ADB:Schenck von Dönstedt, Werner

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Artikel „Schenck von Dönstedt, Werner“ von Heinrich Pröhle in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 57–58, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schenck_von_D%C3%B6nstedt,_Werner&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 06:28 Uhr UTC)
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Schenck: Werner S. von Dönstedt, gelehrter Dichter und dänischer Officier, geboren 1597. Das Dorf Dönstedt, jetzt zum Kreise Neuhaldensleben gehörig, liegt zwar nicht so hübsch als das den Herren v. Nathusius gehörige, nahe Hundisburg, doch mit seinem jetzigen Park auch noch immer recht anmuthig an der Grenze des Magdeburgischen und der Altmark. Schon 1196 war die ritterbürtige Familie dieses Namens im Magdeburgischen im Besitze von Dönstedt. Die Dompröpste von Magdeburg traten es ihr ab. 1291 hatte sie auch bereits der Bischof von Halberstadt mit der Aufsicht über seine Kellereien und Brauereien beauftragt, weswegen sie sich die Schencken nannten. Jedenfalls der interessanteste dieses Geschlechtes ist Werner, der im J. 1597 geboren wurde. Seine Mutter, Maria Magdalena, war aus dem Schulenburgischen Hause, welches bis auf die neueste Zeit mit den Schencken von Dönstedt in enger Verbindung geblieben ist. Sein Vater war Kersten der Jüngere, von dem Werner 1624 Dönstedt erbte. Er war damals 27 Jahre alt und einer der gelehrtesten Junker, die je an der Grenze der Altmark gelebt haben: hat er doch griechische Verse gemacht! Kein Wunder aber, daß der jugendliche Poet, der während der dänischen Periode des dreißigjährigen Krieges von seinem Rittergute flüchten mußte, als Protestant bei Christian von Dänemark Kriegsdienste nahm. Es ging ihm wenig besser als dem Dänenkönige selbst. Werner wurde bei Lutter am Barenberge gefangen genommen und mußte mit Geld ausgelöst werden. Froh, daß ihm, als er aus Tilly’s Händen befreit war, auch Altringer, der bei Magdeburg commandirte, die Heimkehr nach Dönstedt erlaubte, verheirathete er sich dort 1628 mit Sophie v. Krosigk. Es wären auch vielleicht keine weiteren Verwickelungen erfolgt, wenn nicht seine beiden Brüder Albrecht und Kersten, als den Evangelischen zu beiden Seiten der kleinen Ohre ein neuer Hoffnungsstern aus Scandinavien erglänzte und vielleicht schon früher, ebenfalls zu den Fahnen geeilt wären. Diesen beiden gehörte ein zweites Familiengut, die Burg Flechtingen, welche sich die Schencken schon in älterer Zeit einige Stunden von Dönstedt jenseits der altmärkischen Grenze im jetzigen Kreise Gardelegen erbaut hatten und die gewiß zur Ausbreitung des Deutschthums unter den Wenden ihr Theil beigetragen hat. Weil nun aber alle drei Schencken schon gegen den Kaiser gefochten hatten, so zog Wallenstein 1629 ihre Güter ein. Namentlich wurde Flechtingen alsbald durch den Diener eines vornehmen österreichischen Günstlinges, des Herren von Wardenberg oder Wartenberg, in Besitz genommen. Bald darauf (April 1630) starb Albrecht im schwedischen Heere an der Pest. Kersten der S., der „in Preußen bei dem Grafen v. Eberstein“ Dienste genommen hatte, wurde (Juli 1630) „bei der kaiserlichen Armee unweit Erfurt“ erschossen. Werner der S. regte sich so gut er konnte, denn er war nicht bloß nun auch der Erbe des ihm vorenthaltenen Flechtingen, sondern Wallenstein hatte sich sogar einen willkürlichen Eingriff in die nicht so einfachen brandenburg-magdeburgischen Lehnsverhältnisse gestattet; auch war der noch lebenden Mutter der kriegslustigen drei Brüder, die während der unruhigen Zeiten in Flechtingen gehaust hatte, durch den wartenbergischen Diener ihre Leibzucht genommen. In der That gebot der Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg schon am 5. Juli 1630 dem Hauptmann der Altmark Thomas von dem Knesebeck den wartenbergischen Verwalter aus Flechtingen auszuweisen. Am 12. Juli 1632 wurde der griechische Dichter Werner der Schencke auf kurfürstlichen Befehl als Besitzer von Dönstedt und auch von Flechtingen förmlich wieder eingesetzt. Aber erst seit er sich 1639 von dem schwedischen [58] Feldmarschall Baner einen Schirmbrief verschafft, erging es ihm wieder gut. Er erfreute sich der Muße für seine Studien noch neunzehn Jahre nach dem Abschlusse des westfälischen Friedens, denn er starb erst 1667 im Alter von 70 Jahren. Die Schulenburgin hatte ihm 14 Kinder geboren. – Das Rittergut Dönstedt ist jetzt im Besitze des Herrn Eduard v. Schenck.

Neuhaldenslebische Kreis-Chronik von Peter Wilhelm Behrends (Neuhaldensleben 1826) II, 129–160. – Mittheilungen des Herrn Pastor Gueinzius in Dönstedt.