ADB:Petersen, Wilhelm

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Artikel „Petersen, Johann Wilhelm“ von Hermann Fischer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 506–508, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Petersen,_Wilhelm&oldid=- (Version vom 8. Dezember 2019, 11:16 Uhr UTC)
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Petersen: Johann Wilhelm P., Schriftsteller, 1758–1815. P. wurde im J. 1758 (nicht 1760) zu Bergzabern als Sohn des Consistorialraths und Hofpredigers P. geboren. Er wurde am 9. November 1773 in die Karlsakademie zu Stuttgart zum Studium der Rechte aufgenommen. Er war als Karlsschüler und in den folgenden Jahren mit Schiller nah befreundet; die Freundschaft wurde erneuert, als Schiller 1793–1794 für ein halbes Jahr wieder in Ludwigsburg und Stuttgart sich aufhielt. Am 15. December 1779 wurde P. aus der Akademie entlassen und als Unterbibliothekar an der herzogl. (später königl.) öffentlichen Bibliothek in Stuttgart angestellt; 1786 (nicht 1794) wurde er Bibliothekar und war daneben von 1789 bis zu der Anfangs 1794 erfolgten Aufhebung der Karlsschule Professor der Diplomatik und Heraldik an derselben. Im August 1794 wurde er, wie es scheint wegen seiner freien politischen Gesinnungen, des Amts entlassen, aber im November 1795 wieder eingesetzt. Er starb zu Stuttgart am 26. December 1815. – P. war nach den Schilderungen seiner Freunde ein guter, geselliger Kamerad, aber etwas zerfahren in seiner Lebensweise (vgl. Wagner, Gesch. der Hohen Carls-Schule 1, 335; 2, 408; Cotta’s Brief an Schiller in ihrem Briefwechsel, S. 485). Vor allem wird er als ein starker Trinker geschildert; Friedrich Haug, der Epigrammatiker, wohl sein intimster Freund, ist nicht müde geworden, ihn als Potator in Epigrammen unsterblich zu machen. Mit Haug und dessen Geistesverwandtem Friedrich Weisser hing P. auch litterarisch aufs engste zusammen. Er ist wie sie völlig auf der Geistesstufe des Aufklärungszeitalters stehen geblieben, war daher auch Mitarbeiter des in seinen ersten Zeiten von diesen beiden namentlich geleiteten „Morgenblatts“, ohne sich aber, soweit sich verfolgen läßt, an dem von diesem Blatte geführten Kriege gegen die Romantiker thätig zu betheiligen. [507] Seine Schriftstellerei bezieht sich zumeist auf culturhistorische Gegenstände und gibt oft von einer bedeutenden Belesenheit Zeugniß; leider hat er seine Kraft nie zu einem größeren Werke zusammengefaßt, so daß sich über das Maß seiner ganzen Combinations- und Darstellungsgabe kein genügendes Urtheil fällen läßt. – Petersen’s schriftstellerische Werke sind noch nirgends ganz vollständig zusammengestellt; ich thue es im Folgenden, soweit ich deren kenne.

A) Besonders erschienen: „Geschichte der deutschen National-Neigung zum Trunke“, 1782 (anonym); „Die Gedichte Ossians neuverteutschet“, 1782 und 2. Aufl. 1808 (anonym, in prosaischer Form); „Litteratur der Staatslehre. Ein Versuch von Jo. Wilhelm Placidus.“ 1. (einz.) Abtheilung, Strasburg 1798 (vielmehr Stuttgart, Mezler 1797? 1798?); „Einige Bemerkungen über die Königl. öffentliche Bücher-Sammlung in Stuttgart“, 1811 (anonym).

B) In Zeitschriften: a) Im Wirtembergischen Repertorium, das P. mit Schiller und Abel zusammen 1782/83 herausgab: „Auszug eines Schreibens, über Einiges im Schwäbischen Nationalkarakter“; „Eine Entdeckung in der teutschen Kunstgeschichte, das Alter der Glasmalerei betreffend“; „Leben Joh. Val. Andreä’s; „Fragen, die Geschichte der Sitten, der Künste und Wissenschaften in Teutschland betreffend“; wahrscheinlich auch: „Von der Gewohnheit verschiedener Völker, die wegen Gebrechlichkeit, Alter und andern Zufällen, unbrauchbare Personen zu tödten“; „Von den altteutschen Zweikämpfen zwischen Männern und Weibern“; „Neue Erläuterungen, die Geschichte der Rosenkreuzer und Goldmacher betreffend“; vielleicht endlich: „Etwas von Kaiser Max I.“; „Miscellaneen zur Geschichte des teutschen Frauenzimmers“; „Ueber den echten Karakter der teutschen Aussprache“. Jedenfalls ist P. der Hauptmitarbeiter dieser kurzlebigen Zeitschrift gewesen. – b) In Schiller’s Anthologie hat P. mehrere Gedichte geliefert, die sich aber nicht mehr bestimmen lassen. – c) In den Schriften der Kurf. Teutschen Gesellschaft in Mannheim, Bd. 3 (1787): „Welches sind die Veränderungen und Epochen der teutschen Hauptsprache seit Karl d. Gr.?“ – d) An Gräters Bragur soll P. (nach Meusel und Gradmann) Mitarbeiter gewesen sein; er ist daselbst in der Vorrede zu Band 3 als neueingetretener Mitarbeiter aufgeführt, seine Mitwirkung kann sich aber jedenfalls nur auf Artikel von kleinem Umfang bezogen haben. – e) Im Freimüthigen von 1805: „Fragmente, Schiller’s Jugendjahre betreffend“. – f) Im Morgenblatt: Zahlreiche Artikel vermischten Inhalts und verschiedenen Titels, zu allermeist culturhistorische Anekdoten u. ä. Einzelheiten. Wichtiger sind die im Jg. 1807 derselben Zeitschrift erschienenen Erinnerungen an Schiller. – Dazu noch manche Recensionen. – Am bekanntesten und interessantesten sind jedenfalls die Mittheilungen über Schiller, da sie von einem dem Dichter in seiner Jugend sehr nahe gestandenen herrühren; ihr exakter Werth ist leider nicht ganz zweifellos. Das Umfangreichste, was P. hinterlassen hat, sind seine nach seinem Tode von J. Fr. Cotta erworbenen, von dessen Enkel 1866 (mit Ausnahme eines Manuscripts zu Schillers Jugendgeschichte) an die königl. öffentliche Bibliothek zu Stuttgart geschenkten Collectaneen. Sie umfassen in vielen Fascikeln Aufzeichnungen zur Culturgeschichte, besonders des deutschen Mittelalters, zur mittelalterlichen deutschen Litteratur, zur Geschichte der Politik, zur Geschichte einzelner Wissenschaften, Württembergica und Miscellen. Diese Collectaneen sind in keiner Weise zusammen verarbeitet, sie beweisen aber oft eine bedeutende Findigkeit und sind nicht selten aus sehr entlegenen, schwer findbaren Quellen geschöpft.

Vgl. Meusel. – Haugs Gelehrtes Wirtemberg. – Gradmanns Gelehrtes Schwaben. – Schiller, hist.-krit. Ausg., Bd. 1, S. 376 f. – Schiller, Briefwechsel mit Cotta. – Wagner, Geschichte der Hohen Carls-Schule. – [508] Württembergische Vierteljahrshefte 6, 104 und 9, 14. – In den Werken über Schiller ist P. öfters genannt; s. jetzt insbesondere Weltrich’s Schiller.