ADB:Schöll, Friedrich

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Artikel „Schöll, Friedrich“ von Wilhelm Feldmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 54 (1908), S. 138–139, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sch%C3%B6ll,_Friedrich&oldid=- (Version vom 25. Juni 2019, 04:01 Uhr UTC)
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Schöll: Maximilian Samson Friedrich Sch., geboren am 8. Mai 1766 in dem nassau-saarbrückischen Städtchen Harskirchen. Seine erste Jugend verlebte er in Saarbrücken, wo sein Vater, ein Oheim der Friederike Brion und Gönner des Dichters Heinrich Leopold Wagner, 1773 als Regierungsrath starb. Die Wittwe übersiedelte mit ihren drei Kindern nach Buchsweiler im Elsaß, wo sie in sehr beschränkten Verhältnissen lebte. Friedrich Sch. besuchte das dortige Gymnasium. Das Geld für Bücher mußte er sich selbst durch Unterricht in der lateinischen Sprache verdienen, den er seit seinem zwölften Jahre jüngeren Schülern ertheilte. 1780 bezog er die Universität Straßburg, um classische Litteratur, Rechtswissenschaft, neue Geschichte und Politik zu studiren. Besonders nahm sich seiner Professor Koch, der Nachfolger Schöpflin’s, an. Ihm verdankte er eine Stelle als Hofmeister in der livländischen Familie v. Kroock und dadurch die Möglichkeit, seine Studien noch fünf Jahre ohne Geldsorgen fortzusetzen. Mit Frau General v. Kroock – die später in Dresden einen erwählten Kreis um sich sammelte – und ihren drei Kindern bereiste Sch. 1788 und 1789 ganz Italien und das südliche Frankreich. Nach kurzem Aufenthalt in Paris begleitete er die Familie nach St. Petersburg. Begeisterung für die französische Revolution bestimmte ihn, verschiedene Aufforderungen zum Eintritt in den russischen Staatsdienst abzulehnen und nach Straßburg zurückzukehren. Er war im Begriff, dort die Doctorprüfung zu bestehen, als die Nationalversammlung alle Promotionen aufhob. 1791 war Sch. électeur der Stadt Straßburg und Secretär der vereinigten niederrheinischen Wahlmänner, deren Versammlung sein Freund Levrault als Präsident [139] leitete. Als Mitglied der neuen Regierung, an deren Spitze Levrault als General-Procurator-Syndikus und der Baron Dietrich als Maire von Straßburg standen, protestirte Sch. mit der Mehrheit der Departementsregierung feierlich gegen die Beschlüsse des 10. August 1792. Aber die Gemäßigten mußten der Gewalt weichen und wurden durch Jakobiner ersetzt. Sch. ward statt dessen zweiter Gemeindeprocurator der Stadt Straßburg, während sein Freund Türkheim, gleichfalls Royalist, Maire wurde. Den Baron Dietrich hatte man als Hochverräther ins Gefängniß geworfen. Einer seiner Anwälte war Sch., der ihn in mehreren Schriften öffentlich vertheidigte. – Nachdem er wiederholt in Gefahr gekommen war, verhaftet zu werden und den Schergen des blutdürstigen Eulogius Schneider in die Hände zu fallen, floh er im Spätherbst 1773 nach Basel, wohin sich auch Levrault geflüchtet hatte. Hier blieb er drei Monate, während deren er sich u. a. mit Erlernung der kaufmännischen Wissenschaften beschäftigte. Im Februar 1794 kam er auf Einladung seines Onkels, des späteren Präsidenten des Landschaftscollegiums Weyland, nach Weimar, wo er sechs Wochen blieb und besonders mit Wieland, Herder, Bertuch und Böttiger verkehrte. Nach vorübergehendem Aufenthalt in Berlin übernahm er, Anfang August 1794, die Leitung der Decker’schen Buchdruckerei und der „Südpreußischen Zeitung“ in Posen, wo er seine aufsehenerregenden Artikel über die französische Revolution veröffentlichte. Im Sommer 1795 kehrte Sch. nach dem Elsaß zurück, heirathete im September 1796 und übernahm die Leitung der Buchhandlung und Buchdruckerei von Jakob Decker in Basel. Nach dem Frieden von Luneville ging diese in Schöll’s Besitz über und erhielt die Firma Schoell et Comp. 1803 ward die Firma als Levrault, Schoell et Co. nach Paris verlegt, wo sie bis 1806 bestand. Längere Zeit widmete sich Sch. ausschließlich der Herausgabe des Werkes „Voyage en Amérique“ von Humboldt und Bonpland. Dann beschloß er, dem französischen Volk die gelehrten Schätze Deutschlands zu vermitteln. Diesem Zwecke sollten seine nächsten Veröffentlichungen dienen. Die Katastrophe des französischen Handels 1812 brachte ihn in große Noth. Auf Vorschlag A. v. Humboldt’s trat er 1814 in preußische Dienste. Er wurde vorläufig ohne bestimmten Charakter der königlichen Gesandtschaft in Paris beigegeben, bald darauf zum königlichen Hofrath ernannt. 1815 wurde er nach Wien berufen, erhielt dann Befehl, sich dem Cabinet des Königs anzuschließen. Nach dem zweiten Pariser Frieden blieb er in Paris. 1817 weilte er vorübergehend bei Hardenberg in Pyrmont. Der große Staatsmann zeichnete ihn sehr aus, berief ihn im Juni 1819 nach Berlin als Geheimen Oberregierungsrath, vortragenden Rath beim Staatskanzler und beim Staatsministerium und ließ sich von ihm auf allen Reisen, auch 1821 nach Italien, begleiten. Nach dem Tode Hardenberg’s (1822) bereitete Sch. die Veröffentlichung von dessen Erinnerungen vor, die später Ranke herausgab. Er blieb zwar im preußischen Dienst, widmete sich aber fast ausschließlich litterarischen Arbeiten. 1830 kehrte er nach Paris zurück, wo er am 6. August 1833 starb.

Vgl. Zeitgenossen (Neue Reihe), Bd. I, Heft 2. Leipzig 1821. – Meusel, Bd. 14 u. 19. – Beilage z. Allgemeinen Zeitung 1833, Nr. 402 bis 404 (von Böttiger). – Pihan de la Forest, Essai sur la vie et les ouvrages de Schoell. Paris 1834. (Mit Verzeichnis seiner fast ausschließlich französischen Werke.) – Biographie universelle, Bd. 38. – Nouvelle Biographie générale, Bd. 43. – Ueber den Vater vgl. Mittheil. d. histor. Vereins f. d. Saargegend, Heft 8. Saabr. 1901, S. 49 ff.