ADB:Bandel, Ernst von

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Artikel „Bandel, Ernst von“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 46 (1902), S. 202–203, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bandel,_Ernst_von&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 03:03 Uhr UTC)
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Bandel: Ernst von B., Bildhauer, geboren am 17. Mai 1800 in Ansbach, Sohn des Appellationsgerichtsdirectors und Bankcommissärs Georg Friedrich Ritter v. B., trat nach sorgfältiger Erziehung im Vaterhause und nach Vollendung seiner Studien in Nürnberg, schon 1816 zur Kunst über, erhielt an der Münchener Akademie unter Karl v. Fischer, dem Erbauer des kgl. Hof- und Nationaltheaters die praktische Anleitung zur Architektur, befaßte sich auch mit der Malerei, wählte schließlich die Sculptur als Lebensaufgabe und bewährte sein Talent zuerst mit der lebensgroßen Statue eines liegenden „Mars“ (1820) und den Modellen einer „Charitas“ und eines Faun. Infolge dieser Leistungen übertrug ihm König Max I. zur Restauration des sog. Schönen Brunnens zu Nürnberg sechs große Figuren und die Modelle zu Moses und den Propheten (1821–22); 1825 unternahm B. eine Studienreise nach Italien, wurde zu Rom mit Thorwaldsen, Joh. Martin Wagner bekannt und meiselte daselbst die nachmals in der Walhalla aufgestellte Büste des Franz v. Sickingen. In München entstanden zwei Giebelfiguren für die Glyptothek, viele treffliche Porträtbüsten (König Max I., Peter Heß, Stieler, Dominik Quaglio, Fr. Gärtner), die Denkmäler für Ritter v. Skell (im Englischen Garten) und Peter v. Langer; eine Gruppe mit „Amor und Psyche“, die Statuen einer sich schmückenden „Venus“ und eine „Spes“, auch die vorgenannte „Charitas“ wurden in Marmor ausgeführt (vgl. Kunstblatt 1834, S. 182). Durch König Wilhelm IV. 1835 nach Hannover berufen, bethätigte sich B. an der Restauration des kgl. Schlosses, lieferte die Standbilder von Goldoni und Shakespeare am Portal des Theaters, für die Schloßkirche zwölf Reliefs, ebenso die „vier Facultäten“ an dem neuen Universitätsgebäude zu Göttingen und die Statue König Wilhelm’s IV. vor diesem Bauwerk. Nachdem B. im Winter 1838 auf 1839 zu Rom die Skizze zu der gefesselten Thusnelda (später in Marmor für das fürstl. Palais zu Detmold) entworfen hatte, wendete er sich an sein Hauptwerk, das „Hermann-Denkmal“ auf der Grotenburg (oder dem Teutberg) im Teutoburger Walde. Schon als Jüngling hatte B. 1819 auf einer Fußwanderung in Detmold, überwältigt von der großartigen, landschaftlichen Fernsicht, den Plan gefaßt, dem Befreier Deutschlands vom Joche der Römer im Teutoburger Walde ein weithinragendes Denkmal zu stiften. Das erste, kleine Modell entwarf B. 1830 zu München; diesem folgte ein größeres (1834 auf der Kunstausstellung zu Berlin), welches 1836 in Marmor umgearbeitet und 1838 weiter ausgeführt wurde, nachdem sich in Detmold ein Verein constituirt hatte, um die nöthigen Geldmittel zur Ausführung dieses Riesenwerkes aufzutreiben. Das ganze Unternehmen ist ein glänzender Beweis, was wahrer Fleiß in unermüdlicher Ausdauer zu leisten vermag und zwar trotz aller Schwierigkeiten, welche sich, oft Alles gefährdend, entgegenthürmten. Im fortwährenden Kampf um die nur langsam fließenden und zeitweilig sogar völlig versiegenden Mittel, setzte der edelgeherzte Künstler sein ganzes 120 000 Mark betragendes Privatvermögen ein. Für alle Modelle und architektonische Entwürfe, für die eine Fülle von Zeit und Arbeitskraft beanspruchende Leitung des Baues – nahm B. keine