ADB:Pippin (Unterkönig in Italien)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Pippin, König von Italien“ von Bernhard von Simson in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 162–164, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pippin_(Unterk%C3%B6nig_in_Italien)&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 07:32 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Pippin I.
Band 26 (1888), S. 162–164 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Pippin (Italien) in der Wikipedia
GND-Nummer 119385066
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|26|162|164|Pippin, König von Italien|Bernhard von Simson|ADB:Pippin (Unterkönig in Italien)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119385066}}    

Pippin, König von Italien, wurde im J. 777 als zweiter Sohn Karl’s des Großen und seiner Gemahlin Hildgard geboren. Ostern 781 empfing er zu Rom durch den Papst Hadrian I. die Taufe und erhielt erst jetzt den Namen Pippin, während er bis dahin den Namen Karlmann geführt hatte. Zugleich wurde er durch den Papst zum Könige gesalbt und empfing das Unterkönigreich Italien. Als Beherrscher desselben führt er den Titel „rex Langobardorum“. Wer zunächst die Leitung des jungen Fürsten und die Regierung für ihn übernahm, steht insofern fest, als urkundlich ein gewisser Rotchild als sein Bajulus (Pfleger) genannt wird. Die Annahme, daß der Abt Adalhard (s. A. D. B. I, 74) von Corbie, ein Vetter Karl’s d. Gr., ebenso wie später für seinen Sohn Bernhard (s. A. D. B. II, 419 ff.), die vormundschaftliche Regierung geführt habe, dürfte mithin vielleicht nur auf eine Verwechslung zurückzuführen sein. Auch daß Angilbert, der bekannte Dichter des karolingischen Hofkreises, eine hervorragende Stelle in Pippin’s Capelle bekleidet habe, ist keineswegs sicher bezeugt. Begreiflicherweise war die Abhängigkeit des italischen Unterkönigreichs von Karl eine sehr strenge. Wir besitzen von P. wol eigene Capitularien, aber keine eigenen Urkunden, während bei Ludwig von Aquitanien das Umgekehrte der Fall ist. Schwierig scheint sich bisweilen auch das Verhältniß des Königs zu dem Papste gestaltet zu haben; es fehlte nicht an Mißhelligkeiten zwischen P. und Leo III. Pippin’s gewöhnliche Residenz war Verona, dessen Bischof, Ratold, ihm nahe stand. Häufig finden wir ihn aber an dem Hoflager des Vaters, der ihn im J. 799 dem vertriebenen Papst Leo III. entgegensandte, um denselben nach Paderborn zu geleiten. – Im J. 787 nahm er Theil an dem Feldzuge gegen Tassilo von Baiern; er empfing damals den Befehl, sich mit der langobardischen Streitmacht von Süden her gegen die bairische Grenze in Bewegung zu setzen, er selbst sollte in Trient zurückbleiben, sein Heer dagegen [163] bis Bozen vorrücken. Im J. 797 unternahm er mit bairischen und langobardischen Streitkräften eine Heerfahrt wider die Südslaven, deren Gebiet er verwüstete. Einen sehr hervorragenden Antheil hat P. an dem Avarenkriege gehabt; 791 erfocht eine von ihm entsandte Heerschaar einen ersten Sieg über die Avaren (23. August); 796 vervollständigte er die durch den Markgrafen Erich von Friaul vollzogene Unterwerfung dieses Volkes. Er empfing die Huldigung der Avaren, pflog Berathungen über die Bekehrung derselben zum Christenthum, zerstörte ihren großen Ring und führte den Rest der dort in Jahrhunderten aufgespeicherten gewaltigen Schätze nach Achen. Auch ein rhythmisches Gedicht jener Zeit feiert P. als den Zerstörer des Avarenreichs. – Nach Benevent unternahm er eine Heerfahrt im J. 791, dann wieder im Winter 792–93, gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig, dem Könige von Aquitanien, welchen sein Vater ihm zu Hilfe gesandt hatte, ferner in den Jahren 800 und 801. Diese