ADB:Pall von Pallhausen, Vincenz

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Artikel „Pall von Pallhausen, Vincenz“ von Karl Theodor von Heigel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 789–790, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pall_von_Pallhausen,_Vincenz&oldid=- (Version vom 15. November 2019, 12:22 Uhr UTC)
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Pall *): Vincenz P. von Pallhausen, bairischer Archivar und Historiker, am 22. Januar 1759 zu Freising von bürgerlichen Eltern, welche den Namen Pall führten, geboren, † zu München am 9. August 1817. Er besuchte Schulen und Lyceum seiner Vaterstadt, trat 1779 als Novize in das Benedictinerkloster zu Tegernsee, verließ aber bald wieder den Convent und begab sich nach München, wo er am Lyceum seine Studien vollendete, dann bei einem Hofgerichtsadvocaten in Praxis trat. 1785 wurde er als geheimer Kanzlist angestellt, 1792 zum geheimen Registrator in der Staatsregistratur befördert und von Kurfürst Karl Theodor während des Reichsvicariats in den Adelstand mit dem Prädicat Edler von Pallhausen erhoben. 1796 leitete er die Flüchtung des Archivs nach Sachsen, 1797 nahm er als Registrator der bairischen Gesandtschaft am Friedenscongreß zu Rastatt Theil, nach der Rückkehr 1799 wurde er zum geh. Staatsarchivar und gleichzeitig auf Grund seiner Leistungen auf dem Gebiet vaterländischer Geschichtsforschung zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt. Er verfaßte mehrere geschichtliche Lehr- und Lesebücher, löste zwei von der Akademie gestellte Preisaufgaben über die Vasallität der Reichsstände in Baiern (1788, die Abhandlung wurde 1803 publicirt) und über Begriff und Grenzen des alten Noricum (1796). Seine Schrift über „Garibald, ersten König Bojoariens, und seine Tochter [790] Theodelinde, erste Königin in Italien, oder die Urgeschichte der Baiern“ (1810) verwickelte ihn in eine litterarische Fehde mit dem bekannten Ritter von Lang, die in einen erbitterten Streit zwischen den altbairischen Autochthonen, in deren Namen P. das Wort führte, und den „Neubaiern“ aus Franken und Schwaben ausartete. Von seinen zahlreichen übrigen Schriften sei noch „Bojoariae Topographia Romana-Celtica oder Baiern, wie es in den ältesten Zeiten war“ (1816)- namhaft gemacht; auch hier noch hielt er mit Zähigkeit fest an der verschrobenen Hypothese vom keltischen Ursprung der Baiern, die ihm als die aus Bojohemum durch die Markomannen verdrängten Boier galten. Neben seinen Forschungsarbeiten beschäftigte sich P. mit allerlei technischen Versuchen; u. A. war er bemüht, ein besseres Verfahren, mittels dessen der ganze Schriftsatz auf einer einzigen Platte unter die Buchdruckerpresse gebracht werden könnte, zu erfinden, und legte 1801 der Akademie eine wohlgerathene, kleine Stereotypenplatte vor. Ein Verzeichniß seiner Schriften ist einem Nekrolog in der Zeitschrift für Baiern, Jahrgang 1817, 3. Bd., S. 249, beigefügt.

Baader, Lexikon bair. Schriftsteller, I, 2, 129.

[789] *) Zu Bd. XXV, S. 81.