ADB:Quenstedt, Friedrich August

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Artikel „Quenstedt, Friedrich August“ von August Rothpletz in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 179–180, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Quenstedt,_Friedrich_August&oldid=2512658 (Version vom 19. November 2017, 17:46 Uhr UTC)
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Quenstedt: Friedrich August Q. war eine ganz eigenartige Persönlichkeit, die sich unter den Geologen der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch ihre Selbständigkeit bedeutungsvoll abhob. Ueber fünfzig Jahre seines Lebens hat er der Mineralogie, Stratigraphie und Paläontologie) gewidmet und die Spuren seines Weges werden nicht so leicht verwischt werden.

Er stammte aus Eisleben, wo er 1809 geboren wurde und bis 1830 seine Jugenderziehung erhielt. Dann erwarb er sich in Berlin seine wissenschaftliche Ausbildung und wurde ein würdiger Schüler seiner Lehrer Christ. Samuel Weiß und Leop. v. Buch. Mit 30 Jahren kam er als Professor für Mineralogie und Geologie nach Tübingen, und trotz der Verschiedenartigkeit seiner Sprache und seines Naturells verstand er es, die Herzen der Schwaben zu gewinnen, so daß sie ihn wie einen der Ihrigen verehrten und betrauerten, als der Tod ihn nach 51jähriger Lehrthätigkeit entführte.[1]

In den ersten 25 Jahren seiner Tübinger Zeit hat er Bedeutendes für Krystallographie und Mineralogie im Sinne der Anschauungen seines Lehrers Weiß geleistet („Methode der Krystallographie“ 1840, „Handbuch der Mineralogie“, in 3 Auflagen 1854, 1862 und 1877; „Grundriß der bestimmenden und rechnenden Krystallographie“ 1873).

Seines Lebens eigentlichste Arbeit aber galt den Versteinerungen und der Gliederung der Juraformation, wobei er eine erstaunliche Fülle von Details zu Tage förderte. Doch war ihm dies nie die Hauptsache und sein Blick stets auf allgemeine, wichtige Probleme gerichtet. Von Anderen überlieferte Thatsachen unbesehen zu übernehmen, lag nicht in seiner Natur, und er suchte seine Argumente aus eigenen Beobachtungen zu gewinnen. So ist es gekommen, daß die in seinen voluminösen Werken beschriebenen Objecte meistens in der Tübinger Sammlung zu finden sind. Er verzichtete deshalb lieber auf systematische Vollständigkeit und machte sich auch nichts daraus, die Arbeiten Anderer nicht zu berücksichtigen. Es weht überhaupt etwas von dem autokratischen Geiste L. v. Buch’s in seinen Werken und in seinem Verhältniß zu den Fachgenossen, die er eher mied als aufsuchte, und von denen er einige geradezu befeindete, weil sie nach seiner Meinung eine falsche Forschungsmethode hatten. Unter diesen letzteren stand Alc. d’Orbigny im Vordergrund und als gar einer seiner talentvollsten Schüler – Oppel – in späteren Jahren sich der Richtung d’Orbigny’s anschloß, war es auch mit dieser Freundschaft aus.

Quenstedt’s Hauptwerke sind: „Der Jura“, 1858; „Handbuch der Petrefactenkunde“, 3 Auflagen: 1852, 1866 und 1885; „Petrefactenkunde Deutschlands“: I. Cephalopoden 1849, II. Brachiopoden 1871, III. u. IV. Echinodermen 1872 u. 76, V. Schwämme 1878, VI. Korallen 1881, VII. Gasteropoden 1884, Die Ammoniten des schwäbischen Jura 1882–89.

Dazu kamen noch Schriften mehr populären Inhalts wie „Sonst und Jetzt“ 1855 und „Klar und Wahr“ 1872.

Durch alle seine Arbeiten zieht sich wie ein rother Faden der Grundgedanke, [180] daß die Species nicht scharf begrenzt ist, daß nicht nur in dem gleichen stratigraphischen Horizonte vielerlei Varietäten sich abzweigen, sondern daß dieselbe Art auch in mehreren Horizonten übereinander fortlebte, aber gleichfalls verschiedene, oft sogar recht weitgehende Variationen erlebte. Diese Ueberzeugung war es, die ihn zum unversöhnlichen Gegner d’Orbigny’s machte. Lange, ehe Darwin’s Lehren auch in der Paläontologie eine allgemeine Revolution in der Auffassung des Artbegriffes zu Wege brachte, war Q. in bewußter Weise für die Phylogenie eingetreten, als dann aber diese Richtung modern wurde, hatte er doch nicht allzuviel Freude daran, weil ihm die Art nicht zusagte, mit der sie eine neue umfangreiche Nomenclatur zum Ausdruck des neuen geistigen Inhaltes schuf.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. Quenstedt, Frdr. Aug. LIII 179 Z. 21 v. o. l.: Er starb am 21. Dec. 1889 in Tübingen. [Bd. 56, S. 398]