Bezahlung. Nur nach langem Drängen war B. zu bewegen, ein seinem ersten Gehülfen entsprechendes Tagegeld für sich in Rechnung zu bringen. Die Geschichte des Denkmals, worüber eine äußerst reichhaltige Litteratur vorliegt, wird hier nur in Umrissen berührt. Am 18. October 1838 wurde mit dem 30 Meter hohen Unterbau begonnen, eine Art Rundtempel mit kuppelförmiger Bedachung, dessen Vollendung bis zum 17. Juni 1846 dauerte; dabei kam ein [203] Material von 164 000 Kubikfuß des härtesten Sandsteins zur Verwendung, welches die durch öffentliche Sammlungen aufgebrachte Geldsumme vollständig erschöpfte. B. begann die äußerst complicirte, den Kern bildende Eisenconstruction, worüber die aus starkem Kupferblech getriebenen Theile der ganzen Figur gefügt werden sollten; dann schmiedete er zuerst das Riesenschwert, die rechte Faust, das mächtig blickende Haupt mit Hals und Helm. Leider gerieth die weitere Arbeit auf lange Zeit ins Stocken, bis die Vereine in Detmold und Hannover die Sammlungen neu aufnahmen, wozu König Friedrich Wilhelm IV. ein Geschenk von 2000 Thalern beisteuerte. Es gab eine Kette von widrigen Zwischenfällen zu überwinden, wobei auch ein Theil des vorräthigen und theilweise schon verarbeiteten Metalls entwendet wurde. Das Werk kam erst 1871 in rascheren Fluß, als sich nach dem französischen Krieg das öffentliche Interesse mit gesteigerter Lebhaftigkeit dem nationalen Unternehmen zuwendete: der Reichstag votirte 10 000 Thaler, wozu Kaiser Wilhelm I. noch 9000 Thaler fügte (1874). Am 16. August 1875 wurde das vollendete Denkmal, dessen Gesammtkosten die verhältnißmäßig geringe Summe von 90 000 Thalern betrugen, feierlichst inaugurirt. Auf dem wuchtigen Rundbau erhebt sich die schlanke, von B. selbst in Kupfer getriebene Statue Hermann’s, die Linke auf den Schild gestützt, die Rechte mit dem Schwert hoch erhoben. Die Höhe der Figur beträgt bis zum Helmschmuck 17 Meter, bis zur Spitze des Schwertes 26 Meter; das ganze Denkmal mit Einschluß der Standplatte 57 Meter. Das Gesammtgewicht beläuft sich auf 76 570 Kilogramm. – Der Künstler starb am 25. September 1876 auf dem Gute seines Stiefbruders zu Neudegg bei Donauwörth. Das damals öfter angeregte Project, dem uneigennützigen Meister ein eigenes Gedächtniß zu stiften, ist 1899 neuerdings aufgetaucht. – Sein Sohn Heinrich v. B., geboren am 23. Juni 1829 zu München, bewies frühzeitig eine große Fertigkeit im Modelliren von Porträtbüsten und Reliefs, arbeitete 1844 und 1845 in Carrara und Rom, ging 1849 nach London, wo er zuerst bei dem Bildhauer Camphel arbeitete, dann aber selbständige Bildwerke schuf, darunter die Statue eines jungen Achill, eine reitende Bacchantin, sterbende Amazone u. s. w. Der vielversprechende junge Mann starb schon am 10. October 1864 zu London. Seine letzte Schöpfung war eine lebensgroße „Mignon“ in Marmor.

Vgl. E. v. Bandel, Die Arminssäule. Hannover 1861. – Thorbecke, Zur Geschichte,des Hermannsdenkmals. Detmold 1875. – H. Schmidt, E. v. Bandel, ein deutscher Mann und Künstler. Hannover 1892 u. 1893. – Jul. Meyer, Lexikon II, 669. 1878. – Fast alle illustrirten Zeitschriften brachten Abbildungen des Denkmals und Porträts des Meisters, so gab z. B. Prof. Oesterley eine Innenansicht der Werkstätte mit dem Künstler und seinen Gehülfen, in der Gartenlaube, 1872 S. 442 u. 443. – W. Döring schildert einen Besuch beim alten Bandel, im Daheim 1875, Nr. 5, S. 70 u. s. w. Neuestens brachten noch The New England Magazine (Boston, April 1895, S. 160 ff.) eine Biographie Bandel’s von Myron R. Sanford mit 5 Ansichten des Denkmals.