ADB:Burgschmiet, Jakob Daniel

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Artikel „Burgschmiet, Jakob Daniel“ von Georg Wolfgang Karl Lochner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 610–613, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Burgschmiet,_Jakob_Daniel&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 20:53 Uhr UTC)
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Burgschmiet: Jakob Daniel B., geb. zu Nürnberg 11. Oct. 1796, † daselbst 7. März 1858. Hervorgegangen aus dem Kleinbürgerstande, aufgewachsen unter ärmlichen Verhältnissen, in seinem neunten Jahre der Mutter und zwei Jahre später auch des längere Zeit schon krank und zur Arbeit und Broterwerb [611] unfähigen Vaters, eines Steinhauers, beraubt, sollte er bei gänzlicher Vermögenslosigkeit eben in das Waisenhaus, die sogenannte Findel, gebracht werden, als sich ein Spielwaarendrechsler, Namens Maichel, seiner erbarmte und ihm bei sich Aufnahme und Lehre gewährte. Das von der Mutter ihm angeerbte Talent, das er schon frühzeitig durch Zeichnen, Malen und Schnitzen, zunächst zur eigenen Lust, dann aber während der Krankheit des Vaters auch um Geld zu verdienen, geübt und gepflegt hatte, fand hier zu weiterer Ausbildung volle Gelegenheit, und seine Geschicklichkeit überholte bald die seines Lehrherrn. Nach erstandener Lehrzeit arbeitete er mit Maichel gemeinschaftlich für den Kaufmann und Magazinbesitzer Bestelmaier, für den er besonders kleine Kindertheater verfertigte, die gut bezahlt wurden, so daß er 1819 es wagen durfte, sich selbst als „mechanischen Spielzeugfabrikant“ zu etabliren und zu heirathen. In derselben Zeit kam der Mechanicus Tendler aus Steiermark nach Nürnberg und erregte durch sein Automatentheater großes Aufsehen. Der Lithograph Georg Paul Buchner wurde dadurch veranlaßt, es nachzuahmen, verband sich zu diesem Ende mit B. und es gelang ihnen, dasselbe Resultat wie Tendler zu erzielen. Die ersten Vorstellungen fanden in Nürnberg, Fürth und der Umgegend statt, und auch Maichel leistete dabei hülfreiche Hand, hatte aber das Unglück, vom Gerüste zu fallen und sich so zu verletzen, daß bald darauf sein Tod erfolgte. Nun besuchten in den Jahren 1820–1822 Buchner und B. mit ihrem Automatencabinet mehrere große Städte, Berlin, Dresden, Leipzig, München, und fanden überall Beifall und entsprechenden Verdienst. Nach Nürnberg zurückgekehrt, wurde B. von dem Buchhändler Dr. Friedrich Campe, damals Magistratsrath und als solcher mit der Verwaltung des Waisenhauses beauftragt, zu der Fertigung der in demselben vorkommenden Bildschnitzerarbeiten beigezogen, welcher Aufgabe er sich mit allgemein anerkanntem Geschick entledigte. Die in demselben Gebäude an der Treppe angebrachte Figur eines Barfüßermönchs zur Erinnerung an das Barfüßer- oder Franciscanerkloster, dem ehedem diese ausgedehnten Räume gehört hatten, ist das wohlgetroffene Bild seines Gönners Campe, dem er dadurch ein Denkmal setzte. Weitere Ausbildung gab er sich durch den Besuch der Kunstschule, die damals unter der Leitung des verdienten Albrecht Reindel stand und erlangte so auch theoretische Kenntnisse in dem, wozu ihn bisher blos angeborne Anlage geführt hatte. Als die Wiederherstellung des sogenannten „Schönen Brunnens“, der einem gänzlichen Verfall entgegen zu gehen drohte, in Angriff genommen wurde, wurde nebst den Bildhauern Rotermundt und Bandel auch B. zu den Steinhauerarbeiten an demselben beigezogen und mehrere derselben wurden von ihm ganz neu gefertigt. (Bergau, Gesch. und Beschreib. des schönen Brunnen, 1871, S. 25.) Auch Reindel’s und sein eigenes Brustbild brachte er dabei an. (Wilder, Beschreib. etc., 1824, S. 28.) Etwas später wurde ihm auch die Ausbesserung der schadhaften Basreliefs Adam Kraft’s, der sogenannten Stationen, auf dem Wege vom Thiergärtnerthor gegen den St. Johanniskirchhof zu, übertragen. Als das erste größere, ihm ganz selbständig übertragene Werk ist die Bildsäule Melanchthon’s zu nennen, die er 1826 auf dem Platze vor dem Gymnasium, wo sie steht, aus dem rohen Steinblock herausarbeitete und womit er sich allgemeine Anerkennung erwarb. Bisher blos Steinhauer und Bildschnitzer legte er sich nun, nachdem er 1826 Lehrer der Plastik an der polytechnischen Schule geworden war, auch auf das Gießen. Doch fällt das Bild König Adolfs an dem sogen. Nassauer Haus schon in 1825, wie das Akrostichon zeigt. Auch eine Statue des Bamberger Bischofs Fechenbach gehört in diese