ADB:Reindel, Albert Christoph

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Artikel „Reindel, Albert Christoph“ von Paul Johannes Rée in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 11–13, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Reindel,_Albert_Christoph&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 00:33 Uhr UTC)
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Reindel: Albert Christoph R., Kupferstecher, wurde am 23. Juli 1784 in Nürnberg geboren. Er sollte Kaufmann werden, zeigte aber für diesen Stand so wenig Neigung, daß sein Vater ihn zunächst durch Director Zwinger im Zeichnen unterrichten ließ und dann im J. 1798 bei dem Kupferstecher Heinrich Guttenberg in die Lehre gab. Aus der Zwinger’schen Unterrichtsperiode stammen einige Rötelzeichnungen. 1803 ging er mit seinem Lehrer Guttenberg nach Paris und arbeitete dort weiter unter dessen Leitung bis zum Jahre 1809. Durch Salvage wurde er in das Studium der Anatomie eingeführt. Von Einfluß war für ihn der vertraute Verkehr mit seinem Landsmann, dem Kupferstecher Friedrich Geißler, dem Stuttgarter Maler Joh. Friedr. Wilh. Müller und dem französischen Stecher Desnoyers. Er betheiligte sich an der Illustration von Visconti’s „Iconographie“, für die er drei Büsten des Euripides, drei des Sophokles, eine des Miltiades, welche Guttenberg vollendete, ferner die des rumänischen Königs Parthamasiris und den Kopf des iberischen Königs Oussak stach. Ebenso lieferte er eine Reihe Reihe von Blättern für das von Laurent und Robillard herausgegebene „Musée français“, sowie für das „Musée Napoléon“, für ersteres mehrere antike Statuen, wie die schlafende Ariadne, Ceres, Isis und eine allegorische Gestalt des Capitol, für letzteres außer einigen antiken Bildwerken, Annibale Caracci’s oft gestochenes Gemälde im Louvre: „Madonna mit dem schlafenden Christuskinde und dem kleinen Johannes“, Manfredi’s „Zechgelage“, Nic. Poussin’s „Arkadische Hirten“ und „Diogenes, welcher die Schale [12] wegwirft“. Auf den beiden letzteren Stichen rührt die Landschaft von Haldenwang her, auf dessen nach Claude Lorrain gestochenen „Tageszeiten“ R. die Figuren ausführte. Arbeiten dieser Zeit sind ferner das Porträt des Nürnberger Kaufmanns J. C. Kießling (1804), eine allegorische Gestalt des Winters nach Poilly, eine Scene aus dem rasenden Roland nach Bartolozzi, eine nach Fr. Kobell radirte Landschaft u. a. m. Auch nach seiner Rückkehr in seine Vaterstadt, wo ihn die Werke der Vergangenheit mächtig anzogen und zu mancher Arbeit anregten, finden wir ihn als Illustrator thätig. So stach er mehrere Titelkupfer nach Lafitte, Zwinger, Näcke und anderen für verschiedene Bücher, in den Jahren 1815–1817, 1823 und 1827 für das Frauentaschenbuch, in dem auch einzelne Titeleinfassungen von ihm herrühren. Für die Jahrgänge 1826 und 1827 waren die Blätter mit einzelnen Figuren des „Schönen Brunnen“ bestimmt und ebenso sollten die zwölf Apostel von Vischer’s Grabmal des heil. Sebald zunächst hier erscheinen. Die Blätter kamen aber besonders heraus, letztere mehrere Male, mit Text und auch im Verein mit anderem wichtigen Bildwerk des Grabmals, dessen einzelne Theile nach und nach erschienen und von dem er 1821 eine große Gesammtansicht schuf. Ein anderes Werk Peter Vischer’s, eine kleine auf einem Tempelchen hockende Putte, stach er für die Abhandlung über diesen Meister, die 1831 bei Schrag in der Serie der „Nürnbergischen Künstler“ erschien, für die er schon 1823 das Bildniß seines Lehrers Guttenberg nach einer Zeichnung desselben geliefert hatte. Von Nürnberger Sculpturwerken finden sich noch unter seinen Blättern das Labenwolf’sche Gänsemännchen und Rauch’s Dürerstatue, letztere vom Jahre 1838, also zwei Jahre vor der Aufstellung des Burgschmiet’schen Gußwerkes. 