ADB:Plessing, Johann Friedrich

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Artikel „Plessing, Johann Friedrich“ von Ernst Wilhelm Förstemann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 281–282, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Plessing,_Johann_Friedrich&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 21:14 Uhr UTC)
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Plessing: Johann Friedrich P. wurde am 28. October 1720 zu Konitz in dem damals polnischen Westpreußen geboren. Da ihm die Schule seiner Vaterstadt, in der er seine erste Ausbildung empfing, nur einen dürftigen Unterricht ertheilen konnte, wurde er, etwa fünfzehn Jahre alt, auf das altberühmte Gymnasium academicum zu Danzig geschickt, wo mehrere bedeutende Männer, namentlich der Rector und prof. theologiae Albert Meno Ver-Poorten, der prof. philosophiae Michael Christoph Hanov und der prof. eloquentiae Gottfried Lengnich um so mehr einen erheblichen Einfluß auf ihn ausüben konnten, als die damals schon ihrem Verfall entgegengehende Anstalt nur etwa hundert Zuhörer zählte. Dort blieb er bis 1740. Von seinem sich hieran anschließenden Studium auf den Universitäten Jena, Leipzig und Halle ist nichts bekannt geworden, jedenfalls aber ist er in ein näheres dauerndes Verhältniß zu dem Leipziger Theologen Johann Rudolf Kiesling getreten. Im Jahre 1745 wurde er dritter Prediger an der lutherischen Kirche zu St. Agnus in Köthen und Rector der dortigen Gemeindeschule, in welcher Stellung er dem anhaltischen, streng und aufrichtig dem herrschenden Pietismus ergebenen Hofe näher trat, welcher sich um den Fürsten August Ludwig scharte. Wahrscheinlich die zahlreichen Verbindungen dieses Hofes mit den am Mittelrhein angesessenen Dynastengeschlechtern haben den Anlaß dazu gegeben, daß P. schon im Jahre 1747 als Consistorialassessor und Pfarrer nach Wachenheim in der Pfalz berufen wurde. Dort blieb er indessen nur ein paar Jahre; sein Aufenthalt ist wahrscheinlich durch die für die lutherische Kirche höchst trüben Verhältnisse abgekürzt worden, die dort unter Karl Theodor hereinbrachen. Im Januar 1749 vom Fürsten Victor Amadeus von Anhalt zum Pfarrer nach Belleben im damaligen magdeburgischen Saal-, jetzt mansfelder Seekreise berufen, hielt er im April 1749 in Wachenheim die Abschiedspredigt und trat sein neues Pfarramt am 22. Juni d. J. an. Mittlerweile war er am 4. Februar 1748 in Köthen mit Christiana Juliana Maria v. Lampe aus einem alten Adelsgeschlecht, das jedoch seinen Grundbesitz eingebüßt hatte und im Anhaltischen Hofdienste bekleidete, vermählt worden, die ihm sieben Kinder schenkte, von denen nur das älteste und jüngste, ein Sohn und eine Tochter, am Leben blieben. Während seines Aufenthalts in Belleben erscheint 1757 und 1758 sein erstes und bedeutendstes Werk „Versuch vom Ursprung der Abgötterey“ in zwei Bänden, eingeführt durch eine warme Vorrede seines väterlichen Freundes Kiesling. Das Werk zeugt von ungewöhnlichen Kenntnissen auf dem Felde der antiken Mythologien, namentlich aber von hervorragender Gelehrsamteit in Betreff der hebräischen Alterthümer, auch von einer für jene Zeit und füt dieses Gebiet hoch anzuerkennenden Kritik. Den ersten Band dieses Buches widmete er, was aus seinen früheren Verhältnissen erklärlich ist, dem Herzoge Victor Amadeus Adolph zu Anhalt-Bernburg, den zweiten dem mit dem anhaltischen Fürstenhause nahe verschwägerten Grafen Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode, der schon Plessing’s Schwiegereltern wie diesem selbst mannigfache Gunst erwiesen hatte. Und das wurde für Plessing’s weitere Laufbahn entscheidend. Graf Christian Ernst, dessen vielseitig bedeutendes Wirken wir an anderm Orte gewürdigt haben, berief ihn 1764 in die neugegründete Stelle eines Hospitalpredigers zu Wernigerode, ernannte ihn 1772 zum Diaconus und 1786 zum Oberprediger der Sylvesterkirche und zum Consistorialrath. In diesen Stellen hat er dem Grafen Christian Ernst und dessen beiden [282] Nachfolgem dreißig Jahre lang bis zu seinem am 31. December 1793 erfolgenden Tode treu gedient und war das eigentlich gelehrt theologische Mitglied der zahlreichen wernigerodischen Geistlichkeit, daneben hoch geachtet wegen seiner großen Rechtschaffenheit und wahren Frömmigkeit. In die Zeit seines dortigen Wirkens fällt auch, und zwar in den Herbst 1777, jener merkwürdige Besuch Goethe’s in seinem Hause, der aber nicht ihm selbst, sondern seinem Sohne galt. Seine schriftstellerische Thätigkeit beschränkt sich, abgesehen von seinem oben erwähnten Hauptwerke und von seiner 1779 erschienenen Gedächtnißpredigt auf den Grafen Henrich Ernst zu Stolberg-Wernigerode, auf die Jahre 1785–1789. Dahin gehört außer einigen kleineren Aufsätzen „Die Auferstehungsgeschichte unseres Herrn Jesu Christi“, 1785, welche die große Belesenheit und den Forschungsgeist des Verfassers zeigte und 1788 eine zweite Auflage erlebte, deren Brauchbarkeit durch ein angehängtes Register erhöht war. In das Jahr 1786 fällt seine zu Wernigerode erschienene „Geschichte der Gräber, nebst einer Rede von der Heiligkeit der Gottesäcker“. Ebendaselbst kam 1789 eine synoptische Darstellung „Harmonische Geschichte der Auferstehung Jesu Christi bis zu seiner Himmelfahrt“ heraus. Besonders zu bemerken ist noch „Ueber Golgatha und Christi Grab; ein historisch-kritischer Versuch, mit einem Grundriß von der Gegend und Stadt des heutigen Jerusalems“, 1789, welches Buch ein brauchbares Repertorium über alles ist, was bisher über diesen antiquarisch wichtigen Gegenstand zur Sprache gekommen war.

H. Döring, Die gelehrten Theologen Deutschlands int 18. und 19. Jahrhundert. Neustadt a. d. Orla 1883. – Chr. Fr. Keßlin, Nachrichten von Schriftstellern und Künstlern der Grafschaft Wernigerode. Magdeburg 1856. – E. Jacobs, Johann Friedrich Pl. in der Zeitschr. des Harzver. f. Gesch. u. Alterth.-Kunde. 20. Jahrg. (1887) S. 456–514.