Züge gegen Benevent waren indessen großentheils erfolglos. Der in Gemeinschaft mit Ludwig unternommene mißglückte namentlich infolge einer Hungersnoth. Außerdem hatte P. an dem energischen Fürsten Grimoald III. von Benevent einen thatkräftigen Gegner und einen noch furchtbareren Feind an dem ungesunden Klima des Landes, das seinen Truppen verderblich wurde. Im J. 801 gelang es allerdings, Chieti zu erobern und den dortigen Befehlshaber Roselm gefangen zu nehmen. – Im J. 806 entsandte P. eine Flotte zum Schutze der Insel Corsica gegen die seeräuberischen spanischen Mauren, der es auch gelang, die Feinde für diesmal zu verscheuchen, obschon der Graf von Genua im Kampfe fiel. Ferner waren, nachdem Venetien und die Küste von Dalmatien sich zu Ende des J. 805 Karl d. Gr. unterworfen hatten, diese Gebiete (ebenso wie schon früher Istrien) mit Pippin’s italischem Reiche vereinigt worden. Infolge dessen fiel ihm auch die Führung des Kampfes mit dem byzantinischen Reiche über den Besitz dieser Gegenden zu. Erst nach seinem Tode kam es zu einem Friedensschlusse mit Byzanz, dem Karl nun diese Gegenden wieder preisgab, während der oströmische Hof sich dagegen endlich zur Anerkennung seiner Kaiserwürde bequemte. Was das Detail jener Kämpfe betrifft, so erschien eine griechische Flotte, um Dalmatien wieder zu erobern, und blokirte auch die venetianische Küste (806). Die venetianischen Dogen schlossen sich wieder an Constantinopel an und im J. 807 schloß Pippin mit dem griechischen Patricius Nicetas, welcher mit der griechischen Flotte vor Venedig ankerte, Waffenstillstand bis zum August 808. Auch der byzantinische Admiral Paulus knüpfte im J. 809, nach einem verunglückten Angriff auf Comacchio, mit P. auf eigene Hand Friedensverhandlungen an, die jedoch durch die venetianischen Dogen hintertrieben wurden. Im folgenden Jahr (810) zwang P. Venedig wieder zur Unterwerfung; venetianische Nachrichten, nach welchem sein Angriff glänzend zurückgeschlagen worden sein soll, sind unglaubwürdig und nur soviel wahr, daß er auf erhebliche Schwierigkeiten stieß. Weniger glücklich war sein Versuch, die ebenfalls von der fränkischen Herrschaft wieder abgefallene Küste Dalmatiens verwüsten zu lassen. Die Flotte, welche er zu diesem Behuf ausgesandt hatte, mußte sich vor einem byzantinischen Geschwader zurückziehen. – Karl’s Reichstheilungsgesetz vom 6. Februar 806 sprach diesem Sohne außer Italien auch Baiern, mit Ausnahme des Nordgaues, ferner Alamannien südlich der Donau sowie Churwalchen und den Thurgau zu. P. starb jedoch bereits vor dem Vater, am 8. Juli 810 und wurde am 11. in Mailand bestattet. Er hinterließ einen Sohn, Bernhard, und fünf Töchter, deren sich der Kaiser Karl mit großväterlicher Liebe annahm. Derselbe nahm die Enkelinnen an seinen eigenen Hof und ließ sie hier erziehen; den Enkel machte er später zum Nachfolger seines Vaters im Königreich Italien. [164] P. hatte vornehmlich als Kriegsheld geglänzt; er stellte in dieser Hinsicht auch seinen älteren Bruder Karl in den Schatten: „bellipotens, animosus heros, fortissimus armis“ nennt ihn einer der karolingischen Hofpoeten. Aber auch ein humaner, wohlwollender Zug scheint an seinem Wesen erkennbar. Wir finden, daß Karl auf eine von ihm unterstützte Anregung Alkuin’s Gefangenen Befreiung gewährt; daß die langobardischen Geiseln, welche ins Frankenreich abgeführt worden waren, auf seine Fürsprache wieder nach der Heimat entlassen und in den Besitz ihrer Güter eingesetzt werden.

Mühlbacher, Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern. – Abel und Simson, Jahrbücher des fränkischen Reiches unter Karl dem Großen. I. II. 1866. 1883. – Malfatti, Imperatori e papi ai tempi della signoria dei Franchi in Italia. Bd. II. 1876.