ADB:Schleifer, Mathias Leopold

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Artikel „Schleifer, Mathias Leopold“ von Anton Schlossar in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 457–459, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schleifer,_Mathias_Leopold&oldid=- (Version vom 17. Juli 2019, 08:53 Uhr UTC)
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Schleifer: Mathias Leopold S., österr. Dichter, wurde am 9. März 1771 zu Wildendürnbach in Niederösterreich geboren. Da sein Vater, ein kleiner Gastwirth, der sich in dürftigen Vermögensumständen befand, genöthigt war, bald nach der Geburt des Sohnes nach Wien zu übersiedeln, erhielt letzterer daselbst die erste Ausbildung und später auf der lateinischen Schule der Wiener Universität, [458] woselbst er insbesondere unter dem rühmlichst bekannten Professor der Poesie, Stein, die Dichtkunst studirte und sich frühzeitig schon mit eifriger Lectüre der Classiker beschäftigte. Im J. 1787 kam S. in die höheren Studien, aber die Mittel der Eltern reichten nicht aus, um den Strebsamen die Studien fortsetzen zu lassen, er mußte eine Schreiberstelle in der Canzlei der Dominicaner in Wien annehmen. Da veranlaßte eine Audienz beim Kaiser Joseph II., zu welcher sich der junge Mann verzweifelnd entschloß, daß ihm ein Stipendium bewilligt wurde, welches der Noth ein Ende machte und ihm seine Studien weiterzuführen gestattete. Von 1789–93 betrieb er an der Wiener Hochschule die Rechtswissenschaft, beschäftigte sich dabei aber ebenso eifrig mit der schönen Litteratur und verkehrte mit deren hervorragenden Vertretern in Wien. 1794 wurde S. als Amtsschreiber zu Velm bei Wien angestellt, nachdem er einige Male seine Anstellungsorte gewechselt, kam er 1801 als Oberbeamter nach Wallsee, wo er sich vermählte. 1806 finden wir S., da die französischen Truppen aus Oesterreich abzogen, als leitenden Beamten des Etappenspitals in Amstetten und 1807 als Pfleger wieder in Wallsee. Im J. 1809, als die Franzosen wieder das Land überschwemmt hatten, war der pflichtgetreue österreichische Beamte mannigfaltigen Gefahren ausgesetzt, einmal entging er sogar mit genauer Noth dem Geschicke, von einer feindlichen Rotte erschossen zu werden. Nachdem 1815 seine erste Frau gestorben war, vermählte er sich 1816 wieder in Sirning, wo er 1814 als Pfleger und Districtscommissar angestellt worden war. Dort verlebte er 12 Jahre und lernte auch Anton Schurz[WS 1] und Lenau kennen, mit welchen er in der Folge viel verkehrte. S. stand auch mit den Dichtern Graf Mailath, Feuchtersleben und Kaltenbrunner in reger Verbindung. 1826 wurde S. zum landesfürstlichen Pfleger der Herrschaftenspitale am Pyhrn und Klaus, 1829 zum Pfleger der kaiserlichen Salinenherrschaft Ort bei Gmunden und 1837 zum Bergrathe beim Salinenoberamt zu Gmunden ernannt, wo er mit dem poetisch begabten und ebenfalls litterarisch thätigen Fürsten Friedrich von Schwarzenberg bekannt und bald befreundet wurde. S. starb zu Gmunden am 26. September 1842.

Von Schleifer’s poetischen Arbeiten kommen namentlich die lyrischen Dichtungen in Betracht. Er hatte schon 1792 zusammen mit Gruber und Auffenberg eine kleine Sammlung: „Denkmal unserer Freundschaft“ herausgegeben und darin seine ersten Poesieen zum Abdrucke gebracht. 1830 und 1841 erschienen „Poetische Versuche“ und „Gedichte“; eine von seinem Schwiegersohne Kaltenbrunner herausgegebene Gesammtausgabe seiner Gedichte erschien zu Wien im J. 1847. S. ist eine bescheidene, edel angelegte Dichternatur, seine Poesieen ragen an Inhalt und Form unter den Dichtungen seiner österreichischen Zeitgenossen weit hervor, er hat auf dem Gebiete des patriotischen Liedes, der Ballade und poetischen Erzählung schönes geschaffen und die Vergessenheit nicht verdient, welcher er später anheim gefallen ist. Seine Gedichte: „Landwehrlied“, „die Schlacht bei Leipzig“, „das Lied vom Rhein“ zeugen von hoher patriotischer Begeisterung und Liebe zum deutschen und österreichischen Vaterlande. Auch hübsche Naturbilder finden sich in der Sammlung seiner Poesieen und manche heimische Sage hat er gelungen poetisch gestaltet, einige wohlgelungene Zechlieder weisen nach, daß er auch der heiteren Muse nicht abhold war. Eine dramatische Scene: „Hanibal und Scipio“ verdient hohe Beachtung. Nicht minder ragen manche Gedichte durch gedankentiefe Reflexion hervor, wie überhaupt S. sich von jeglicher Trivialität fernhält, er läßt sich nicht leicht mit einem anderen der österreichischen Poeten seiner Zeit vergleichen, an manchen seiner Dichtungen ist die Einwirkung Lenau’s nicht zu verkennen. An Liebesliedern hat die Sammlung von Schleifer’s Gedichten sehr wenig aufzuweisen. Die oben erwähnte Gesammtausgabe derselben, welche die Gedichte nach der Abfassungszeit zusammenstellt, ist [459] auch für die Kenntniß der Lebensmomente des Dichters von Werth. – Schleifer’s Sohn Moritz hat als Poet ebenfalls einen bemerkenswerthen Namen errungen.

M. L. Schleifer’s Leben von K. A. Kaltenbrunner in der oben erwähnten Gesammtausgabe der Gedichte, S. I–LII. Darnach bei Wurzbach, biogr. Lexikon XXX. – Vgl. auch Kehrein, biogr.-lit. Lexikon II, 98 und 99.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Karl Schurz