Studium des Aethiopischen zugewandt und um den Druck seiner Arbeiten gut herzustellen, errichtete er eine eigene äthiopische Druckerei, die auch von seinem Freunde Petraeus bei der Herausgabe äthiopischer Druckwerke benutzt wurde (s. des letzteren Büchertitel mit der Bezeichnung typis Nisselianis bei Rosenmüller, Hdb. f. d. Lit. d. bibl. Kritik etc., Bd. 3. S. 72. 73). Doch wurden auch andere Drucke typis Nissel. gedruckt. N. selbst gab zuerst 1656 das hohe Lied äthiopisch und mit lateinischer Uebersetzung heraus nebst dem Anhange der arabischen Version und deren lateinischer Uebersetzung (s. den vollst. Titel bei Rosenmüller a. a. O. S. 70); 1660 folgte das Buch Ruth äthiopisch und lateinisch (s. den Titel bei Rosenmüller a. a. O. S. 66) und in demselben Jahre der Prophet Zefanja in gleicher Weise edirt (s. den Titel a. a. O. 72. 73). Uebrigens wurden schon damals von Ludolf seine lateinischen Uebersetzungen als nicht ganz zuverlässig befunden. – Ein seltsamer Handel, dessen Ausgang N. zu seinem Glücke nicht mehr erlebte, knüpfte sich an eine von ihm veranstaltete Ausgabe der hebräischen Bibel, welche 1662 mit pomphaften lateinischen und hebräischen Titeln erschien (s. dieselben bei Rosenmüller a. a. O. Bd. I, S. 220–221) und mit einer lobpreisenden Vorrede von dem Leydener Professor A. Uchtmann eingeleitet wurde, da N. unmittelbar nach Abschluß des Druckes gestorben war. Wenn es auf dem hebräischen Titel dieser Bibel hieß: „wir haben sie aus einem sehr alten Buche abgeschrieben von Buchstaben zu Buchstaben“, so mußte nothwendig jeder denken, daß es sich hier um Wiedergabe einer sehr alten und besonders werthvollen Handschrift handle. Und so ward auch die Sache damals zuerst aufgefaßt. Tychsen in seinem tentamen de variis codd. hebr. generibus S. 227. 346 führt N. unter denjenigen auf, welche nach ältesten Handschriften das A. T. herausgegeben haben und ermahnt dazu, die Lesarten dieser Ausgabe zu beachten. Ebenso urtheilten Joh. Dav. Michaelis, welcher in seiner orientalischen und exeget. Bibliothek Bd. 10, S. 214–223 längere Mittheilungen über Nissel’s Varianten brachte und Hufnagel, der sogar ein Specimen variarum lectionum Nisselii 1777 schrieb, das in Eichhorn’s Repertor. f. bibl. und morgenl. Litt. Bd. 2, S. 180–194 seine Fortsetzung fand. Nach einiger Zeit aber entdeckte Tychsen geleitet durch die circelli critici unserer Ausgabe, daß dieselbe nichts weiter als ein Abdruck der Ausgabe von Elias Hutter von 1587 sei, auf welche wegen ihrer Seltenheit Niemand verfallen war und wies diesen Sachverhalt bei Eichhorn a. a. O. Bd. 5, S. 283–286 nach. Vgl. auch Hirt in der neuen orient. und exeget. Biblioth. Bd. 2, S. 287. Der Leser wird hiernach ermessen, in wieweit N. sich mit Recht einen linguarum orientalium propagator nennen konnte. Andere Schriften s. Jöcher, Thl. 3, S. 959.