ADB:Reichlin-Meldegg, Karl Alexander Freiherr von

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Artikel „Reichlin-Meldegg, Karl Alexander Freiherr von“ von Friedrich von Weech in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 681–682, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reichlin-Meldegg,_Karl_Alexander_Freiherr_von&oldid=2504968 (Version vom 25. September 2018, 09:38 Uhr UTC)
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Reichlin-Meldegg: Karl Alexander Freiherr v. R.-M., Professor der Philosophie an der Universität Heidelberg, geboren zu Grafenau in Baiern am 22. Februar 1801, † zu Heidelberg am 16. Februar 1877. Sohn eines aus altschwäbischem Adelsgeschlecht stammenden Auditors in dem Regiment des Fürsten zu Fürstenberg, der nach Anfall der fürstenbergischen Lande an Baden sich als Anwalt in Meersburg am Bodensee niederließ und von da als großherzoglich badischer Amtsassessor nach Ueberlingen, später als Justizrath nach Freiburg übersiedelte, erhielt R. seine gelehrte Vorbildung am Gymnasium zu Freiburg und bezog 16jährig die dortige Universität, wo er sich dem Studium der katholischen Theologie widmete. Nachdem er den Grad eines Doctors der Theologie erworben und die Priesterweihe erhalten hatte, habilitirte sich R. in Freiburg im J. 1822 als Privatdocent in der theologischen Facultät, in welcher er bald die Würde eines außerordentlichen und ordentlichen Professors erreichte. Seine Vorlesungen, die sich durch eine sehr freisinnige Haltung bemerkbar machten, erstreckten sich außer der Theologie auch auf Materien der Philosophie und Geschichte. Conflicte mit der erzbischöflichen Curie veranlaßten zuerst seine Versetzung in die philosophische Facultät, später seine Entfernung vom akademischen Lehramt unter Verleihung eines Sustentationsgehaltes. Nachdem er den Bruch mit der katholischer Kirche vollständig vollzogen hatte und zum protestantischen Bekenntnisse übergetreten war, siedelte er nach Heidelberg über, wo er 1832 als Docent in die philosophische Facultät eintrat, nachdem ihm noch vorher die philosophische Facultät der Universität Freiburg das Diplom eines Ehrendoctors ertheilt hatte. 1839 wurde er zum außerordentlichen, 1840 zum ordentlichen Professor der Philosophie ernannt. In dieser Stellung wirkte er eine lange Reihe von Jahren hindurch. Neben Collegien über Philosophie, Logik, Metaphysik u. s. f. hielt er regelmäßig eine von den Studirenden besonders gern gehörte Vorlesung über Goethe’s Faust. Hochbejahrt gab R., nachdem er im J. 1873 sein 50jähriges Doctorjubiläum gefeiert hatte, unter dem Titel „Das Leben eines ehemaligen römisch-katholischen Priesters (Heidelberg 1874) seine Selbstbiographie heraus, die kein unwichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte, insbesondere zur Kenntniß der liberalen Strömungen innerhalb der katholischen Kirche und der Stellung der Staatsgewalt zu denselben ist. Das Verdienst seiner wissenschaftlichen Thätigkeit liegt nicht in einer Erweiterung und Vermehrung der philosophischen Erkenntniß, was er leistete war namentlich eine für den Zweck akademischer Thätigkeit gewiß erwünschte Popularisirung der philosophischen Lehrmeinungen und ihrer historischen Entwicklung.

Schriften: „Die Theologie des Magus Manes und ihr Ursprung.“ Frankfurt 1825; „Theologische Abhandlungen.“ Graz 1829; „Geschichte des Christenthums von seinem Ursprung bis auf die neueste Zeit.“ Freiburg 1831; „Das Leben Heinrich Schmids, Doctor und außerord. Prof. zu Heidelberg, im Umrisse dargestellt.“ Heidelberg 1836; „Psychologie der Menschen mit Einschluß der Somatologie und der Lehre von den Geisteskrankheiten“. 2 Bde. Heidelberg [682] 1837–38; „Die Autolatrie oder Selbstanbetung, ein Geheimniß der Jung-Hegel’schen Philosophie. Ein humoristischer Versuch. Offenes Sendschreiben an L. Feuerbach.“ Pforzheim 1843; „H. E. G. Paulus und seine Zeit.“ 2 Bde. Stuttgart 1853; „Friedrich Kortüm.“ Leipzig 1858; „System der Logik nebst Einleitung in die Philosophie.“ 2 Bde., Wien 1870; „Das Leben eines ehemaligen römisch-katholischen Priesters. Eine Jubelschrift.“ Heidelberg 1874; (Gemeinsam mit Fr. Kortüm) „Geschichte Europas im Uebergange vom Mittelalter zur Neuzeit.“ 2 Bde. Leipzig 1861. Außerdem gab er nach des Verfassers Tod die Geschichte der Universität Heidelberg von Hautz heraus.