ADB:Rambach, Friedrich Eberhard (evangelischer Theologe)

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Artikel „Rambach, Friedrich Eberhard I.“ von l. u., Redaktion der ADB in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 763–764, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rambach,_Friedrich_Eberhard_(evangelischer_Theologe)&oldid=3016553 (Version vom 20. November 2017, 19:13 Uhr UTC)
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Rambach *): Friedrich Eberhard R. I., Vater von Johann Jacob R. II. (s. A. D. B. XXVII, 201). Großvater von Friedrich Eberhard R. II. (s. A. D. B. XXVII, 195) und von August Jacob R. (s. A. D. B. XXVII, 193), wurde am 24. oder 25. August 1708 zu Pfullendorf bei Gotha geboren. Sein Vater war der Pastor Georg Heinrich R. (geboren am 18. Juli 1670, † am 28. Juni 1731), ein Sohn des Tischlermeisters Johann Christoph R. in Arnstadt und ein Enkel des Tischlermeisters Leonhard R. in Arnstadt. Mit Johann Jacob R. I., dem berühmten Theologen (s. A. D. B. XXVII, 196), hatte er denselben Urgroßvater, den oben genannten Leonhard R.; ihre Väter waren Vettern. Unser Friedrich Eberhard wurde, nachdem er von seinem Vater dazu vorbereitet worden war, im J. 1721 auf das Gymnasium in Gotha gegeben; hier hatte besonders der Rector Vockerodt († 1727) einen großen Einfluß auf ihn. Während Vockerodt ein rühriger und nicht immer besonnener Vertreter des Pietismus war, war der Consistorialrath Ernst Salomon Cyprian (s. A. D. B. IV, 667), von welchem R. gleichfalls in Gotha zahlreiche Beweise von Wohlwollen erfuhr, ein mitunter etwas schroffer Vertheidiger der lutherischen Orthodoxie. Im J. 1727 bezog R. darauf die Universität in Halle a. S. zum Studium der Theologie; die bekannten Theologen Breithaupt, Lange und die beiden Michaelis[WS 1], sowie sein schon erwähnter Verwandter waren hier seine Lehrer. Schon während seiner Studienzeit ward er, wahrscheinlich um sich dadurch die Mittel zum weiteren Studium zu verschaffen (von Michaelis 1728 an), als Lehrer am Waisenhause beschäftigt, und es ist als ein Beweis davon anzusehen, daß er nicht gewöhnliche Begabung zum Unterrichten zeigte, daß er bald darauf in das „Seminarium selectum praeceptorum“, das damals unter der Leitung von Hieronymus Freyer (s. A. D. B. VII, 367) stand, aufgenommen ward. Alsbald nach vollendetem Studium ward er sodann als Lehrer am Pädagogium [764] angestellt (im J. 1730); Freyer, der auch Inspector des Pädagogiums war, war hier sein Vorbild und erfüllte ihn mit solcher Liebe zum Lehrerberuf, daß es schon schien, als wenn er in ihm verbleiben werde. Als er jedoch im J. 1734 auf einer Reise mit einem Freunde nach Cönnern kam, fand eine Predigt, die er dort hielt, solchen Beifall, daß man ihn alsbald zum Adjuncten des dortigen erkrankten Diakonus berief; R. folgte diesem Rufe um Pfingsten 1734, noch ohne rechte Neigung zum geistlichen Beruf. Er verheirathete sich noch in demselben Jahre mit der Tochter eines Kaufmanns in Calbe a. d. S. Sein Ruf als Prediger muß sich bald verbreitet haben; im J. 1736 ward er nach Königs-Wusterhausen befohlen, um vor Friedrich Wilhelm I. eine Probepredigt zu halten, und alsbald übertrug ihm der König die Stelle in dem benachbarten Teupitz mit der Anweisung, sich der armen und unwissenden Leute nicht zu schämen. R. war hier besonders auch für die Schulen thätig, doch ward er vor allem wegen seiner Predigten in weitern Kreisen bekannt. So erhielt er denn im J. 1740 eine Berufung als Diakonus an die Marktkirche in Halle, ward 1745 von da an die Heiligengeistkirche in Magdeburg berufen, ward hier 1750 Pastor, 1751 Oberdomprediger und Consistorialrath, und kam 1756 wieder nach Halle als erster Pastor an der Marktkirche und zugleich als Inspector (Superintendent) im ersten Saalkreise. Diese schnelle Beförderung in immer höhere Stellen brachte ihm auch immer größere Kreise der Wirksamkeit, in denen sich seine mannichfachen Gaben für den Verkehr mit Menschen der verschiedensten Stände, sein gerader Charakter und seine große Liebenswürdigkeit bewährten. Während des Siebenjährigen Krieges erlitt seine Wirksamkeit durch die Noth der Zeit mancherlei Hemmungen; doch war es ihm eine Erquickung, in den Stand gesetzt zu werden, auch viele Noth lindern zu können. Noch einmal erging nach zehn Jahren an ihn der Ruf in ein neues Amt; er wurde als Nachfolger von J. Fr. Burg (s. A. D. B. III, 588) zum Oberconsistorialrath und Inspector der lutherischen Kirchen im Fürstenthum Breslau in Breslau ernannt und folgte diesem Rufe im November 1766. Nach fünfjähriger Thätigkeit hier traf ihn im Februar 1772 auf der Kanzel ein Schlaganfall; er konnte dann doch wieder nach einiger Zeit seine Amtsgeschäfte aufnehmen, bis sich der Schlag gegen Ende des Jahres 1773 wiederholte. Von da an erwartete er täglich sein Ende, das am 16. August 1775 erfolgte. – R. hat eine ungewöhnlich reiche Thätigkeit als Schriftsteller entfaltet; namentlich übersetzte er eine große Anzahl theologischer und historischer Werke aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche; die Zahl dieser Uebersetzungen ist so groß, daß die Annahme erlaubt ist, zumal er doch auch in arbeitsvollen Kirchenämtern stand, er werde sich bei ihnen auch der Hülfe anderer bedient und die Arbeit dann nur geleitet und überwacht und die allerdings oft sehr umfangreichen Vorreden, Einleitungen, Anmerkungen u. s. f. geschrieben haben. Daß R. durch diese Arbeiten sich zu seiner Zeit ein großes Verdienst erworben und insbesondere Bekanntschaft mit den bedeutenderen Werken der gelehrten auswärtigen Litteratur den betreffenden Kreisen in Deutschland vermittelt hat, ist allgemein anerkannt. Unter seinen eigenen Werken sind einige in das Gebiet der biblischen Theologie einschlagende die verdienstvollsten.

Johann Jacob Rambach, Leben und Charakter Friedrich Eberhard Rambachs, Halle 1775, 4°. Rotermund zum Jöcher VI, Sp. 1283. – Meusel, Lexikon XI, 17–24; hier ein ausführliches Verzeichniß der von R. herausgegebenen Werke, das aber noch nicht vollständig ist; R. schrieb auch anonym und pseudonym. – Doering, Die gelehrten Theologen Deutschlands III, S. 427–436, auch mit einem Verzeichniß seiner Werke. – Hansen, Die Familie Rambach, Gotha 1875, S. 192–205.

[763] *) Zu Bd. XXVII, S. 195. Vermöge einer Irrung und ohne Schuld des Herrn Verfassers erscheint die Biographie hier im Nachtrag.

Die Red.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Johann Heinrich Michaelis und dessen Neffe Christian Benedikt Michaelis