1840 entstand der schöne Stich nach der Rauch’schen Gruppe der beiden polnischen Fürsten und Glaubenshelden Miecislaus und Boleslaus in der Kathedrale von Posen, der wie das drei Jahre früher nach H. Heß gestochene Blatt „Christus segnet die Kinder“ Raczynski’s „Geschichte der neueren deutschen Kunst“ ziert. In der Folge der Stiche nach den Füger’schen Zeichnungen zu Klopstock’s „Messias“ rühren zwei Blätter von ihm her: „Christus schwört sein Leiden zu vollenden“ (1. Gesang) und „die Gefangennahme Christi“ (6. Gesang). Zu seinen bedeutendsten Arbeiten, in denen sich das liebvollste Eingehen auf die individuellen Eigenthümlichkeiten seines Vorbildes und peinliche Gewissenhaftigkeit mit künstlerischem Feingefühl und voller Beherrschung der technischen Mittel verbinden, gehören die Stiche nach Dürer’s sogen. Vier Aposteln oder Temperamenten (1837), von denen der Kopf des Paulus noch besonders erschien, sowie das 1847 entstandene Blatt nach Dürer’s Bildniß Karl’s des Großen. Als Gegenstück zu dem von C. Heß gestochenen Bildniß des Königs Maximilian I. stach er das in der Pinakothek befindliche Gemälde J. Stieler’s: „Ludwig I. im Krönungsornat“. Das Blatt erschien zuerst im Jahre 1829, dann mit reich verzierter Einfassung versehen im J. 1834. Als spätere Arbeiten sind noch zu nennen eine Madonna mit dem Kinde nach einem damals als Lionardo da Vinci bezeichneten Gemälde in der Galerie von Pommersfelden, für den Albrecht Dürer-Verein in Nürnberg; die unvollendet gebliebene Predigt des Paulus nach dem Lesueur’schen Bilde im Louvre, sowie die Allegorie auf die Erziehung, Schule und Wohlthätigkeit nach R. Langer für das k. k. Ministerium des Innern. Eine Zeichnung der Lorenzkirche erwarb Joh. Gottl. v. Quandt, eine andere Zeichnung, die farbige Darstellung des „Schönen Brunnen“ auf dem Marktplatze zu Nürnberg, ward die Veranlassung, daß ihm die Restauration desselben übertragen wurde, die er mit Hülfe C. Heideloff’s und der Bildhauer Bandel, Burgschmiet und Rotermundt in den Jahren 1821–1824 ausführte. Er erhielt dafür die Medaille des bairischen Civilverdienstordens. Man betraute ihn noch [13] mit anderen außerhalb seines eigentlichen Gebietes liegenden Arbeiten, so mit der Restauration der St. Michaelskirche, für die er auch die Kanzel und den Altar entwarf, sowie der Synagoge in Fürth. Ferner entwarf er die marmorne Ara und leitete die Ausführung der mit Bronzezierath versehenen Marmortafel, welche der kaiserl. österreichische Geh. Rath Carneo Steffaneo dem Andenken des Burggrafen Friedrich III. hinter dem Hauptaltare der Kirche zu Kloster Heilsbronn bei Nürnberg errichten ließ. Auch auf litterarischem Gebiete war er thätig, indem er 1834 Thibaut’s von Chapuis herausgegebene „Perspective linéaire“ übersetzte. Einen bedeutenden Einfluß übte er auf die Kunst seiner Vaterstadt aus durch seine Wirksamkeit an der dortigen Kunstschule. Schon kurz nach seiner Rückkehr aus Paris, im J. 1811, war er zum Director der 1662 gegründeten, in jener Zeit sehr vernachlässigten Malerakademie ernannt worden, die er vollständig reorganisirte und 1819 in eine Kunstschule umwandelte, an der er im Actzeichnen unterrichtete und welcher er bis zu seinem am 23. Februar 1853 erfolgten Tode als Director vorstand. Außerdem war er Conservator der städtischen und königlichen Bildergalerie von Nürnberg. Die Münchener und die Berliner Akademie der Künste und Wissenschaften ernannten ihn zum Ehrenmitgliede. In seiner Vaterstadt gehörte er 18 Jahre lang dem Collegium der Gemeindebevollmächtigten an. Als seine Schüler sind zu erwähnen die Stecher Franz v. Stadler, Friedr. Wagner, Phil. Walther, J. G. Serz, der Zeichner J. G. Wolf und der Maler Karl Jäger.

G. K. Nagler’s Künstlerlexikon XII (1842). – Korrespondent von und für Deutschland 1853 Nr. 57. – Deutsches Kunstblatt, IV Jahrg. (1853), S. 117 f. – G. K. Nagler, die Monogrammisten I (1858).