Zeit. Bei diesen Gußarbeiten, wie auch bei seiner nachherigen ersten großen Arbeit im Erzguß, förderte ihn durch Rath und That der alte Rothgießer Ruprecht, wie er selbst oft dankbar anerkannte. Als nämlich [612] durch König Ludwig I. die Errichtung eines aus Erz gegossenen Standbildes Dürer’s angeregt wurde, und anfangs der Guß des von Rauch zu fertigenden Modells in München geschehen sollte, gelang es der patriotischen Gesinnung der Bürger Nürnbergs, zu bewirken, daß der Guß des Standbildes des aus Nürnberg hervorgegangenen Meisters auch einem Nürnberger, nämlich B., übertragen wurde, und wie bei dieser Gelegenheit vor allen der Name Johannes Scharrer’s, zweiten Bürgermeisters, ehrend zu erwähnen ist, so war es auch dieser Mann, der den Magistrat bewog, dem strebenden Künstler die Mittel zu einem mehrmonatlichen Aufenthalt in Paris zu geben, wo er sich noch weiter ausbilden sollte, um ihm dann mit desto größerer Zuversicht den Guß der Dürerstatue übertragen zu können. Daß ihm der Besuch des Ateliers des Erzgießers Croissatière wenigstens das Ansehen eines gereisten Künstlers verlieh, wird jedoch die Hauptsache von diesem Pariser Aufenthalt (1828) gewesen sein, schwerer fallen wol ins Gewicht die vielfachen künstlerischen Anschauungen, die ihm Paris bot. In demselben Jahre war an Dürer’s Todestag (6. April) der Grundstein zu dem Monument gelegt worden; und als nun B. von Paris zurückgekehrt war, kaufte er, um sich eine eigene Gießhütte zu gründen, die alte Schmelzhütte S. 1073. Hier kam nun, während kleinere Arbeiten nebenherliefen, der Guß der Dürerstatue, nachdem im Februar 1837 das Modell aus Berlin angelangt war, glücklich zu Stande, und als am 21. Mai 1840, am Geburtstage Dürer’s, das am Abend vorher auf das Piedestal geschaffte Bild enthüllt wurde und der selbst von Berlin herzugekommene Rauch, von Freude erfüllt über das gelungene Werk, den wackern Künstler öffentlich umarmte, da theilte die ganze Stadt diese Freude, und B., schon vorher der Mann des Volks, aus dessen Mitte er hervorgegangen war und dessen Art zu sein er nie verleugnete, war von nun an der gefeiertste Name Nürnbergs. Es folgten nun Aufträge über Aufträge, die ihn veranlaßten, auch seine zuletzt inne gehabte Behausung wieder zu verlassen und sich vor dem Thiergärtnerthor, an der Seilersgasse N. 95, Haus und Garten zu kaufen und dort eine zur Ausführung größerer Werke geeignete Gießhütte und eine geräumige Werkstatt zu errichten. Seinem Gönner und Förderer Scharrer errichtete er selbst 1844 ein Grabdenkmal auf St. Johanniskirchhof. In demselben Jahre goß er das Denkmal des Generals v. Theobald, das auf dem Militärkirchhof, und das Brustbild Scharrer’s, das auf dem Bahnhof der Ludwigseisenbahn zu sehen ist. Dann folgte der Guß von Beethoven’s Standbild für Bonn, nach Hähnel’s Modell, und ebenfalls nach Hähnel der Guß der Statue Kaiser Karls IV. für Prag, 1851 des badischen Ministers Winter, nach Reich, und Luther’s, nach Müller, für Möhra. Nun wurde ihm von Seite des Kunstvereins von Böhmen der Guß des Radetzkydenkmals übertragen, das die Gebrüder Max modellirt hatten. Schon im Frühling 1856 begann der Guß und das Werk war der Vollendung nahe, als am 6. März 1858 der sich scheinbar der besten Gesundheit erfreuende B. auf dem Café Lotter, das er fast täglich besuchte, mitten im Billardspiel vom Schlag getroffen wurde. Sein letztes Wort war: „Ach, wenn nur mein Radetzky fertig wäre, dann wollte ich gern sterben.“ Am Morgen des 7. März verschied er, 62 Jahre alt. Sein Leichenbegängniß am 10. war eines der gefeiertsten, die Nürnberg gesehen. Bis an sein Ende war er schlicht und einfach, ohne alle Selbstüberhebung und ohne Falsch. Sein Grab ist das 33. auf St. Johanniskirchhof. Bei seinem Tode lebten von seinen Kindern zwei Söhne, von denen der eine seitdem gestorben ist, der andere einer kaufmännischen Richtung angehört, und eine Tochter, seit dem 5. Aug. 1855 mit Christoph Lenz, dem talentvollen Schüler Burgschmiet’s, verheirathet, der in Gemeinschaft mit Georg Heroldt, auch seinem Schüler, schon bei seinen Lebzeiten ihm zur Seite stand und nach seinem Tode das Geschäft weiter förderte. Wie Heroldt am 28. Juli 1871 zu Stockholm, wo er seit einigen Jahren beschäftigt war, in der Ausübung seines Berufes den Tod fand, [613] ist aus den Zeitungen bekannt, somit steht zur Zeit die Fortführung der von B. gegründeten Erzgießerei blos in der Leitung von Christoph Lenz.

Burgschmiet’s Leben von Priem, 1858.